Wärme macht Klima. Grüne Wärme macht Klima besser.

Gastautor Portrait

Matthias Kerner

Geschäftsführer bmp greengas GmbH

Matthias Kerner wurde 2017 kaufmännischer, Mitte 2019 alleiniger Geschäftsführer der bmp greengas GmbH. Er war maßgeblich daran beteiligt, dass sich das Unternehmen zum Marktführer in der Biomethan-Vermarktung in Deutschland entwickelt hat. Vor seiner Zeit bei bmp greengas war Kerner rund sieben Jahre in verschiedenen kaufmännischen Funktionen bei der Erdgas Südwest GmbH (im Verbund der EnBW) und der EnBW Energie Baden Württemberg AG in der Energiebranche tätig. Weitere Funktionen im Bereich Governance, Risk und Compliance (GRC) hatte er bei der Daimler AG und bei der PricewaterhouseCoopers WPG inne.

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16. Dezember 2019

Allein die Strom- und Wärmegewinnung macht in Deutschland 85 Prozent der energiebedingten Treibhausgasemissionen aus. Damit sind der Energiesektor und insbesondere die Wärme zwei der wichtigsten Säulen, wenn es um einen Wandel hin zu einem klimaverträglicheren Handeln geht. Grüne Gase sollten Bestandteil der Lösung sein.

Von 2013 bis 2016 benötigte die deutsche Industrie mehr als 1.700 Petajoule nur für Prozesswärme. Ein Löwenanteil dieser Energie wurde aus Gas gewonnen, Kohle positionierte sich wegen der Stahlindustrie auf Platz 2. Fernwärme oder gar erneuerbare Energie? Weit abgeschlagen! Private Haushalte benötigten im selben Zeitraum 1.664 Petajoule nur für Raumwärme. Auch hier führte Gas vor Öl. Immerhin auf Rang 3: erneuerbare Energie (EE). Doch gerade einmal zwei Prozent des Gesamtwärmeverbrauchs aus EE im Jahr 2018 entfielen auf Biomethan.

Leichter Umstieg in allen Sektoren möglich

Diese Zahlen zeigen eines: Wärme ist ein Energiefresser, ganz gleich in welchem Sektor. Zwar wächst in den vergangenen Jahren der Anteil der Erneuerbaren, doch betrachtet man hier nur das grüne Gas, ist viel Luft nach oben. Dabei wäre der Umstieg ganz leicht: Biomethan kann dank Erdgas-ähnlicher Brennwerteigenschaften über dasselbe Netz transportiert und dort sogar gespeichert werden. Mit einem Blick auf die Industrie könnte sie also das bisher eingesetzte Erdgas sogar zu 100 Prozent ersetzen.

Prozentual grüne Prozesswärme

Wer erst einmal einen anteiligen Einstieg benötigt, kann auch auf Beimischungen setzen – hier sind individuelle Wünsche und Anforderungen realisierbar. Genauso leicht entkräftet wie das Argument der Inkompatibilität ist das der Nichtverfügbarkeit: Biomethan kommt in ausreichender Menge über das europäische Gasnetz, kann zum Beispiel aus Bioabfall, Mist oder auch künstlich immer wieder reproduziert werden, bedarf dafür also nicht mal nachwachsender Rohstoffe. Damit ist es so grün und so verfügbar, wie es kaum besser geht. Laut bdew könnten bis 2030 bis zu 10,3 Mrd. Kubikmeter Biomethan pro Jahr, also 100 TWh, in das deutsche Gasnetz eingespeist werden. Das sind mehr als zehn Prozent des derzeitigen Gasverbrauchs.

Bewegung in der Wirtschaft

Tatsächlich tut sich etwas in den Industrien, wenn oftmals auch erstmal nur in den Köpfen

Matthias Kerner, bmp greengas GmbH

Sei es aufgrund der Umweltbewegung oder der drohenden neuen Gesetze der Bundesregierung und der EU: Tatsächlich tut sich etwas in den Industrien, wenn oftmals auch erstmal nur in den Köpfen. Bosch ist gemäß den eigenen Plänen ab 2020 klimaneutral – auch aufgrund von Kompensation für den Einsatz von Erdgas.

