Verheißungsvoller Klang aus der Zukunft: Energiewende braucht Gas

Gastautor Portrait

Markus Wild

ONTRAS Gastransport GmbH
23. Mai 2016

Unter dem Druck eines berechtigten Interesses am Klimaschutz wurde auf der letzten Weltklimakonferenz in Paris von mehr als 180 Staaten der Beschluss unterzeichnet, die Treibhausgasemissionen soweit zu senken, dass die Erderwärmung unter zwei Grad bleibt. Das wird vor allem Konsequenzen für die Industriestaaten haben, die sich jetzt mehr anstrengen müssen. Das gilt auch für Deutschland. Und das kann nur heißen, die Verbrennung fossiler Brennstoffe, darunter auch Gas, drastisch zu senken – manch einer spricht gar vom Ausstieg bis 2050.

Es erscheint vielleicht als selbstverständlich, dass vor diesem Hintergrund auch die Gastransportbranche, die ihre Existenz dem fossilen Brennstoff Erdgas verdankt, sich in der Defensive sieht und sich schon zum alten Eisen zählt. Doch diese Schlussfolgerung wäre voreilig und letzten Endes falsch. Rückblickend hat sich die Gaswirtschaft vielleicht zu schleppend auf die neuen umweltpolitischen Determinanten der Energiepolitik eingestellt. Zumindest ist es ihr bislang nicht gelungen, den Platz in der Strategie der Energiewende einzunehmen, der ihr unter Berücksichtigung aller objektiven und ideologiefreien Fakten eigentlich gebührt. Es ist jetzt an der Zeit, endlich raus zu kommen aus der Defensive, sich der innovativen Stärken der Branche zu besinnen und offensiv bei der Energiewende mitzumischen.

Gas als sauberster fossiler Brennstoff

Erdgas ist bekanntermaßen der sauberste unter den fossilen Brennstoffen. Diese Tatsache bleibt für lange Zeit insofern relevant für die Energiewende, weil natürlich in rein mathematischer Logik die größten Reduktionseffekte dort gemacht werden können, wo die CO2-Emissionen am höchsten sind. Namentlich sind das Kohle, insbesondere Braunkohle, sowie ölbasierte Kraftstoffe im Straßenverkehr, aber auch im Wärmemarkt. So lange hier relativ einfache Möglichkeiten einer Substitution zugunsten von Erdgas bestehen, existiert kein Grund, sich von letzterem zu verabschieden. Das Gegenteil wäre klug. Das Argument ist nicht neu, gerät in der Energiepolitik aber immer wieder in Vergessenheit. Wie sonst ist es zu erklären, dass wieder vermehrt Kohlekraftwerke eingesetzt wurden, um etwa den Ausfall der EE bei Dunkelflauten zu kompensieren? Wer über die Wunderwaffe Strom mehr weiß, als dass dieser aus der Steckdose kommt, muss natürlich berücksichtigen, wie er erzeugt wurde. Hochkarätige Wissenschaftler der unabhängigen Akademien Acatech und Leopoldina sowie der Union der deutschen Akademien der Wissenschaften halten deshalb Gaskraftwerke für das „Rückgrat jedes stabilen Energiesystems der Zukunft“.

Zukunftsmusik Gas

Doch außer diesem ersten Argument gibt es mittlerweile weitere, welche auch für das langfristige Festhalten am Energieträger Gas sprechen. Wirft man den Blick in eine weit entfernte Zukunft, in der die soeben erwähnten Substitutionspotenziale erschlossen sind, dann müsste logischerweise auch Erdgas unter Reduktionsdruck geraten. Das aber heißt eben nicht auch automatisch, dass die Bedeutung des Mediums Gas an sich verpufft und die umfangreiche Infrastruktur samt ihres großartigen technischen Know-hows wertlos wird. Gas aktuell: Rückblickend hat sich die Gaswirtschaft schleppend auf die neuen umweltpolitischen Determinanten der Energiepolitik eingestellt, sagt Markus Wild von Ontras. In seinem Gastbeitrag appelliert er, raus zu kommen aus der Defensive, sich der innovativen Stärken der Branche zu besinnen und offensiv bei der Energiewende mitzumischen.Die Hinwendung zum Bioerdgas und vor allem zu den synthetischen Gasen macht quasi aus dem fossilen Brennstoff sukzessive eine erneuerbare Energie. Die beiden CO2-neutralen Gasvarianten werden bereits ins Erdgasnetz eingespeist und vergrünen den edlen Brennstoff – Bioerdgas schon seit längerem, synthetisches Methan und Wasserstoff erst in jüngster Zeit.

Doch damit nicht genug: Mit Hilfe der innovativen Power-to-Gas-Technologie lässt sich überschüssiger Strom, der bei guten Wetterbedingungen aus den EE Wind- und Sonnenkraft gewonnen werden kann, endlich sinnvoll verwenden. Hiermit wäre gleichzeitig das fehlende Teil im Puzzle des Energiekonzepts von Morgen gefunden: Eine langfristige und effiziente Speicherung von Strom aus EE. Das so gewonnene Gas – von Greenpeace Energy als „Windgas“ beworben – kann in den bereits existierenden Speichern und Leitungsnetzen gelagert und dorthin transportiert werden, wo es gebraucht wird, um es dann in effizienten Gaskraftwerken bei Dunkelflauten oder Verbrauchsspitzen wieder zu verstromen.

Darüber hinaus sollte man endlich mit Hilfe von Gas die großen Potenziale im Mobilitätsbereich heben. Effizienter als eine Rückverstromung wäre es, das „Grüne Gas“ als Kraftstoff zu verwenden. Auch hier liegen die Vorteile auf der Hand. Im Gegensatz zum Elektroauto scheitert das Konzept nicht an Batterien, die eine zu geringe Reichweite und zu lange Ladezeit bieten. Außerdem gibt es schon längst voll ausgereifte Gasautos verschiedener Marken. Die CO2-Einsparpotenziale wären enorm. Beim Einsatz von Grüngas könnten die Treibhausgas-Emissionen im Straßenverkehr theoretisch auf nahezu „0“ reduziert werden. Aber schon bei einem Anteil von vier Prozent Grüngas (rund 2 Mio. KfZ) ließen sich jährlich ca. 10 Mio. t der verkehrsbedingten CO2-Emissionen vermeiden.

Wer allein in diesem kurzen Überblick keine Zukunftsmusik hören kann, hat den Kopf bereits in den Sand gesteckt.

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