Ein Hybridmarkt für private Stromkunden

Gastautor Portrait

Thorsten Zoerner

Energieblogger @blog.stromhaltig

Seit dem Jahr 2007 beschäftigt sich Thorsten Zoerner mit den Themen Stromnetz und Strommarkt. Parallel dazu entstand der blog.stromhaltig. Über das Thema Energiewirtschaft hat er drei Bücher veröffentlicht. Im 2014 erschienenen Buch zum Hybridstrommarkt entwarf er ein Marktdesign, das in Deutschland in das Gesetzespaket Strommarkt 2.0 aufgenommen wurde. Der Datenanalyst hat sich intensiv mit Digitalisierung in der Energiewirtschaft und mit der Blockchain Technologie befasst. Aus diesem privaten Engagement heraus entstand in 2017 das Unternehmen STROMDAO, das Thorsten Zoerner als Geschäftsführer leitet. DAO steht für "dezentrale und autonome Organisation". Zoerner sieht darin das Herzstück der digitalen Infrastruktur für die Energiewirtschaft der Zukunft.

weiterlesen
25. April 2014

Fünf Fragen an Thorsten Zoerner, Blogger blog.stromhaltig.de

DEZ: Derzeit wird heiß diskutiert, wie ein künftiges Strommarktmodell aussehen könnte. In Ihrem Blog haben Sie das Modell eines Hybridmarktes für private Stromkunden ins Spiel gebracht. Wie soll der funktionieren?

Thorsten Zoerner: Ausgangspunkt meiner Überlegungen ist, dass Wind- und Sonnenenergie anders als die Fossilen nicht geeignet sind für den Energy-Only-Markt, wo nur die Stromproduktion vergütet wird. Dieser Markt funktioniert seit Jahrzehnten gut und sicher. Fluktuierende Erneuerbare Energien werden, weil sie nicht börsentauglich sind, derzeit als Graustrom verramscht. Marktfähig werden sie über einen Kapazitätsmarkt, an dem sich jeder Verbraucher beteiligen kann, indem er prozentual einen individuellen Mix aus Erzeugungskapazitäten erwirbt.

DEZ: Wo liegen die Vorteile Ihres Modells?

TZ: Über den Hybridmarkt entkommt der Verbraucher aus der Unmündigkeit, in der er als Stromkunde gefangen ist. Auf diesem Markt kann dann auch der Mieter entscheiden, woher sein Strom kommen soll. Er kann mit technischen Hilfsmitteln oder durch individuelles Verhalten den Lastgang seines Haushaltes an die Erzeugungskurve der von ihm erworbenen Kapazitäten anpassen. Bio, regional und saisonal sind bei Lebensmitteln en vogue – auch beim Strom wollen die Kunden Produktverantwortung ausüben.

DEZ: Technisch scheint mir ein Hybridmarkt sehr anspruchsvoll zu sein.

TZ: Die Technik ist vorhanden. Der Kauf der Kapazitäten lässt sich über ein Online-Portal dokumentieren. Für die Abrechnung zwischen Anbieter und Verbraucher ist ein modernes Smartmeter zur Leistungsmessung erforderlich, so dass zeitlich genau ermittelt werden kann, woher mein Strom kommt. Beim Telefon und beim Datenverbrauch haben wir uns schon lange an die sekundengenaue Abrechnung oder an den Kauf einer Flatrate gewöhnt. Im Vergleich zu unserer Telefonrechnung stammt die Stromabrechnung noch aus der Steinzeit der Datenverarbeitung.

DEZ: Welche gesetzlichen Änderungen werden nötig, um einen Hybridmarkt zu etablieren?

TZ: Ich bin kein Jurist. Nötig wäre eine Abkehr vom Standardlastprofil des BDEW  und damit Änderungen in der Stromnetzzugangsverordnung (StromNZV). Im Vergleich zu einem juristisch hoch komplexen Regelwerk wie dem EEG benötigt die Einführung eines Hybridmarktes nur minimale Eingriffe des Gesetzgebers.

DEZ: Danke für das Gespräch

Das Interview führte Hubertus Grass.

_________________________________

Mehr Infos zu diesem Modell:

In 100 Worten: Hybridmarkt für private Stromkunden (Leistung & Kapazität)

Markt: Wer bei Kapazitäten zur Stromversorgung an fossile Kraftwerke denkt sollte weiter lesen…

Diskutieren Sie mit

  1. Dirk Kaiser

    vor 5 Jahren

    Herr Windmüller

    Sie hatten zuletzt oft Erfolgsmeldungen gepostet, wonach der Windkraftausbau in Europa boomt. Wo immer eine Windmühle aufgestelllt wurde, werteten Sie das als Beleg für die Wirtschaftlichkeit der Anlagen. Ich habe dagegen die Aufassung vertreten, Windenergie rechnet sich unter marktwirtschaftlichen Bedingungen nicht... ich muss mich korrigieren: Es gibt natürlich einen Kreis von Unternehmen/Personen, für die sie sich durchaus rechnet. Inwieweit das jedoch mit Marktwirtschaft zutun hat, mag jeder für sich entscheiden...
    .
    Die europäischen Energie-Regulatoren haben im vorigen Jahr beschlossen, dass Windparks Kompensationszahlungen aus dem Energiemarkt für Schließungen erhalten sollen... das ist Teil der Regierungspolitik zur Stimulierung des Windenergie-Marktes.
    .
    oder hier... Beispiel Irland
    .
    independent.ie/business/irish/windfarm-owners-were-paid-10m-not-to-produce-energy-30200656.html

    .

