Umfrage zur Zukunft der Mobilität

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Redaktion

Stiftung Energie & Klimaschutz
11. März 2019
Leere Autobahnspur neben Stau
Foto: pixabay

Die größte Baustelle der Republik

Für die Energiewende im Stromsektor liegt der Bundesregierung nun ein Fahrplan der Kohlekommission vor. Während bei der Wärmewende zu wenig passiert, fällt der Verkehrssektor dadurch auf, dass hier – gemessen an den Resultaten – seit 1990 keinerlei Fortschritte bei der CO2-Reduzierung gemacht wurden. Und die jüngsten Konflikte zwischen dem Verkehrsminister und der von ihm eingesetzten Regierungskommission deuten darauf hin, dass dieser Sektor noch für geraume Zeit die größte Baustelle der Republik bleiben wird. Grund genug, zu diesem Thema einen Schwerpunkt auf unserer Plattform ins Leben zu rufen. Wie immer verbinden wir dies mit einer Umfrage.

Die Probleme werden immer größer statt kleiner

Sicher ist: Die Größe der Aufgabe erlaubt es nicht, alte Tabus ungeprüft zu übernehmen.

An Komplexität sind die Herausforderungen kaum zu überbieten. Im Zentrum der Diskussion steht die Umstellung der Verbrennungsmotoren auf alternative, klimaneutrale Antriebstechnologien. Dabei wird geflissentlich übersehen, dass eine bloße Ersetzung der Fahrzeuge die bestehenden Probleme nicht lösen kann. Es ist eine Binsenwahrheit, dass in einem gegebenen Raum der Verkehr mit seinem Bedarf an Fläche nicht unendlich wachsen kann. Aber genau dieser Illusion scheinen wir erlegen zu sein.

Autobahnen verlaufen von Nord nach Süd und von West nach Ost. Bund und Länder investieren jedes Jahr Milliarden in den Straßenneubau. Wir haben unsere Städte autogerecht umgebaut, haben vierspurige Schneisen geschlagen, Parkhäuser errichtet und moderne Leitsysteme angeschafft, um nun festzustellen: Die Probleme werden immer größer statt kleiner. Lärm und Luftschadstoffe werden sich durch alternative Antriebe reduzieren lassen, nicht jedoch der Mangel an Raum.

Wir hängen mental und wirtschaftlich am Auto

Der Verkehrssektor verzeichnet seit 1990 keinerlei Fortschritte in der Reduzierung von Emissionen.

Und auch bei der Verkehrswende müssen wir über Energieeffizienz reden. Wenn eine Person von ca. 80 kg zur Beförderung ein Fahrzeug benutzt, das 2 t oder mehr auf die Waage bringt, ist das ineffizient – ganz unabhängig vom Antrieb. Das Verhältnis zwischen Transportgut und Fahrzeug muss besser werden, um nachhaltig und zukunftsfähig zu sein.

Die Verkehrswende ist auch deshalb die größte Baustelle der Republik, weil wir sowohl mental als auch wirtschaftlich stärker am Auto hängen als andere Nationen. Wir sind das einzige Land auf der Welt, in dem es noch kein allgemeines Tempolimit gibt. Und wenn dazu ein Vorschlag, wie jüngst von der zuständigen Verkehrskommission wieder mal auf den Tisch kommt, gleitet die Debatte sehr schnell in eine Art „Kulturkampf“ (Die Zeit) ab.

Den gesamten Sektor in den Blick nehmen

Man mag darüber streiten, ob eine höhere Besteuerung von Kraftstoffen und eine Höchstgeschwindigkeit von 130 km/h die richtigen Maßnahmen sind. Sicher ist: Die Größe der Aufgabe erlaubt es nicht, alte Tabus ungeprüft zu übernehmen. Wenn wir die eigenen Zielvorgaben für 2030 erfüllen und nicht Milliarden für Kompensation ausgeben wollen, müssen wir den gesamten Bereich der Mobilität im Blick behalten. Zu nennen wären da:

  • der überproportional wachsende Bereich des Lkw-Verkehrs, der sowohl auf unseren Fernstraßen als auch im innerstädtischen Verkehr an die Grenzen des Wachstums gekommen ist,
  • die steigenden Zahlen im Flugverkehr,
  • die weltweit boomende Touristikbranche,
  • der Verkehr, den wir als einer der führenden Handelsnationen der Welt bei der Ein- und Ausfuhr auf den Weltmeeren verursachen sowie
  • die mangelnde Konkurrenzfähigkeit der Deutschen Bahn im innerdeutschen Wettbewerb.

Veranstaltung zum innerstädtischen Verkehr

Doch nicht nur die Herausforderungen sind vielfältig. Die größte Baustelle der Republik wartet auch mit einem ganzen Potpourri an Lösungsmöglichkeiten auf. Einige davon haben wir in unserem letzten Schwerpunktthema erörtert. Zahlreiche andere liegen im Bereich der Digitalisierung, der städtebaulichen Entwicklung und einem intelligenten Mix der Verkehrsträger. Wir sind gespannt auf die Vorschläge unserer Gastautoren.

Über die Zukunft des innerstädtischen Verkehrs diskutieren wir bei den Urban Mobility Talks, die am 11. April in Stuttgart stattfinden werden.

Unsere Umfrage zur Mobilität der Zukunft

Was ist für den Erfolg der Verkehrswende jetzt vorrangig?

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Diskutieren Sie mit

  1. Max Falb-Forsthuber

    vor 3 Monaten

    Alle 3 Felder sind richtig & wichtig!

  2. B.L.

    vor 2 Monaten

    Vor allem muss auch endlich mal ausgiebig über Alternativen zur E-Mobilität gesprochen werden. Denn das "E" muss ja auch irgendwo herkommen und die bisherigen Akkus sind alles andere als umweltfreundlich und sozial. Ist mir ein völlige Rätsel, warum nun alle plötzlich so begeistert in diese Richtung marschieren wollen.

  3. helmut Hoedt

    vor 2 Monaten

    Die Energiebilanz ist noch nicht angekommen in Politik und Capital. Die größte Wasserstoff Quelle der Welt ist das Meer .Wir können es abtrennen und haben h2gas und O2 und Wasser für die Landwirtschaft H2 gas ist das Beste auf der Welt

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