Wasserstoff für Baden-Württemberg: terranets bw ergreift die Initiative

Gastautor Portrait

Katrin Flinspach

Geschäftsführerin, terranets bw

Katrin Flinspach ist seit 2014 Geschäftsführerin des Fernleitungsnetzbetreibers terranets bw mit Sitz in Stuttgart. Zuvor verantwortete sie den Bereich Gremien, Recht & Personal bei der terranets bw GmbH und der GasVersorgung Süddeutschland GmbH.

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28. März 2022

Bereits heute trägt die terranets bw ganz maßgeblich Verantwortung für die sichere Energie- und Wärmeversorgung in Baden-Württemberg, Hessen und dem angrenzenden Ausland.

Die Ausgangslage

Schon heute baut Erdgas die Brücke in eine neue Zeit der Energieversorgung [...]

Katrin Flinspach

Auf 2.700 km betreiben wir eine leistungsstarke Transportinfrastruktur, um die sichere und zuverlässige Versorgung mit Erdgas zu gewährleisten – für die Menschen vor Ort, für die Industrie und für modernste Kraftwerke.

Auf dem Weg zur Klimaneutralität ist die terranets bw so bereits Teil der gesamtgesellschaftlichen Transformation: Schon heute baut Erdgas die Brücke in eine neue Zeit der Energieversorgung und sichert den gemeinschaftlich vereinbarten Ausstieg aus der Atom- und Kohleenergie ab. Denn allein durch Strom aus regenerativen Quellen kann das angestrebte energiepolitische Zieldreieck aus Ökologie, Ökonomie und Versorgungssicherheit nicht erreicht werden. Deswegen melden die Kunden der terranets bw, die regionalen Versorger, Kraftwerke und die Industrie in Baden-Württemberg allein bis 2030 einen weiteren Anstieg der Gesamtnachfrage um 30 Prozent.

Entsprechend arbeiten wir intensiv sowohl am bedarfsgerechten Ausbau unserer Infrastruktur als auch an der notwendigen Transformation für den Transport von Wasserstoff und klimaneutralen Gasen ab 2030.

Geht es überhaupt ohne Wasserstoff?

Auch weit über 2030 hinaus, also parallel zum weiteren Ausbau der Erneuerbaren Energien, ist die Gasinfrastruktur für die Energiewende unverzichtbarer Partner. Gerade mit Blick auf den aktuellen Stand der Energiewende wird mehr als deutlich: Die vor uns liegenden Herausforderungen sind gewaltig. Aktuell ist rund 80 Prozent der in Deutschland genutzten Energie „molekular“, wird also auf Basis von festen, flüssigen oder gasförmigen Energieträgern bereitgestellt. Davon waren im Jahr 2020 etwa 10 Prozent klimaneutral. Lediglich 20 Prozent der in Deutschland genutzten Energie basiert auf Elektronen – also Strom. Davon wurden im Jahr 2020 etwa 45 Prozent klimaneutral erzeugt.
In den vor uns liegenden Jahren besteht also sowohl im Strom- als auch im Bereich der „molekularen“ Energieträger erheblicher Dekarbonisierungsbedarf.

Um wie vorgesehen eine klimaneutrale, sichere und bezahlbare Energieversorgung zu erreichen, braucht es neben dem massiven Ausbau Erneuerbarer Energien und weiteren intensiven Anstrengungen in Sachen Energieeffizienz auch und vor allem einen signifikanten Einsatz von Wasserstoff und grünen Gasen.

Mit dem Transport und der Speicherung von Wasserstoff sowie klimaneutralen Gasen steht die heutige Erdgasinfrastruktur so auch künftig für einen ganz entscheidenden Grundpfeiler der Energiezukunft unseres Landes. Um nicht im wahrsten Sinne des Wortes den Anschluss zu verlieren, ist die frühzeitige Transformation der Infrastruktur essentiell.

