Ohne Wärmewende keinen Klimaschutz

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Redaktion

Stiftung Energie & Klimaschutz
20. November 2019

Quelle: Klimaschutzgesetz http://dip21.bundestag.de/dip21/btd/19/143/1914337.pdf

Mehr als die Hälfte der Energie, die wir in Deutschland nutzen, fließt in den Sektor Wärme.  Ein Drittel der CO2-Emissionen, ca. 260 Mio. t pro Jahr, entstehen hier. Den größten Energiehunger weist dabei der private Verbrauch mit 44% auf. Es folgen Industrie (39%) sowie Gewerbe, Handel und Dienstleistungen (17%). Die Zahlen zeigen: Ohne Wärmewende gibt es keinen Klimaschutz.

Die Bundesregierung weiß das. Zahlreiche Maßnahmen des sog. Klimapakets sollen für die nötigen Emissionsminderungen sorgen, um die Klimaschutzziele 2030 zu erreichen.

Für den Teilbereich der Gebäude hat sie im Oktober einen Entwurf des Gebäudeenergiegesetzes (GEG) vorgelegt. Im Klimaschutzgesetz der Bundesregierung wurden die Jahresemissionsmengen der Sektoren festgeschrieben.

Sorgt ein angemessener CO2-Preis für die nötigen Innovationen beim Klimaschutz?

Nach der Verabschiedung des Klimaschutzgesetzes und weiterer Bausteine des Klimapakets durch den Bundestag laufen die politischen Verhandlungen weiter. Denn Teile der Gesetze brauchen die Zustimmung des Bundesrates.

Im Zentrum der Kritik steht die Höhe des CO2-Mindestpreises. Die Große Koalition will ihn in 2021 einführen und mit 10 Euro pro Tonne CO2-Äquivalent starten. Selbst große Teile der Industrie bewerten diesen Einstieg als zu gering. Viele Unternehmer fordern, dass der Klimaschutz kalkulierbar wird: Lohnt die Investition in neue Technologien? Rechnet sich der Aufwand für den Klimaschutz? Wirtschaftswissenschaftler sagen, der Einsatz von Wasserstoff und anderen grünen Gasen in der Industrie werde im großen Maßstab nur erfolgen, wenn die Politik dafür die Leitplanken setzt, z.B. in Form eines angemessenen CO2-Preises.

Wärmewende braucht Windstrom

Kritisiert wird aber nicht nur der CO2-Preis. Unklar ist, woher der CO2-freie Strom für die Wärmewende kommen soll. Gleich ob man Wärmepumpen oder grüne Gase für die Wärmeerzeugung einsetzt: Auf CO2-freien Strom sind alle Technologien angewiesen. Da der Ausbau der Windenergie in Deutschland in den letzten beiden Jahren zum Erliegen gekommen ist, brauchen wir viel mehr grünen Strom als derzeit zur Verfügung steht.

Weitere Streitpunkte sind:

  • Das Tempo der energetischen Sanierung im Bestand.
  • Das – durch zahlreiche Ausnahmen – aufgeweichte Verbot von Ölheizungen ab 2026.
  • Fehlende Standards für Neubauten. 

Umwelt- und Fachverbände haben umfangreiche Stellungnahme zum Klimaschutzpaket vorgelegt. Einhellig begrüßt wurde, dass die energetische Sanierung nun steuerlich begünstigt wird. Strittig dagegen die Einschränkung, dass die Abschreibung nur für selbst genutzte Immobilien möglich ist. An Diskussionsstoff wird es in unserem neuen Schwerpunktthema nicht mangeln. Dazu wird es auch einen Debatten-Abend geben: „Das Stiefkind der Energiewende: die Wärmewende“. Er wird am Mittwoch, den 04. Dezember in Stuttgart stattfinden. Seien Sie herzlich eingeladen.

Wer trägt die Kosten der Wärmewende?

Wenn wir über die Wärmewende reden, geht es zuvorderst um den Wohnungsbestand. In Deutschland gibt es mehr als 41 Millionen Haushalte, die sich auf ca. 18 Millionen Gebäude verteilen. Hier wird der mit Abstand größte Teil der Wärmeenergie verbraucht. Und hier fallen die größten Kosten  an. Verglichen mit dem riesigen Bestand ist der Anteil neuer Gebäude und Wohnungen im Neubau relativ klein. Etwa 100.000 neue Gebäude mit 240.000 Wohnungen werden pro Jahr fertig gestellt.

Eine Absenkung des Energieverbrauchs im Bestand zu erreichen, ist aufwändig. Im konkreten Einzelfall sind Mauerwerk, Dach, Fenster sowie die gesamte Heizungsanlage zu betrachten. Zu ermitteln ist, welches Maß der energetischen Sanierung mit welchem Aufwand zu erreichen ist. Wie hoch fallen die Teil- und Gesamtkosten aus? Welche Maßnahme lohnt sich finanziell?

Wie immer leiten wir unser neues Schwerpunktthema mit einer kleinen Umfrage ein. Stimmen Sie mit ab. Oder nutzen Sie bitte für eine differenzierte Meinungsäußerung  die Kommentarfunktion. Vielen Dank.

Was meinen Sie...

Wer soll die finanzielle Hauptlast für die Wärmewende im Wohnungsbestand tragen?

Alle Zahlenangaben zum Wärmemarkt haben wir dem Foliensatz des BDEW entnommen.

Quelle: https://www.bdew.de/media/documents/20190529_Waermeverbrauchsanalyse-Foliensatz-2019_42oo8Va.pdf

Diskutieren Sie mit

  1. Carlo Winterscheid

    vor 3 Wochen

    Guten Tag,
    Kopie aus Ihrem Artikel: "...CO2-Mindestpreises. Die Große Koalition will ihn in 20121 einführen..." Das ist wirklich spät und 10€/tonne zu niedrig.

    Warum basiert die Wärmewende in diesem Artikel nur auf Windstrom?
    Es gibt viele erneuerbare Energiequellen wie Solarthermie (Thermie=Wärme), Geothermie oder Biomasse zB. als Holzpellets, die direkt Wärme bereitstellen können, in BaWü vorhanden sind und keinen (/minimal) Strom benötigen. Damit wäre die Problematik eines steigenden Strombedarfs für Transport und Wärme zumindest in Teilen reduziert.

    Herzliche Grüße
    Carlo Winterscheid

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