Andreas Keßler in Chile

Andreas Keßler

Energie-Reporter

Andreas Keßler berichtet für uns aus der Atacama-Wüste in Santiago de Chile

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Erneuerbare Energien in Chile heute schon billiger als fossile Stromerzeugung

Beitrag vom 10. November 2015

Unser Energiereporter Andreas Keßler ist für uns in Santiago de Chile unterwegs und hat uns einige interessante Bilder, Daten und Fakten in seinem Bericht übermittelt.

 „Chile bietet perfekte Voraussetzungen für den raschen Umstieg auf erneuerbare Energien“

Santiago de Chile: Chile ist ein Hotspot des weltweiten Siegeszuges erneuerbarer Energien. Mit dem Kostenverfall von Wind- und Solarenergie werden erneuerbare Energien in immer mehr Ländern zur billigsten Energieform. Mit jeder weiteren Verbilligung wächst das wirtschaftliche Potential und damit auch der Kostendruck für Regierungen und Energieversorger die fossile Energieerzeugung zurückzudrängen. In Chile zeigt sich diese Dynamik mehr als irgendwo sonst.

Der Andenstaat bietet idealste Bedingungen für Wind- und Solarenergie mit der höchsten Sonneneinstrahlung weltweit, guten Bedingungen für Windenergie und weiten unbewohnten Landstrichen. Mit 6000 Kilometern Küstenlinie und gelegen am Pazifischen Feuerring liegen ebenso gute Voraussetzungen für Geothermie und Meeresströmungskraftwerke vor, deren Entwicklung aber in Chile noch in den Kinderschuhen steckt. Die Wasserkraft hingegen ist seit jeher etabliert und liefert etwa die Hälfte der Stromerzeugung. Durch sich häufende Trockenheitsperioden und schmelzende Andengletscher ist sie jedoch zunehmend eine unsichere Energiequelle.

Auch verfügt Chile nur unwesentlich über eigene Ressourcen fossiler Energieträger und muss 60% seiner Primärenergie importieren. Chiles Energieverbrauch wächst durch die positive Wirtschaftsentwicklung mit etwa 5% jährlich. Dies führt zu Engpässen und impliziert, dass Wind- und Solarenergie nicht unbedingt billiger als bereits bestehende Kraftwerke sein müssen um sich am Markt ohne staatliche Eingriffe durchzusetzen. Stattdessen ist lediglich der Vergleich gegenüber neuen fossilen Kraftwerken ausschlaggebend. Zuletzt lässt sich ein hoher Anteil erneuerbarer Energien in Chile deutlich einfacher realisieren, da Chile mit seiner hohen Wasserkraftleistung bereits über beträchtliche Stromspeicher zum Ausgleich fluktuierender erneuerbarer Energien verfügt.

Aus diesen Gründen steht die chilenische Regierung fest hinter dem Ausbau erneuerbarer Energien. Das derzeitige Ausbauziel für das Jahr 2025 liegt bei 20% „unkonventionellen“ erneuerbaren Energien (exkl. Wasserkraft) und bei 70% (inkl. Wasserkraft) bis 2050. Dann soll der Anteil der Solarenergie bei 19% liegen. Anders als in Deutschland gibt es keine Einspeisetarife, sondern feste Quotenziele. Diese spielten allerdings in den letzten Ausschreibungen kaum eine Rolle, da der Markt bereits selbst die günstigeren erneuerbaren Energien bevorzugt. In 2015 trägt die Solarenergie mit 741 MW installierter Leistung zu 2% der Stromproduktion bei. Weitere 2,11 GW sind derzeit in Bau und werden nach Fertigstellung bis 2017 8% des chilenischen Stromverbrauchs decken. Zusätzlich haben Projekte im Umfang von 8 GW die Genehmigung der Umweltbehörde erhalten. Allerdings dürfte nur ein Teil davon realisiert werden, da sich viele Projektentwickler spekulativ verhalten und sich vorausschauend Flächen und Netzanschluss sichern.