  2. Windmüller

    vor 5 Jahren

    http://www.windkraft-journal.de/2012/10/19/tuerkei-borusan-enbw-enerji-gibt-startschuss-fuer-50-mw-windpark-balabanli/

    Sie haben recht Herr Kaiser- Windmutzung lohnt sich nur, wenn die richtigen Unternehmen das machen.

  3. Franz Wagner

    vor 5 Jahren

    Herr Windmüller, daran kann man ablesen wie unbeholfen unsere Politiker bei diesem Thema agieren.
    Die jahrelange Entwicklungsarbeit und Vorreiterrolle bei der Erneuerbaren Stromerzeugung wurde durch grob fahrlässige Planwirtschaft in Berlin in den letzten 6 Jahren bewusst eingestampft.
    Nun machen es die Anderen, und genau wie bei PV-Unternehmen verschwinden dafür die Arbeitsplätze in Deutschland.

    "Schöne heile Merkelwelt", oder "Neuland"

    8 0
  4. Dirk Kaiser

    vor 5 Jahren

    "Die jahrelange Entwicklungsarbeit und Vorreiterrolle bei der Erneuerbaren Stromerzeugung..."
    ***

    Achja, das Märchen vom deutschen Vorbild....dem alle anderen Nationen unverzüglich folgen, wenn man erst sieht, wie "erfolgreich" wir sind... Naja, zumindest die Subventionsabschöpfer und andere EE-Gewinnler können sich auf Kosten der Allgemeinheit als erfolgreich betrachten...

    1 3
  5. Franz Wagner

    vor 5 Jahren

    Hybridmarkt? In welchem Zusammenhang soll dieses Interview stehen?
    Der Wettbewerb kann doch nur durch dezentralisierung der Stromgewinnung gelingen, und durch Verstaatlichung der Stromnetze, nur leider, wenn sich ein Bürger selbst mit PV-Strom versorgt muss er neuerdings dafür eine Umlage an die "Notleidenden Stromkonzerne" zahlen. Ist dies dann bei der Nutzung von "Hybridautos" oder Elektroautos auch so, dass man dann an die "Notleidenden Ölkonzerne" einen "Rettungsgroschen" abgeben muss?

    Vermutlich verbirgt sich bei diesem Vorschlag "Hybridmarkt" ein neues Konzept um Strottpapiere für Leerverkäufe zu generieren.

    Deutschland = Planwirtschaft ala DDR.

  6. Dirk Kaiser

    vor 5 Jahren

    Es ist schon zum Schmunzeln, solche Statements von jemanden zu lesen, der hier für eine Branche steht, die ohne Subventionen unter marktwirtschaftlichen Bedingungen nicht überlebensfähig ist! :-)
    Wenn Wettbewerb zu Kostensenkungen führen soll (ich vermute mal, dass das Ihre Intention ist), so sind die Erzeugungskosten doch die Untergrenze für die Preise... oder ein Wert, der doch sehr nahe an den Kosten liegt.
    .
    Wenn durch planwirtschaftliche EE-Erzeugung eine Erzeugungsart (Technologie) bevorzugt wird, deren Kostenbasis um Größenordnungen über der der konventionellen Erezugung liegt, können Sie soviele Wettbewerber in den Markt holen, wie Sie möchten, der Preis wird dennoch steigen! Wenn Sie große Containerschiffe per politischen Eingriff (Verbot) von den Ozeanen verbannen würden und statt dessen die Transporte durch eine entsprechende Zahl kleiner Motorschiffe (Wettbewerb!!!) durchführen lassen, so würde das nach Ihrem Verständnis wohl zu Preissenkungen führen? - Dann schlage ich vor, künftig jeden Container einzeln mit einem kleinen Motorboot zu transportieren!!!

    P.S. Sie haben nicht nur von Marktwirtschaft keinen Ahnung, auch DDR-Planwirtschaft scheint Ihnen völlig fremd zu sein: Plan wirtschaft ist, wenn man - unter Ignoranz von NAturgesetzen - politisch vorgibt, bis 2030 50% der Stromerzeugung aus Erneuerbaren und bis 2050 80% der Stromerzeugung Deutschlands aus EE zu erfolgen hat!
    .

