Elmar Ritz in Norwegen

Elmar Ritz

Energie-Reporter

Elmar Ritz berichtet für uns aus Tromso in Norwegen über Klima und Natur.

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19. September 2017

Letzter Gruß aus Norwegen

Beitrag vom 19. September 2017

Projektstart

Angefangen hat das Projekt als ich 2016 in Oslo ein Erasmus Semester gemacht habe. Zum Polarlichter schauen, bin ich nach Tromsø gegangen und war hin-und weg von der Landschaft dort oben. Jede Menge Schnee, das Meer und eine unglaubliche Lage am Rande der Welt haben mich direkt überzeugt, dass hier der wohl schönste Ort der Welt sein müsse. Aber wie das oft so ist, geht man ja doch nimmer dahin. Außer eben, es lässt sich mit dem was man sowieso schon tut verbinden. In meinem Falle mit dem Studium. Da ich Geographie und Biologie auf Lehramt studiere, war der Plan schnell gesteckt: Die vier Monate „wissenschaftliche Arbeit“ oder „Zulassungsarbeit“, wie man umgangssprachlich dazu sagt, schienen perfekt.

Da ich mich auch für alle Dinge bezüglich Klimawandel interessiere, ist die Region perfekt für wirklich interessante Forschung: Denn die subarktischen Gebiete sind die, die sich laut dem Intergouvernemental Panel on Climate Change (IPCC) am schnellsten erwärmen auf der Erde. Die Folgen sind schwer abzusehen, aber schmelzender Permafrostboden, mehr Extremwetterereignisse und mit der russischen Tundra eine riesige Fläche (Kohlenstoff Reservoir) machen die Region extrem spannend. Jedenfalls habe ich auf der Internetseite des Norwegian Institutes for Nature Research (NINA) ein paar sehr spannende Projekte gefunden.

Via Email, habe ich mir dann einen Betreuer, der bereit war mir die Arbeit anzuerkennen, an meiner Heimathochschule gesucht und bin mit Prof. Dr. Schmidtlein auch fündig geworden. Außerdem habe ich die Projektleiter oben in Tromsø direkt angeschrieben, dass ich gerne helfen würde. So nahm das Ganze dann seinen Lauf; die Pläne wurde konkreter und glücklicherweise konnte ich noch die Unterstützung der Stiftung Energie & Klimaschutz Baden-Württemberg erhalten.

Während des Projekts

Während des Projekts erging es mir sehr gut. Ich habe leider etwas weit außerhalb der Stadt und des Instituts gewohnt. Mit dem Bus und allen Wegzeiten eingerechnet waren es 50 Minuten bis ich da war. Recht schnell bin ich dann aber über einen kostenlosen Fahrradverleih gestolpert, wo ich mir ein Bike mit Spikes für 2 Wochen ausleihen konnte. Das war super, denn so konnte ich das Rad fahren in Eis-und Schnee ausprobieren. Dank der Spikes an den Reifen, war es tatsächlich kein Problem. Also habe ich mir danach ein gebrauchtes Fahrrad zugelegt, welches ich am Ende auch wieder für das gleiche Geld verkaufen konnte. Das war super, denn die Wegezeiten waren gleich lang und so konnte ich mir das Warten auf den Bus ersparen und nebenbei sportlich aktiv sein. Dennoch hat es die weite Distanz von der Stadt aus, oft erschwert Freunde zu treffen, was sich dann auf Wochenenden beschränkt hat.

Insgesamt habe ich mich während meines Projekt in meine Arbeit gestürzt. Das hat mir total Spaß gemacht, da ich den Eindruck hatte wirklich was Relevantes zu erforschen, und meinen eigenen Plan aufzustellen, was ich denn genau tun möchte. Alle Messgeräte sowie Computerzugang wurden mir selbstverständlich vom Norwegian Institute for Nature Research gestellt. Außerdem hatte ich zwei Supervisor (=Betreuer) am Institut die ich immer um Rat fragen konnte. So habe ich mich nicht alleine gefühlt bei dem was ich tat und konnte verschiedenste Messgeräte ausprobieren und auswählen. Das fand ich interessant, weil ich beispielsweise Satellitenbilder ausgewertet habe, Chlorophyll gemessen oder mit verschiedenen Infrarot Kameras einen sogenannten „Vegetationsindex“ bestimmen konnte, sowie die Feuchtigkeit und den Gasaustausch messen. Das Gasaustauschmessgerät ist wie eine luftdichte Kammer, die den CO2 Gehalt ermittelt. Da Pflanzen CO2 ausstoßen, kann auf ihre Stoffwechselrate geschlossen werden, und damit auch ihre Kohlenstoffspeicheraktivität. Das ist für Klimawandelfragen wichtig. Ich habe 18 Quadrate, welche 1×1 Meter groß waren, im Verlauf von 7 Wochen untersucht. Die Plots wurden von mir selbst ausgewählt und waren immer von einer Spezies, wie beispielsweise der Preiselbeere dominiert.

Was ich auch spannend fand war der Aufbau des Institutes. In einem größeren Gebäudekomplex, waren viele verschiedene Institute vereint. Beispielsweise das Institut für „Cultural Heritage“ war direkt neben meinen „Nature Research“ Institut. Die Mitarbeiter haben gemeinsam gegessen, und den interdisziplinären Austausch so stark gefördert. Beispielsweise passen Erkenntnisse auf sozialer Ebene, wie sie integriert in die Tradition der indigenen Bevölkerung (Sami) sind, sehr gut zu Populationserhebungen der Rentiere. Eine solche Art der interdisziplinären Forschung hat das Potential besser auf die Bedürfnisse der Menschen eingehen zu können. Lösungsvorschläge werden pragmatischer.