Jüngste Ausschreibung für die 20-jährige Abnahmegarantie bringt Rekord-Preise für Solarenergie von knapp unter 7 Cent/kWh

Die Strompreise in Chile werden wie in Deutschland per Merit-Order vom aktuell teuersten Kraftwerk gesetzt. In Dürrejahren sind dies in Chile oft Dieselgeneratoren, die zu sehr hohen Kosten arbeiten, wodurch der Spotpreis nach oben schnellt. Zum Bau neuer Kraftwerksleistung führen die Elektrizitätsversorger Ausschreibungen durch. Die jüngste Ausschreibung Mitte Oktober für neue Erzeugungsleistung von 1200 GWh war technologieoffen, wurde jedoch bemerkenswerterweise gänzlich von erneuerbaren Energien gewonnen. Ein größerer Teil entfiel auf Windenergie-Projekte (zu Preisen von 78 – 95 USD/MWh), aber auch PV- (ab 65 USD/MWh) und solarthermische Kraftwerke (CSP) erhielten den Zuschlag. Eines der Gewinner-Projekte ist ein solarthermisches Kraftwerk mit einem thermischen Flüssigsalzspeicher, welches Tag und Nacht erneuerbaren Grundlaststrom produziert. Selbst dieses Gebot lag mit 97 USD/MWh noch unterhalb des billigsten Gebots von Gas- und Kohlekraftwerken.

Die Gebote lagen dabei im Durchschnitt ganze 40% unter den Geboten gegenüber 2013. Während der Börsenstrompreis in den letzten Jahren um die 100 USD/MWh lag, erzielten die Gewinner nun Preise um etwa 70USD/MWh. Dieser Kostenverfall ist teilweise durch den Preisverfall der PV-Panels zu erklären. Genauso wichtig ist aber, dass die lokale Industrie mit der Zeit reifer wird und ihre Prozesse optimiert. Dies schlägt sich durch effizientere Abläufe zum Beispiel in der öffentlichen Verwaltung, der Projektierung, Logistik und Installation nieder. Demnach benötigt ein Land eine gewisse Anlaufphase, bis sich eine reife Industrie entwickelt hat und die Netzparität erreicht wird. Chile ist in Lateinamerika zugleich das fortschrittlichste Land. Es ist abzusehen, dass sich der Umbau der Energieversorgung mit den Erfahrungen aus Chile früher oder später auch in den bisher verhalten agierenden Nachbarländern wie z.B. Peru und Bolivien fortsetzen wird.

Die nächste Ausschreibungsrunde findet im April 2016 statt – dann werden 29% der chilenischen Stromproduktion für die kommende Dekade versteigert. Unabhängig davon läuft die Energieversorgung industrieller Großverbraucher – allen voran die Bergbauindustrie –, die sich ihre Energieversorgung selbst in privaten Ausschreibungen sichern. In Chile heißt es, sobald der Weltmarktpreis für Kupfer sich wieder von seinem derzeitigen Tief erhole, würden die Minenbetreiber angestaute Minenprojekte realisieren und deren Energieversorgung dank Kostenvorteil mit erneuerbaren Energien decken.

In meinem nächsten Beitrag erfahren Sie mehr über die ersten Erkenntnisse aus meinem Projekt: Innerhalb meines Praktikums bei einem Photovoltaik-Projektentwicklungsbüro in Santiago de Chile untersuche ich mögliche Anwendungen der solaren Meerwasserentsalzung. Neben Einsichten und Neuigkeiten zu meinem Projekt möchte ich innerhalb meiner Beiträge aber auch über den chilenischen Energiemarkt, das Wetterphänomen El Niño und die chilenischen Reaktionen zum kommenden Klimagipfel COP21 berichten.

Unterwegs in Chile

Beitrag vom 01.10.2015

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