War watt? Innovationsmotor Energiewende

Gastautor Portrait

Hubertus Grass

Kolumnist

Nach Studium, politischem Engagement und Berufseinstieg in Aachen zog es Hubertus Grass nach Sachsen. Beruflich war er tätig als Landesgeschäftsführer von Bündnis 90/Die Grünen, Prokurist der Unternehmensberatung Bridges und Leiter der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit beim Deutschen Evangelischen Kirchentag in Dresden. Seit 2011 ist er als Unternehmensberater freiberuflich tätig.

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08. Oktober 2015

Umweltorganisation kauft Braunkohle-Energieversorger. Das wäre mal eine echte Innovation. Die Pläne von Greenpeace in Ehren, aber soweit wird es wohl nicht kommen. Da stehen Politik und Verbände gegen. Innovationen gehören nicht zur Kernkompetenz von Landesregierungen und Gewerkschaften, sie sind Großmeister des Bewahrens einer überlebten Vergangenheit. Als Innovation kann auch nicht gewertet werden, dass die SPD-Bundestagsfraktion mit Bernd Westphal einen langjährigen IGBCE-Funktionär einstimmig zum energiepolitischen Sprecher gewählt hat. Westphal ist bekennender Fan des Frackings, des Bergbaus im Allgemeinen und der Braunkohle im Besonderen. Innovationen sind nicht sein Ding. Wer den Innovationsmotor Energiewende sucht, muss sich andernorts umschauen.

Innovationsmotor Energiewende treibt die Wasserstoffgesellschaft nach vorne

Zum Beispiel in Ilmenau an der dortigen TU. Das Verfahren, aus Sonnenlicht Wasserstoff herzustellen, ist schon lange bekannt. Ein internationales Forscherteam unter der Leitung des Ilmenauer Professors Thomas Hannappel steigerte den Wirkungsgrad der so genannten direkten solaren Wasserspaltung von 12,4 auf 14 Prozent. Mit der Methode, die auf künstlicher Photosynthese beruht, lässt sich der Brennstoff Wasserstoff aus dem Licht der Sonne herstellen. Mit dieser Effizienzsteigerung ist die Wirtschaftlichkeit des Verfahrens nun in greifbare Nähe gerückt. Ab einem Wirkungsgrad von 15 Prozent, so wird geschätzt, werde so erzeugter Wasserstoff wettbewerbsfähig. Schon prognostiziert die Wirtschaftswoche, dass „Wasserstoff das Öl der Zukunft“ werde. Dass der Innovationsmotor Energiewende die Wasserstoffgesellschaft nach vorne treibt, hatten wir auch hier im Blog dokumentiert.
Handelsübliche Solarmodule kommen auf einen Wirkungsgrad von ca. 20 Prozent, Sonderanfertigungen und ausgesuchte Zellen auf etwas über 30. Aber da geht noch mehr. Das bewiesen jetzt Wissenschaftler aus Australien von der University of New South Wales (UNSW). Eine gängige Möglichkeit, Zelleffizienzen zu steigern, besteht darin, Stapelzellen mit noch mehr aktiven Schichten zu verwenden. Übliche Triple-Junction-Zellen nutzen drei Schichten mit unterschiedlichen Materialien. Statt einer weiteren Schicht experimentierten die Australier mit einer optischen Schicht und kamen auf einen Modulwirkungsgrad von über 40 Prozent.
Einen ganz anderen Weg zum gleichen Ziel, effizientere und damit preiswerte Zellen und Module herzustellen, haben die Forscher vom Karlsruher KITs eingeschlagen. Sie verpassen den Solarzellen eine Tarnkappe. Die Tarnkappe soll die so genannten Kontaktfingern bedecken, die den erzeugten Strom der Zelle abführen, die aber gleichzeitig die Effizienz der Zelle mindern.

