Energie-Reporter Tim Schneider in Südafrika

Tim Schneider

Energie-Reporter

Energie-Reporter Tim Schneider berichtet für uns aus Südafrika über die Energieinfrastruktur.

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09. November 2021

Plastikmüll, Recycling und die wichtige Rolle der rund 60,000 „Waste Pickers“

Verpackungstüten, wenn man eine Packung Hähnchen kauft

Foto: Stiftung / Tim Schneider

Beitrag vom 20. Oktober 2021

Während speziell in der EU das Reduzieren und das Recyceln von dennoch anfallendem Plastik gerade seit dem Verbot von Einwegplastik in 2021 vorangetrieben wird, gibt es in Südafrika einfach zu viele andere Probleme, um dies als ein zentrales Thema zu sehen.

Geht man hier einkaufen, so wird man unweigerlich an der Kasse gefragt, ob man eine Plastiktüte möchte. Obwohl man zustimmen muss, da eine Plastiktüte 7-8 Rand kostet (ca 40ct), wird eigentlich erwartet, dass man zustimmt. Für einen normalen Einkauf, der mir einige Tage reicht, werden da schon mal 3-4 Plastiktüten fällig. Noch nicht miteingerechnet ist dabei, dass sowohl meine Packung Hackfleisch als auch die Seife nochmal extra in eine kleine Tüte eigepackt werden. Ganz zu schweigen von der Styroporschale und der Plastikfolie, die das Hackfleisch umhüllt. Gleiches gilt etwa beim Kauf von Alkohol. Der Sixpack Bier ist in Plastik eingeschweißt und die erste Frage an der Kasse ist natürlich: „Plastiktüte?“. Ganz schön surreal, wenn man bedenkt, dass die meisten Leute in Deutschland entweder einen Einkaufskorb haben oder Studenten wie ich einfach einen Rucksack mitbringen, um den Einkauf zu transportieren. Und hier? Hier werde ich bei meinen regelmäßigen Einkäufen schon fast etwas schräg angeschaut, wenn ich mit meinem Rucksack auftauche und antworte, dass ich keine Tüte bräuchte. Man hat fast das Gefühl, die Kassierer und Kassiererinnen wissen nicht so ganz recht, was sie tun sollen (denn hier in Südafrika wird einem der Einkauf eingepackt, sodass man nichts selbst machen muss).

Wo man also hinschaut, es gibt überall Plastiktüten. Und das wird sich in den kommenden Jahren vermutlich auch nicht so wirklich ändern. Zu groß ist einfach der Komfort, für ein paar Rand Tragetüten zu bekommen, um den Einkauf nach Hause zu transportieren.

Recycling und Waste Pickers

Nachdem man seinen Müll gesammelt hat, wirft man ihn in die Mülltonne. Genau da fängt das nächste Problem an. Obwohl theoretisch nach „recycelbar“ und „nicht recycelbar“ getrennt wird, landet der Müll häufig eben nicht getrennt in der schwarzen Tonne, die für alles genutzt wird. Dieser Müll wird dann zu den Mülldeponien gebracht – dabei hat die Mülldeponie von Stellenbosch schon 2019 ihre Obergrenze erreicht, sodass nun neue Deponien gebaut werden müssen. Die neue Mülldeponie, welche Anfang 2021 errichtet wurde, soll zukünftigen Müll strenger trennen und recycelbar machen.

Dabei wird Müllabfuhr hier in Südafrika stark unterstützt – von sogenannten „Waste Pickers“. Man sieht sie fast jeden Tag, wenn man durch die Stadt läuft. Oft mit zerrissenen, alten Klamotten, oft mit Bauarbeiterjacken. Sie gehören zu dem Teil der südafrikanischen Gesellschaft, die am Wenigsten haben. Sie durchsuchen sowohl Müll in öffentlichen Mülleimern als auch Müllsäcke und Mülltonnen vor Privathäusern. Aluminiumdosen, Pappe oder anderer verwertbarer Müll – sie sammeln ihn, um dann später ein kleines Entgelt zu bekommen. Rund 60,000 Waste Pickers verdienen somit täglich rund 30-40 Rand (umgerechnet ca. 2€) und können sich somit vor der absoluten Armut schützen. Die United Nations Industrial Development Organization (Unido) schätzt, dass rund 90% des Recyclings so durch die Waste Pickers erfolgt. Somit bietet dies eine essenzielle Einkommensquelle für diejenigen, die am Wenigsten haben.

Doch auch in Südafrika wird die Müllabfuhr immer besser und somit das Leben für die Waste Pickers immer härter. Da die Müllwagen früh morgens fahren, müssen sie sich bemühen, früher da zu sein, um den Müll durchforsten zu können, um recycelbare Materialien zu finden. Die Annehmlichkeiten für diejenigen mit Geld, nämlich ein gut funktionierendes Müllsystem, wird somit zur Bedrohung für viele Menschen in Südafrika.

Quellen

https://www.iol.co.za/news/environment/for-waste-pickers-one-mans-trash-becomes-another-ones-treasure-52886b8f-2243-4d55-b108-4eca0f90693c

https://stellenbosch.gov.za/2021/03/25/stellenbosch-launches-new-waste-material-recovery-facility/

„Load Shedding“ in Südafrika

Beitrag vom 18. Oktober 2021

In diesem Video berichtet Tim Schneider über das Problem mit dem sogenannten „Load Shedding“. Die Menschen in Südafrika sind mittlerweile daran gewöhnt, dass sie über Stunden hinweg keinen Strom zur Verfügung haben. Tim erklärt die Ursachen für dieses Problem und zeigt auf, welche Fehler die Regierung dabei gemacht hat. Load Shedding dient dazu, die Stromversorgung für die sogenannte Kritische Infrastruktur sicherzustellen. Tim zeigt des Weiteren, welche Maßnahmen dabei helfen können, die Zeit während eines Load Sheddings gut zu überstehen.

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