Wärmewende: Der Startschuss ist gefallen

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Um das Gesetz wurde hart gerungen, öffentlich debattiert und polarisiert. Seit dem 1. Januar ist es in Kraft, das Gebäudeenergiegesetz, GEG. Zusammen mit dem Wärmeplanungsgesetz liegen damit die gesetzlichen Grundlagen der Wärmewende vor. Kerstin Andreae, Vorsitzende der BDEW-Hauptgeschäftsführung brachte es auf den Punkt: „Jetzt müssen aus Paragrafen Heizungen werden“. Doch der Startschuss zur Wärmewende kommt spät. Im Gebäudebereich ist wenig passiert. Bei der Umstellung der Heizungstechnik von fossilen auf erneuerbare Energie gab es bisher fast keine Bewegung. Und auch an der industriellen Wärmebereitstellung ist der Klimaschutz bis jetzt fast komplett vorbei gegangen. Dass die Wärmewende ein Kernstück der Energiewende sein muss, zeigen die Zahlen.

Zentral für den Klimaschutz

Der Betrieb der Gebäude ist in Deutschland für etwa 35 Prozent des Endenergieverbrauchs verantwortlich und verursacht etwa 30 Prozent der CO₂-Emissionen. Zusammen mit den anderen Anwendungen wie Prozesswärme, Warmwasserbereitung, Klimatisierung und Kälteerzeugung entfällt auf die Wärme in all ihren Facetten mehr als als 50% des Endenergieverbrauchs in Deutschland.  Wie in der Grafik oben ersichtlich, haben Erneuerbare Energien nur einen Anteil von 19 Prozent an der Bereitstellung der Wärme in allen Sektoren – bei der Stromerzeugung liegt ihr Anteil bereits bei 55 Prozent. Wo Erneuerbare Kohle und Gas ersetzen, sinken die CO2-Emissionen drastisch. Sie lagen 2023 auf einem so geringen Niveau wie seit Jahrzehnten nicht mehr. 673 Millionen Tonnen CO2 bedeuten 46 Prozent weniger Emissionen als 1990! Diesen  Vorsprung muss die Wärmewende jetzt nachholen, denn im Gebäudebereich wurden 2023 zum vierten Mal in Folge die Sektorziele des Klimaschutzgesetzes verfehlt. Die Bundesregierung hat sich im Koalitionsvertrag vorgenommen, bis zum Jahr 2030 50 Prozent  der Wärme klimaneutral zu erzeugen.

 

Wärmewende: Hoch komplex

Die Grafik veranschaulicht, welche Energiemenge, insbesondere in den Wintermonaten, anderweitig bereitgestellt werden muss, wenn Gas und die anderen fossilen Träger ersetzt werden.

Die politischen Konflikte um das Gebäudeenergiegesetz haben gezeigt, wie groß die Herausforderungen bei der Umgestaltung des Wärmemarktes von fossil auf CO2-neutral sind- technisch, sozial und finanziell. Es geht um sehr kleinteilige Änderungen wie die Beheizung des Eigenheims. Und es geht auch um riesige Investitionen in die Infrastruktur wie den Aufbau eines Wasserstoffnetzes. Auch das Stromnetz muss an die sich verändernden Bedingungen angepasst werden. Millionen von Wärmepumpen in den Privathaushalten werden die Nachfrage nach Strom in der Heizperiode nach oben treiben. Wärmepumpen im Megawattbereich werden bestehende Heizkraftwerke ersetzen. Das wird nur funktionieren, wenn die Stromverteilnetze zuvor ausgebaut wurden. Bestehende Wärmenetze müssen modernisiert, neue Nah- und Fernwärmenetze gebaut werden. Das sind große wirtschaftliche Herausforderungen. Belastend für Unternehmen, Stadtwerke und Kommunen kommt hinzu, dass die vorhandenen Erdgasnetze ihren Wert verlieren.

Dass Wärmepumpen in der Regel bestehende Gas- und Ölheizungen in privaten Häusern ersetzen können, dürfte sich herumgesprochen haben. Dennoch können die Aufwendungen im Einzelfall erheblich sein. Und auch für jene, die sich im letzten Jahr noch schnell eine Gasheizung zugelegt haben, um die technische Änderung hinauszuschieben, könnte es ein teures Erwachen geben, wenn der Gaspreis bedingt durch die CO2-Bepreisung steigen wird. Hohe Förderquoten erleichtern Hausbesitzern den Umstieg, aber die Sorge um die soziale Ausgewogenheit wird die weitere Entwicklung der Wärmewende mit Sicherheit begleiten.

