Schwimmende Solaranlagen: Erneuerbare Energie ohne Konkurrenz, aber mit regulatorischen Hürden

Gastautor Portrait

Boris Heller

Projektleiter, Erdgas Südwest

Boris Heller ist bereits seit über 10 Jahren in der Energiebranche tätig. Seit mittlerweile 5 Jahren liegt sein Fokus auf Erneuerbaren Energien. Bei Erdgas Südwest GmbH, einem Tochterunternehmen der EnBW AG, verantwortete er unterschiedliche Projekte im Bereich Photovoltaik-Großanlagen sowie als Geschäftsführer den Aufbau eines Schweizer Joint Ventures mit dem Schwerpunkt „Grüne Gase“. Seit 2018 beschäftigt sich Herr Heller schwerpunktmäßig mit dem neuen Thema „Schwimmende Photovoltaik“ und verantwortet seit Mitte 2019 als Teamleiter den Bereich Produkt- und Projektentwicklung bei Erdgas Südwest.

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13. Januar 2021
Foto: Erdgas Südwest

Es war so etwas wie ein Sprung ins kalte Wasser, als die Erdgas Südwest GmbH im Sommer 2019 ihre erste und bis dahin Deutschlands größte schwimmende Solaranlage auf einem Baggersee eröffnete. Heute hat das Unternehmen bereits die zweite Anlage gebaut. Enorme Vorteile treffen hier auf regulatorische Hürden.

Die schwimmende Photovoltaikanlage auf dem Baggersee im baden-württembergischen Renchen war von Kieswerksbetreiber Armin Ossola angestoßen worden. Er wollte seine Maschinen wie Bagger und Förderbänder mit Sonnenstrom betreiben und damit sowohl ökonomisch als auch ökologisch einen Unterschied machen. Schon nach einem Jahr war klar, dass der Plan aufgegangen war. Satte 860.000 kWh grüner Sonnenstrom wurden mit 2.300 Solar-Panelen im ersten Jahr produziert. Sie wurden zu 75 Prozent zur Eigenversorgung genutzt. Armin Ossola reduzierte seine Stromkosten im Vergleich zum Vorjahr um 10 Prozent. Und er sparte 560 Tonnen CO2 ein.

Dezentral, regional, erneuerbar

Mit seiner zweiten schwimmende PV-Anlage in Leimersheim in Rheinland-Pfalz stellt Erdgas Südwest den eigenen Größenrekord ein. Die Anlage, unterteilt in zwei Anlagen gleicher Größe, umfasst 3.744 Solar-Panele und schafft eine Gesamtleistung von 1,5 MWpeak. Auch hier kommt ein Teil des Stroms dem ansässigen Kieswerk zugute. Der Rest fließt ins öffentliche Netz und somit in die Haushalte der Region. Ein sehenswerter Beitrag zur Energiewende im Sinne des Klimas – dezentral und regional.

Fläche? Konkurrenzlos!

Doch wieso auf Wasser ausweichen, wenn Photovoltaik am Boden und auf dem Dach so gut funktioniert? Weil auf dem Wasser keine Flächenkonkurrenz existiert. Weder wertvolle landwirtschaftliche Flächen noch Blühwiesen werden in Beschlag genommen. Stattdessen entsteht Erneuerbare Energie auf Baggerseen an Stellen, die wirtschaftlich ohnehin bereits im Einsatz sind und keinem anderen Zweck zugeführt werden können. Darüber hinaus kann der erzeugten Strom direkt vor Ort weiterverwendet und Überschuss dennoch weiterhin eingespeist werden.

Umweltschützer erkennen Wert

Fische, Vögel, Fledermäuse: Kritische Fragen nach dem Schutz von Flora und Fauna stellt sich Erdgas Südwest bei seinen innovativen Projekten  – und weiß Antwort. Denn das Unternehmen, das schon 2004 eine eigene Initiative für Nachhaltigkeit und Umweltschutz gegründet hat, achtet auf diese Details. So sind Gutachten und ökologische Baubegleitung immer an Bord. Werden Kompensationsmaßnahmen erforderlich, werden sie von Erdgas Südwest erfüllt.

Umweltschützer erkennen allerdings vornehmlich das Potenzial der schwimmenden PV. So hat die Baubegleitung in Leimersheim festgestellt, dass die Umwelt durch die Anlage nur während des Baus minimal eingeschränkt wird. Stattdessen sei sie „ein Gewinn, da die ohnehin bereits dem Kiesabbau gewidmete Fläche noch einmal sinnvoll für die Erzeugung Erneuerbarer Energien genutzt wird, ohne wertvolle Lebensräume der hiesigen Tier- und Pflanzenwelt zu beanspruchen“. Der BUND in Rheinland-Pfalz plant sogar, das Projekt als Leuchtturm bei seiner BUND-SolarOffensive zu präsentieren.

EEG verlangsamt den Prozess

1.560.000 kWh Strom aus Sonnenenergie, 548.000 Kilogramm weniger CO2 pro Jahr? In Leimersheim erst 2021. Denn bei allen Vorteilen, die auch im Sinne der Bundesregierung sein sollten: Hürden gibt es trotzdem. Und die verlangsamen den Prozess und somit den Umwelt- und Klimaschutz. So wird in Leimersheim die zweite der beiden Teilanlagen erst Ende 2021 ans Netz gehen. Verantwortlich dafür ist das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG). Denn wären beide Anlagen gleichzeitig in Betrieb gegangen, wäre Erdgas Südwest zur Teilnahme an einer Ausschreibung gezwungen gewesen. Da Anlagen auf Seeflächen aber andere und kostenintensivere Anforderung an Projektplanung, Material und Co. stellen als Anlagen an Land, ist ein Zuschlag für schwimmende PV quasi nicht zu realisieren.

Rahmenbedingungen notwendig

Damit diese Energie wirklich produziert und genutzt werden kann, sind politische Rahmenbedingungen erforderlich.

Boris Heller

Die genannten Beispiele zeigen bereits deutlich: Schwimmende Solaranlagen sind ein echtes Konzept für die Zukunft. Das Fraunhofer Institut bestätigt das mit der Berechnung eines theoretischen Erzeugungspotenzials von rund 50 GWp und einer Ausbaugröße von bis zu 5 GWp in Deutschland. Noch weiter heruntergebrochen: Belegt man zwischen fünf und zehn Prozent der in Baden-Württemberg vorhandenen Seefläche, ergibt hier unter konservativer Betrachtung ein Potenzial von etwa 200 MWp.

Damit diese Energie wirklich produziert und genutzt werden kann, sind politische Rahmenbedingungen erforderlich. Eine Forderung von Erdgas Südwest liegt in der klaren Unterscheidung nach genutzter Fläche. Damit würde den unterschiedlichen Aufwänden entsprochen und Anreizsysteme ließen sich individueller gestalten. Auch das geltende Recht, dass Projekte aus Ausschreibungen rein als Einspeiseprojekte realisiert werden können, wäre eine mögliche und wichtige Stellschraube.

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