Energie-Reporterin Anna Groh in Singapur

Anna Groh

Energie-Reporterin

Energie-Reporterin Anna Groh berichtet für uns aus Singapur über Umwelt- und Klimaschutz-spezifische Aspekte der hiesigen Architektur.

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21. Oktober 2019

Marina Barrage - mehr als 350 Meter Beton

Foto: Anna Groh / Stiftung

Beitrag vom 21. Oktober 2019

Dieser Ausblick ist zweifelsfrei einer der schönsten, der sich auf die Skyline Singapurs anbietet.
Entgegen naheliegender Vermutungen lässt sich dieser jedoch nicht auf der Terrasse eines Hotels oder der Gondel eines Riesenrads finden – hierzu müssen Besucher einen Stausee aufsuchen; genauer: das Dach vom „Marina Barrage“.

Worum handelt es sich hierbei ?

Eine 350 Meter lange Mauer aus Stahl und Beton verbindet die Stadtteile „Marina Bay South“ und „Marina Bay East“ miteinander und bildet damit den 15. Stausee Singapurs. Gleichzeitig trennt diese Konstruktion das Meerwasser des Südchinesischen Meeres vom Flusswasser, in welches mehrere, kleinere Seen hineinfließen.

Mit einem Budget von 226 Millionen SGD wurde der Bau 2008, nach rund 4 Jahren Bauzeit, fertiggestellt.

Foto: Anna Groh / Stiftung

Wieso wird ein Stausee in Singapur benötigt?

Eine der größten Herausforderungen, die Singapur als dicht besiedelter, verhältnismäßig kleiner Inselstaat entgegensteht, ist die Selbstversorgung mit Rohstoffen.

Dies führt zu teilweise großer Abhängigkeit von benachbarten Ländern; ein Beispiel hierfür ist die Zulieferung von Trinkwasser über Pipelines aus Malaysia.

Um diesen Herausforderungen entgegenzutreten ist es notwendig, dauerhaft an innovativen Ideen und Entwicklungen zu arbeiten. 

Was ist die Hauptaufgabe von „Marina Barrage“ und was macht den Stausee so einzigartig?

Das Besondere an Marina Barrage ist seine „3-in-1-Funktion“ als Stausee: Er dient als Trinkwasserspeicher, Möglichkeit zur Flutkontrolle und Erholungsort.

Der Stadt fehlte jahrelang die Speichermöglichkeit für Trinkwasser. Marina Barrage speichert nun sowohl Regenwasser als auch Flusswasser, welches anschließend in Trinkwasser umgewandelt werden kann und seit 2010 zur Trinkwasserversorgung der Bürger beiträgt.

Singapur schafft es, auf charmante Weise die verschiedenen Bedürfnisse seiner Bewohner in einer Konstruktion zu kombinieren

Anna Groh

Zudem arbeitet ein Team von Mitarbeitern rund um die Uhr, um den Wasserstand und die Wasserqualität zu kontrollieren. Auch wird der Wetterbericht stets im Auge behalten, denn vor allem im Hinblick auf tiefer gelegene Stadtteile wie Chinatown ist es relevant, Kontrolle über das Wasserlevel zu behalten, besonders während der Monsunzeit.

Doch auch zahlreiche Freizeitmöglichkeiten ermöglicht Marina Barrage seinen Besuchern.

Durch den ruhigen, gleichbleibenden Wasserspiegel des Stausees bieten sich verschiedenste Arten von Wassersport, wie beispielsweise Kanufahren, hier besonders an. Es finden sich zudem zahlreiche Parks und Touristenattraktionen um den Stausee herum, die zu einem Spaziergang einladen.

Im Hinblick auf die Umwelt…

wurden während der Gestaltung des Baus zahlreiche Aspekte beachtet. So verfügt das Hauptgebäude des Stausees etwa über einen Dachgarten, Solarzellen und ein Regenwasser-Auffangsystem.

Besondere Herausforderungen wurden ebenfalls bedacht.

Was passiert, wenn der Stausee während der Monsunzeit zu voll wird? Größere Flutwellen könnte die Mauer hierbei nicht abhalten.

Doch auch dies wurde einkalkuliert; neun gewaltige Pumpen wurden neben den Stausee angebracht, welche innerhalb kürzester Zeit die Wasserkapazität eines olympischen Schwimmbeckens leer pumpen können (Liebsch, 2019).  Durch diese wird überschüssiges Wasser dann gezielt zurück ins Meer gepumpt.

Ein Stausee wird zur Touristenattraktion – Singapur schafft es, auf charmante Weise die verschiedenen Bedürfnisse seiner Bewohner in einer Konstruktion zu kombinieren.