Schwerpunkt Wärmewende

In dem nun startenden Schwerpunkt zur Wärmewende werden unsere Gastautorinnen und -autoren die zahlreichen Aspekte aus ihrem Blickwinkel beleuchten. Wir sind froh, dass es uns gelungen ist, Stimmen aus Wissenschaft und Forschung, Industrie und Handwerk, Denkfabriken und Verbänden zu gewinnen.

Bringen Sie sich ein. Stellen Sie Ihre Fragen und kommentieren Sie. Denn eines ist auch bei der Wärmewende sicher: Offene Diskussionen mit respektvollem Umgang bringen uns weiter und sind die Voraussetzung dafür, dass die Wärmewende gesamtgesellschaftlich gelingen kann.

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  1. Thomas von Intofloor

    vor 2 Monaten

    Liebes Redaktionsteam von energie-klimaschutz.de,

    ich verfolge euren Blog schon seit langer Zeit und schätze eure informativen Beiträge zur Energie- und Klimapolitik sehr. Der neueste Beitrag "Wärmewende: Der Startschuss ist gefallen" von euch ist äußerst relevant und markiert einen wichtigen Meilenstein in der Diskussion über die Energiewende. Ich möchte gerne einige Gedanken zu diesem Thema teilen.

    Es ist erfreulich zu sehen, dass das Gebäudeenergiegesetz (GEG) zusammen mit dem Wärmeplanungsgesetz nun in Kraft ist und somit die gesetzlichen Grundlagen für die Wärmewende geschaffen wurden. Wie Kerstin Andreae, Vorsitzende der BDEW-Hauptgeschäftsführung, treffend sagte: "Jetzt müssen aus Paragrafen Heizungen werden." Dieser Schritt kommt sicherlich spät, insbesondere im Gebäudebereich gab es bisher wenig Bewegung in Bezug auf die Umstellung der Heizungstechnik von fossilen auf erneuerbare Energien.

    Die Bedeutung der Wärmewende für den Klimaschutz kann nicht genug betont werden. Der Betrieb von Gebäuden ist in Deutschland für einen erheblichen Teil des Endenergieverbrauchs und der CO₂-Emissionen verantwortlich. Es ist daher entscheidend, dass der Anteil erneuerbarer Energien an der Bereitstellung von Wärme deutlich steigt, um die Klimaziele zu erreichen. Die Grafik zeigt eindrucksvoll, wie viel Potenzial in der Wärmeversorgung noch ungenutzt ist und wie wichtig es ist, fossile Brennstoffe durch erneuerbare Energiequellen zu ersetzen.

    Die Wärmewende ist zweifellos eine hoch komplexe Herausforderung. Sie erfordert technische, soziale und finanzielle Veränderungen auf vielen Ebenen. Von der Beheizung von Eigenheimen bis hin zur Modernisierung von Wärmenetzen und dem Ausbau des Stromnetzes ist eine Vielzahl von Maßnahmen erforderlich. Die Tatsache, dass bestehende Erdgasnetze an Wert verlieren werden, stellt zusätzliche Herausforderungen dar. Es wird eine enorme wirtschaftliche Anstrengung erfordern, um die Wärmewende erfolgreich umzusetzen.

    Auch die soziale Komponente der Wärmewende darf nicht übersehen werden. Es ist wichtig sicherzustellen, dass die Kosten und Aufwendungen für den Umstieg auf erneuerbare Energien sozial ausgewogen sind und keine soziale Ungerechtigkeit entsteht. Hohe Förderquoten sind sicherlich ein Schritt in die richtige Richtung, um Hausbesitzern den Umstieg zu erleichtern.

    Ich bin gespannt darauf, wie euer Blog in Zukunft den Schwerpunkt zur Wärmewende behandeln wird. Die Einbeziehung verschiedener Perspektiven aus Wissenschaft, Forschung, Industrie und Handwerk wird sicherlich dazu beitragen, ein umfassendes Verständnis dieses komplexen Themas zu entwickeln.

    Abschließend möchte ich euch für eure engagierte Berichterstattung und die Förderung offener Diskussionen in der Community danken. Nur durch den respektvollen Austausch von Ideen und Meinungen können wir die Wärmewende erfolgreich gestalten.

    Mit freundlichen Grüßen,

    Thomas von <a href="https://www.intofloor.de/">Intofloor</a>

  2. Renate Metzger

    vor 2 Monaten

    Ergänzend zu den beschriebenen Aspekten der Wärmewende möchte ich auf die Arbeiten von Prof. Dr. Eberhard Schlücker (eberhard.schluecker@fau.de), der Synergetische Wasserstoffsysteme entwickelt, wodurch auch das Heizen von Privathäusern mit Wasserstoff interessant wird.

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