Tesla möchte sein Werk in Brandenburg direkt CO2-neutral eröffnet wissen. Thyssenkrupp will bis 2050 klimaneutral produzieren und startet einen ersten Versuch mit Wasserstoff.

Wer hier weiterdenkt, gelangt schnell zu Power-to-Gas und der Speicherung von selbst erzeugtem Methan im Gasnetz.

Grüne Raumwärme für ein ganzes Quartier

Etwas weiter ist man da schon im Bereich der „privaten Wärme“, wie Beispiele aus der Praxis zeigen. So hat die Stadt Bruchsal mit ihrem neuen Wohnviertel Bahnstadt-Carré vorgelegt: Die Stadtwerke Bruchsal beheizen die insgesamt 900 Wohnungen mit Fernwärme. Die wird jedoch nicht mit Erdgas, sondern mit Biomethan erzeugt. Das grüne Gas wird an zentrales Blockheizkraftwerk (BHKW) geleitet und dort mittels Kraft-Wärme-Kopplung zu Strom und Wärme. Über ein gut gedämmtes Leitungssystem wird Letztere dann in die Gebäude und dort per Wärmetauscher zur Raumheizung und Warmwasserversorgung in die Wohnungen transportiert.

Primärenergiefaktor mit Nachweispflicht

Damit erleichtern sich die Stadtwerke auch den Umgang mit Vorschriften aus regulatorischen Vorgaben wie der Erneuerbare-Energien-Richtlinie (RED II). Sie verlangt ab 2020 eine Steigerung der erneuerbaren Energien im Sektor Wärme und Kälte jährlich um 1,3 Prozent sowie einen Nachweis darüber. Die Zusammensetzung der Fernwärmeerzeugung muss außerdem auf der Rechnung des Kunden ausgewiesen sein. Fernwärme ist hier gegenüber vielen kleinen, dezentrale Anlagen im Vorteil. Und obgleich der von der Politik bestimmte Primärenergiefaktor von grünem Biomethan noch immer dem von fossilem Erdgas gleicht: Auch die Energieeinsparverordnung (EnEV) oder das für Baden-Württemberg geltende Erneuerbare-Energien-Wärmegesetz (EEWärmeG) sind erfüllt.

Gebäudeenergiegesetz - Chance vertan für eine schnelle Dekarbonisierung

Grüne Gase sollten Bestandteil der Lösung sein

Matthias Kerner, bmp greengas GmbH

Die bestehenden Gesetze EEWärmeG, EnEV und Energieeinsparungsgesetz (EnEV) sollen in dem im Oktober durch das Bundeskabinett beschlossenen Gebäudeenergiegesetz (GEG) für Neubauten zusammengeführt werden. Leider knüpft die Bundesregierung hier die Anerkennung von Biomethan als erneuerbare Energie an die anteilige Verwendung in einer hocheffizienten KWK-Anlage. Brennwertkessel haben eine ähnlich hohe Energieausnutzung wie KWK-Anlagen, sind aber gemäß der derzeitigen GEG-Fassung als Erfüllungsoption ausgeschlossen. Hingegen ist flüssige Biomasse auch bei Nutzung im Brennwertkessel eine Erfüllungsoption des GEG. Diese Ungleichbehandlung von Biomethan im Brennwertkessel ist für die Marktteilnehmer nicht nachvollziehbar.

Denn: Wie viel Treibhausgase im Bereich der Wärme durch Biomethan reduziert werden kann, hat das Umweltbundesamt im Jahr 2017 anschaulich dargelegt: 165 g CO2-Aquivalent pro Kilowattstunde sind möglich, 600 Kilotonnen CO2-Aquivalent wurden insgesamt durch Biomethan im Wärmesektor erreicht. Würden also mehr Stadtwerke den Weg Bruchsals gehen, mehr produzierende Unternehmen eine grüne Produktion aufbauen, die Politik Biomethan endlich als erneuerbare Energie anerkennen, könnte grüne Wärme aus Biomethan sehr schnell spürbar zu einem besseren Klima beitragen.

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