Quellen

Die Stadt im Garten - Singapurs grüne Architektur

Foto: Anna Groh / Stiftung

Beitrag vom 25. September 2019

5 Fußballfelder- so groß ist die Gesamtfläche der Pflanzen, welche das „Parkroyal On Pickering“-Hotel in Singapur momentan schmücken. Mit 15.000 Quadratmetern an kleinen Gärten, Wasserfällen und bepflanzten Wänden, zu dessen Entstehen rund 50 verschiedene Pflanzenarten beitrugen, folgt die Architektur dem sogenannten „Hotel-im-Garten“-Konzept.
Das Design lässt das Hotel jedoch nicht nur optisch hervorstechen, auch zahlreiche ökologische Vorteile zieht es mit sich.

Vor allem in einer Stadt wie Singapur sind grüne Fassaden sehr sinnvoll: Durch die Nähe zum Äquator beträgt die Temperatur fast täglich 30 Grad, die Luft ist schwül und man findet sich irgendwann mit dem leichten Schweißfilm, der einen überall hinbegleitet, ab. Grade deswegen wird ein gewaltiger Teil der Energie für das Herunterkühlen von Gebäuden gebraucht- Kühlungssysteme machen hier circa 50% der verbrauchten Energie eines Gebäudes aus, zudem erzeugen sie Emissionen und tragen somit zum Treibhauseffekt bei. Die Pflanzen- fassaden wirken dem gezielt entgegen.

Diese bieten beispielsweise viel Schatten und absorbiert Feinstaub sowie Hitze. Das Hotel wird somit auf natürliche Weise herunter- gekühlt und Energie vom Gebrauch der Klimaanlagen kann eingespart werden. Des weiteren fließt gesammeltes Regenwasser durch die Schwerkraft auf natürliche Weise von einer Pflanzenetage zur nächsten.

Als ich kurz nach meiner Ankunft in Singapur selber das Hotel aufgesucht habe, fragte ich einen Angestellten der Hotellobby, wie er das Grün um sich herum täglich wahrnimmt.
„It definitely makes me feel more connected to the environment. When I moved to the city, I forgot that I should appreciate our nature“, antwortete er mir schließlich. Eine Antwort, die mich selber zum Nachdenken bewegt hat.

Foto: Anna Groh / Stiftung

Das Parkroyal Hotel ist dabei nur eines von inzwischen zahlreichen Gebäuden, die sich vertikale Gärten zu Nutzen machen, um umweltfreundlicher zu handeln.

Wann immer ich durch Singapurs Straßen laufe, ist es mir fast unmöglich, nicht an mindestens einem Gebäude vorbeizukommen, in dessen Architektur Pflanzen integriert sind. Sei es Fassaden, Rooftop-Gärten oder kleinere Grünflächen in verschiedenen Etagen.

Die Vision einer „Stadt-im-Garten“, die sich aus der ursprünglichen Idee eines „Gartens in der Stadt“ weiterentwickelt hat, ist auch für mich deutlich zu spüren.
Es erscheint mir somit wenig verwunderlich, dass der jährlich veröffentlichte „Sustainable Cities Index“ der Firma Arcadis die Stadt 2016 zur grünsten Stadt Asiens gekürt hat.

Unterstützt wird die Vision der Stadt durch ein 2005 eingeführtes „Green-Labelling-Scheme“, das den Nachhaltigkeitswert von neuen Gebäuden messbar macht. Bauunternehmen können hierbei von finanzieller Unterstützung seitens der Stadt profitieren, wenn sie das grüne Gütesiegel erhalten. Zudem besagt eine neue Regel, dass jeder vernichtete Quadratmeter Grünfläche später in das Gebäude zurückintegriert werden muss.
Für die Zukunft hat Singapurs Regierung bereits weitere Pläne: bis 2030 sollen 80% aller Gebäude ein grünes Zertifikat besitzen, momentan sind es rund 30%.

Als ich später an der Bushaltestelle zurück nach Hause sitze, will ich von einer Passantin wissen, wie sie das Grün in der Stadt wahrnimmt. Daraufhin antwortete sie mir: „It relaxes me a lot. Without it, the city would feel claustrophobic“.

Aus meiner Sicht ist Singapur auf einem sehr guten Weg, die ehrgeizigen Ziele zu erreichen. Spannend bleibt auch die Frage, inwiefern Deutschlands architektonische Landschaft in den nächsten Jahren den sogenannten „Vertikal-Gardening“-Stil annimmt; bisher habe ich diesen Ansatz lediglich anhand einiger Rooftop-Gärten erkennen können.

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