400 Millionen Euro Förderung

Damit der Innovationsmotor Energiewende nicht in Stottern gerät, hat das Bundesforschungsministerium eine 400 Millionen Euro schwere Forschungsoffensive gestartet, die „Kopernikus-Projekte“. In der Ausschreibung heißt es: „Mit dieser Förderinitiative werden technologieorientierte Forschungsprojekte mit systemischem und transdisziplinärem Ansatz gefördert. Das Ziel dieser Projekte ist es, für die Umsetzung der Energiewende relevante Technologien zu identifizieren und bis zur großskaligen Anwendung zu entwickeln. Dabei steht der systemische, gesamtheitliche Ansatz der Projekte gegenüber der Förderung von Einzeltechnologien im Vordergrund.“

Innovationsmotor Energiewende, Kopernikus,

Mit einer echten Innovation hat uns auch der VW-Konzern dieser Tage überrascht und damit der umweltpolitischen Reputation der gesamten deutschen Industrie geschadet. Eine Manipulationssoftware sollte aufhalten, was nicht aufzuhalten ist: Der Weg der Energiewende hin zu immer weniger Schadstoffen. Unternehmen sind nicht erst seit gestern gut beraten, im Strom des wachsenden Umweltweltbewusstseins mit zu schwimmen. Ströme aufzuhalten kann ein tödliches Unterfangen sein.
Selbst Rückschläge wie das Dieselgate von VW werden den Innovationsmotor Energiewende nicht bremsen. Im Gegenteil: Der Vorsitzende des Sachverständigenrates für Umweltfragen der Bundesregierung und Professor für Umwelt- und Energietechnik an der Technischen Universität Clausthal, Martin Faulstich, meint, Dieselgate sei auch eine Chance für die deutsche Automobilindustrie, jetzt endlich das Thema Elektromobilität kraftvoll anzugehen.

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  1. Sturmecodeus

    vor 3 Jahren

    Hallo!

    Die Umweltorganisatoren wollen mit den Vorhaben unsere Energieversorgung aushebeln.

    Sie versuchen das Eigentum an den konservativen Energiekonzerne zuerwerben, um diese später dann Stillzulegen.

    Deutschland ist Flächendeckend aber noch nicht ausreichend, mit den erneuerbaren Energiequellen versorgt.

    Auch wenn ein Überschuss an Strom in Dtl. montan zur Verfügung steht, sollten diese Schritte wohl überlegt sein.

    Der Strom Überschuss lässt sich, um nur ein Faktor zu nennen, mit den neuen Stfomeffizienten elektrischen Haushaltsgeräte erklären.

  2. Joe

    vor 2 Jahren

    So, so, da behauptet der Beitrag also, man könne Wasserstoff AUS Sonnenlicht herstellen. Im verlinkten Beirag wird dann allerdings deutlich, dass das H2 aus (reinstem) Wasser hergestellt wird und das Sonnenlicht nur die notwendige Energie liefert. Woher bei einer Massenproduktion die Unmengen an reinem Wasser kommen werden, konnte mir leider noch kein Beitrag aufzeigen.

    Denn H2 ist nun einmal ein sekundärer Energieträger, der erst aufwendig erzeugt werden muss. Dazu hat er zwar eine sehr hohe gewichtsbezogene Energiedichte (deshalb wird dies gern betont, ist ja normalerweise ein leichtes Gas) - aber die volumenbezogene Energiedichte ist dafür sehr, sehr schlecht. 1kg H2 nimmt unter Normbedingungen etwa 11Kubikmeter (!!!) Raum ein dies verbraucht bspw. ein Toyota Mirai auf etwa 100km ...
    Um sie zu verbessern, muss man das H2 auf also 700bar (Autoreifen etwa 2bar) für den Autotank komprimieren, oder für den Transport zur Tankstelle bei -253°C verfüssigen. Das dies sehr viel Energie zusätzlich kostet, leuchtet sicher ein. Trotzdem ist flüssiges H2 nur etwa so schwer wie Styropor - und nimmt ebensoviel Platz ein ...

    Wasserstoff kann sicher einen gewissen Raum für stationäre Anwendumgen bekommen - mobil ist es ein Irrweg und eine "Wasserstoffgesellschaft" wird es nie geben. Warum nicht? Weil H2 als herzustellender Energieträger den Vergleich mit elektrischem Strom immer verlieren muss - rein physikalisch erklärbar! Die meisten erneuerbaren Energien ernten elektrische Energie direkt - der molekulare Wasserstoff aus der künstlichen Fotosynthes sind ja nur der Anfang der H2-Herstellung ...

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