Wasserstoff für Baden-Württemberg – eine Initiative der terranets bw

Damit das Gelingen kann, kommt es auf entschlossenes Handeln aller beteiligten Akteure an. Zum Aufbau eines möglichst breiten Netzwerkes und um unseren Planungsstand transparent zu kommunizieren, haben wir daher die Initiative Wasserstoff für Baden-Württemberg ins Leben gerufen. Unter www.h2-fuer-bw.de bündeln wir so eine ganze Reihe von Informationen:

Künftig enormer Wasserstoff-Bedarf in Baden-Württemberg

Dass es künftig einen enormen Wasserstoff-Bedarf im Versorgungsgebiet der terranets bw in Baden-Württemberg gibt, haben zahlreiche regionale Versorger, Industrieunternehmen und Kraftwerke bereits Anfang 2021 im Rahmen einer Wasserstoff-Marktabfrage gemeldet: So wird bis 2032 eine Leistung von ca. 12 GW nachgefragt, bis 2040 16,8 GW und schließlich annähernd 20 GW im Jahr 2050.

Basierend auf Rückmeldungen zahlreicher Marktteilnehmer gehen wir davon aus, dass die Wasserstoff-Bedarfe in den kommenden Jahren weiter ansteigen werden. Entsprechend bietet die Website der Initiative Wasserstoff für Baden-Württemberg auch die Möglichkeit, jederzeit online künftige Wasserstoff-Bedarfe zu melden.

Wie kommt der Wasserstoff nach Baden-Württemberg?

Ganz zentral geht es vor diesem Hintergrund natürlich um die Frage, wie der Wasserstoff künftig kostengünstig nach Baden-Württemberg gelangen kann.

Um darauf eine Antwort zu geben, haben wir gemeinsam mit den weiteren deutschen Gastransportnetzbetreiber erst kürzlich visionäre Wasserstoffnetze für die Zieljahre 2030 und 2050 veröffentlicht:

Den Kern bilden dabei Gasleitungen, die aktuell für Erdgas genutzt werden und dann auf den Transport von Wasserstoff umgestellt werden. Dadurch kann der Neubau für eine Wasserstoff-Infrastruktur begrenzt werden. Das ist effizient, volkswirtschaftlich sinnvoll und sichert ein Höchstmaß an gesamtgesellschaftlicher Akzeptanz.

Konkrete Umstellungsprojekte in Baden-Württemberg

Vor diesem Hintergrund plant auch die terranets bw alle ihre Um- und Ausbaumaßnahmen schon heute „H2-ready“, also für den Betrieb von Wasserstoff möglichst gut geeignet.

Ganz konkret rechnen wir bis spätestens 2035 mit der Umstellung erster Leitungsabschnitte im Versorgungsgebiet der terranets bw. Eine zentrale Rolle wird in diesem Zusammenhang die Süddeutsche Erdgasleitung (SEL) spielen. Damit erfolgt perspektivisch sowohl die Anbindung Baden-Württembergs an das deutsche und europäische H2-Backbone Netz als auch die Wasserstoff-Versorgung für die Region Rhein-Neckar und den Großraum Stuttgart.

Darüber hinaus sind auch die Umstellung der Donau-Bodensee-Leitung (DOB) und der Trans Europa Naturgas Pipeline (TENP, durch OGE/ Fluxys) bis 2040 konkret anvisiert.

Die Planungen zur Umstellung weiterer Leitungsabschnitt bzw. zur H2-Versorgung benötigter Leitungsneubau im Versorgungsgebiet der terranets bw erfolgt abhängig von der Bedarfsentwicklung.

Auch Sie sind gefragt – Machen Sie mit!

Auf dem Weg zu einer klimaneutralen Energieversorgung wird es dabei entscheidend auf die Unterstützung von Politik, Wirtschaft und Gesellschaft ankommen. Transparent und entschlossen gehen wir dabei u.a. mit unserer Initiative Wasserstoff für Baden-Württemberg voran und laden Sie herzlich ein, uns auf diesem zu unterstützen und zu begleiten.

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