Klimaschutz mit 100 Prozent Erneuerbaren ist möglich und notwendig

Gastautor Portrait

Hans-Josef Fell

Präsident Energy Watch Group
07. Januar 2019
Rauchender Schornstein für den Beitrag zu 100% Erneuerbare Energien
Die Modellstudie der EWG prognostiziert eine 100%-ige Abdeckung des Energiebedarfs durch einen Mix aus Erneuerbaren Energien bis 2050.
Die Modellstudie der EWG prognostiziert eine 100%-ige Abdeckung des Energiebedarfs durch einen Mix aus Erneuerbaren Energien bis 2050.

Quelle: EWG / LUT

Auch die Klimaschutzkonferenz COP 24 in Polen hat keinen Durchbruch für einen wirklich wirksamen Klimaschutz gebracht. Dabei wurden auf den vielen Sideevents der NGOs viele wirksame Strategien vorgestellt. Auch die Energy Watch Group (EWG) hat dort einen Plan für 100% Erneuerbare Energien in Europa über alle Energiesektoren hinweg vorgestellt. Dieser Plan würde in wenigen Jahrzehnten den gesamten energiebedingten europäischen CO2-Ausstoß vollständig auf Null bringen.

Heute schon sind bei 1,1°C Erderwärmung die Katastrophen unerträglich und allgegenwärtig. Die Schlagzeilen von weltweiten Klima- und Umweltkatastrophen erinnern an Verhältnisse wie im Krieg. Durch die klimabedingte kalifornische Dürreperiode und Waldbrände wurden 300.000 Menschen an einem einzigen Wochenende im November 2018 zumindest zeitweise aus ihren Häusern vertrieben. 7.000 Häuser sind an nur einem Wochenende verbrannt.

Der Krieg, den die Menschheit mit der Natur aufgenommen hat, wird immer heftiger und nur die Natur kann diesen gewinnen. Die Menschheit kann das Zusammenspiel zwischen Mensch und Natur nur zukunftsfähig gestalten, wenn sie endlich unsere Natur schützt. Im Zentrum steht, endlich aufzuhören, Emissionen zu verursachen, wozu 100% Erneuerbare Energien den wichtigsten Beitrag liefern kann und muss. Zusätzlich müssen in großem Stile grüne Kohlenstoffsenken geschaffen werden, mit Biolandwirtschaft, Aufforstungen und Biokohle in die Böden.

Die EWG hat zusammen mit der Lappeenranta Universität in Finnland (LUT) auf der COP24 aufgezeigt, dass eine Nullemissionswirtschaft im Energiesektor mit 100% Erneuerbaren Energien nicht nur technisch möglich ist, sondern auch ökonomisch sinnvoll und dringend notwendig für unsere Erde ist.

Die von der LUT University unter Leitung von Prof. Dr. Christian Breyer und der Energy Watch Group durchgeführte wissenschaftliche Modellierungsstudie ist die erste ihrer Art, die eine vollständige Energiewende in Europa in den Bereichen Strom, Wärme und Verkehr bis 2050 simuliert. Der europäische Energiebedarf wird in der Studie vollständig zu jeder Stunde des ganzen Jahres gedeckt.

Einige Schlüsselerkenntnisse der Studie

  • Die Umstellung auf 100% Erneuerbare Energien erfordert eine Massenelektrifizierung in allen Energiesektoren. Die gesamte Stromerzeugung wird das Vier- bis Fünffache der Stromerzeugung von 2015 ausmachen. Dadurch wird der Stromverbrauch im Jahr 2050 mehr als 85% des Primärenergiebedarfs betragen. Gleichzeitig wird der Verbrauch fossiler Energierohstoffe und Kernkraft in allen Sektoren vollständig eingestellt.
  • Die Stromerzeugung im 100% Erneuerbare-Energien-System wird aus folgendem Mix an Energiequellen bestehen: Solarenergie (62%), Windkraft (32%), Wasserkraft (4%), Bioenergie (2%) und Geothermie (<1%).
  • Wind- und Solarenergie machen bis 2050 94% der gesamten Stromversorgung aus. Etwa 85% der Erneuerbaren Energien werden aus dezentraler lokaler und regionaler Erzeugung stammen.
  • 100% Erneuerbare Energien sind nicht teurer: Die Energiekosten für ein vollständig nachhaltiges Energiesystem in Europa bleiben stabil und liegen 2050 bei 50-60 €/MWh.
  • Die jährlichen Treibhausgasemissionen in Europa sinken durch die Umstellung in allen Sektoren kontinuierlich von rund 4.200 Mio. t CO2-Äq. im Jahr 2015 auf Null bis 2050.
  • Ein zu 100% erneuerbares Stromsystem wird 3 bis 3,5 Millionen Menschen beschäftigen. Die rund 800.000 Arbeitsplätze im europäischen Steinkohlebergbau aus dem Jahr 2015 werden bis 2050 komplett eingestellt. Diese werden durch mehr als 1,5 Millionen neue Arbeitsplätze im Bereich der Erneuerbare-Energien-Branche überkompensiert.

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