Persönliches

Besonders schön ist Norwegen abseits des Trubels in der Stadt. Hier lässt sich je nach Wetter (Es regnet häufig), wunderbar die Natur genießen. Im Winter ist es perfekt um alle möglichen Wintersportarten auszuüben. Der Nationalsport der Norweger ist das Langlaufen und Berge besteigen. Klar, dass ich mir das nicht habe nehmen lassen. So bin ich oftmals sogar mit Langlaufskiern zur Arbeit gefahren, was eine knappe Stunde in Anspruch nahm, aber auch ein wunderbarer Frühsport war . Im Winter lassen sich Berge bestens mit Schneeschuhen besteigen. Das schöne ist dabei, dass kaum Wege eingehalten werden müssen, und wirklich jeder Schritt dieses typische „knirschen“ auslöst.

Im Sommer ist vor allem das Angeln bei Groß und Klein beliebt. Kein Wunder bei den Fangerfolgen, die auch ich als Anfänger schon hatte. Die nördlichen Gewässer sind besonders im Sommer sehr fischreich. So lässt sich beispielsweise eine Fahrradtour perfekt mit anschießendem Angeln, Lagerfeuer und Zelten abschießen. Dank des „Jedermannsrecht“ ist das campen auch auf allen Flächen, die eine gewisse Distanz zu den Häusern haben, erlaubt. Aber so richtig norwegisch wird’s erst, wenn man in eine „hytte“ (deutsch: Hütte) geht. Fast jeder Norweger besitzt eine und verbringt jede freie Minute dort. Typische Cabins, haben eigentlich keine Heizung oder warmes Wasser. Stattdessen wird mit Holz geheizt und gekocht, die Toilette ist meist ein Plumpsklo, und das Wasser aus dem nahe gelegenen Fluss, oder Quelle geschöpft. Das schöne ist, dass in Norwegen alles Wasser außerhalb der Städte direkt vom Fließgewässer problemlos getrunken werden kann.

Was ich absolut klasse fand war einmal Winter und Frühling in einem solchen extremen Klima zu sehen. Im Winter gab es häufig eine Schneedecke welche einen guten Meter hoch war und Polarlichter. Das ist natürlich was absolut großartiges wenn der Himmel nachts leuchtet. Außerdem gibt’s im Sommer 24 Stunden Helligkeit, was auch echt nicht zu unterschätzen ist. Konkret bedeutet das, dass die Sonne nicht einmal um 1 Uhr nachts (statt 12 Uhr wegen der Sommerzeit) untergeht. Sie steht komplett im Norden. Im Verlauf der nächsten 24 Stunden kreist sie dann 360° um den Betrachter um schließlich wieder im Norden ihren minimalen Winkel zu erreichen. Oft hat das meinen Schlaf negativ beeinträchtigt, weil ich beispielsweise bis 11 noch im Zimmer mit Sonnenlicht gelesen habe und plötzlich schlafen wollte. War aber nicht dramatisch, weil es allen so erging.

Des Weiteren habe ich viele interessante Menschen getroffen. Das Klima scheint solche Leute irgendwie anzuziehen. Unter Ihnen war beispielsweise eine Walforscherin. Sie beobachtet den Zug der Wale und deren Bestände rund um Spitzbergen. Außerdem waren Freunde bei mir zu besuchen, meine kleine Schwester und meine Eltern. Während meines Aufenthaltes war ich super viel Langlaufskifahren und auch angeln. Die Stadt habe ich jedoch nur einmal wirklich verlassen. Das war ein Ausflug mit Freunden Richtung Küste. Wir sind mit dem Fahrrad ein paar Stunden gefahren und haben dann Anfang Juni auch dort gezeltet. Da war es zwar noch recht kalt nachts, aber 24 Stunden hell.

Was bleibt?

Mir persönlich bleibt eine sehr gute Erinnerung und tolle Erfahrungen in Tromsø. Ich konnte an einem extremen Lebensräum sein und dürfte dabei auch feststellen; wie sehr ich es doch daheim mag. Außerdem, konnte ich mir selbst ein Bild vom Leben am Rande der Welt machen; habe aber auch festgestellt, dass es eigentlich ist wie überall. Weiter habe ich sehr viel über den Klimawandel gelernt; unter anderem auch wie die Leute dort oben damit umgehen, aber auch wie Forschung an einem Institut abläuft. Ich habe mich sehr willkommen gefühlt und gerne dort gearbeitet. Alle Leute haben mich unterstützt und ich denke, dass ich auch gewissenhaft gearbeitet habe. Die wissenschaftliche Arbeit habe ich über „The Contribution of Mosses and Dwarf Shrubs to the Greeness of Subarctic Ecosystems“ geschrieben. Dafür habe ich mich mächtig ins Zeug gelegt und kann durchaus behaupten, dass ich bisher an keinem Projekt mit so großem Elan gearbeitet habe. Mit einem Wissenschaftler vom NINA- Institut kann ich wohl auch ein Paper darüber veröffentlichen. Aber das alles ist nur nebenbei, weil ich ja Lehrer werden möchte.

Insgesamt habe ich die Zeit als riesengroße persönliche Bereicherung erlebt. Ich dürfte viel über mich selbst lernen, über den Klimawandel und über andere Menschen. Ich denke oftmals ist es erst der Blick über den Tellerrand der uns den gedeckten Essenstisch sehen lässt. Ich persönlich bin sehr froh schon jetzt eine wunderbare Mahlzeit auf dem Teller zu haben.

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