    0 3
  7. Franz Wagner

    vor 5 Jahren

    Herr Kaiser, wie kommen Sie zu dem Ergebnis, dass die EE-Stromerzeugung über den Kosten der Konventionellen liegt? Es ist doch nach Ihrer Meinung genau dieses Verhältnis eingetreten, dass sich durch die ständig fallenden Strompreise aufgrund der Erneuerbaren die Konventionellen nicht mehr rechnen - deshalb pochen doch Interessensvertreter wie Sie, auf eine Subvension für die Kapazitätsbereitsstellung der Konventionellen. Allerdings könnten wir uns dieses Geld sparen, mii
    ttlerweile gibt es eine erfolgreiche Forschungsanlage, die aus EE-Strom CO2 aus der Luft oder aus Abgasanlagen von Industriebetrieben in Methan (Erdgas) umwandeln. Der nächste Schritt wird sein, diese funktionierende Forschungsanlage in eine Serienanlage umzusetzen. Also wären diese Wunschsubvensionen der alten AKW-Betreiber für die Kapazitätsbereitstellung hier sicherlich nachaltiger angelegt.
    Ein weiterer Effekt ist mit solchen Anlagen, Gas kann man langfristig speichern und unser Gasnetz ist besser ausgebaut, als unser Stromnetz. Wir wären dann weder von russischem Gas abhängig, noch von KKW´s und AKW´s. Das nenne ich nachhaltige Energiewende und nicht eine Wiederbelebung von 60 Jahre alter Atomverstromung.

    3 0
  8. Franz Wagner

    vor 5 Jahren

    Also Herr Kaiser, irgendwie widersprechen Sie sich nun in Ihren Argumentationen.
    Noch vor ein paar Tagen wollten Sie beim AKW-Strom noch 5,0ct/kWh Gestehungskosten (im Jahr 2005 bei AKW-Neubau) und der Stompreis liegt an der Börse bei 3,0ct./kWh.
    Wie rechnet sich das nach Ihren Marktwirtschaftlichen Gesichtspunkten, und mit welchem Geld wird der Fehlbetrag von 2,0ct/kWh ausgeglichen?

  9. Franz Wagner

    vor 5 Jahren

    Herr Kaiser, da war noch was:
    Wissen Sie, dass die Sonne pro Jahr 8.000 mal mehr Energie auf die Erde schickt, als der Weltenergieverbrauch pro Jahr? Und dabei sind alle Energieverbrauchsformen (auch Sprit-,Heizkosten usw.) eingerechnet.

    Also, es wird endlich Zeit, dieses Überangebot durch technische Lösungen für die Menschheit nutzbar zu machen.

    4 1
  10. Dirk Kaiser

    vor 5 Jahren

    Franz Wagner vor 3 Stunden

    Herr Kaiser, da war noch was:
    Wissen Sie, dass die Sonne pro Jahr 8.000 mal mehr Energie auf die Erde schickt, als der Weltenergieverbrauch pro Jahr? Und dabei sind alle Energieverbrauchsformen (auch Sprit-,Heizkosten usw.) eingerechnet.

    Also, es wird endlich Zeit, dieses Überangebot durch technische Lösungen für die Menschheit nutzbar zu machen.
    *******************************
    Da wäre ich ganz bei Ihnen!!! Nur leider kann ich mich nicht so ohne weiteres aus der Realität ausklinken, wie Sie das offensichtlich können aber Sie haben vermutlich mit Naturwissenschaften nicht so viel zutun...!
    Wir müssen schon im Auge behalten, was auf absehbare Zeit (50 Jahre?) machbar ist und was nicht! Vielleicht hilft Ihnen ja das Googlen des Begriffes "Energiedichte" etwas weiter!
    .
    Forderungen in einem Fachgebiet aufstellen, wo Sie absolut keine Ahnung haben, können Sie vortrefflich. Warum fordern Sie nicht auch, dass wir innerhalb der nächsten 5 Jahren ein Mittel gegen den Krebs erfinden... mus doch möglich sein... immerhin gibt es dort, wie bei der Entwicklung von Stromspeichern auch gute Forschungsergebnisse... :-) Oder erklären Sie mir den Unterschied bei der Lösung der Probleme zwischen der Heilbarkeit von Krebs und der Entwicklung von bezahlbaren Stromspeichern!
    .
    .
    Wenn mir meine Wohnung zu klein ist, brauche ich mir - Ihrer Logik folgend - ja auch keine Gedanken wegen des Platzes zu machen: Das Weltall ist schließlich unendlich, nicht wahr? :-)
    .

    1 3
  11. Dirk Kaiser

    vor 5 Jahren

    „Also Herr Kaiser, irgendwie widersprechen Sie sich nun in Ihren Argumentationen.
    Noch vor ein paar Tagen wollten Sie beim AKW-Strom noch 5,0ct/kWh Gestehungskosten (im Jahr 2005 bei AKW-Neubau) und der Stompreis liegt an der Börse bei 3,0ct./kWh“
    **
    Wie wollen Sie das denn beurteilen? Sie verstehen weder etwas von der Stromerzeugung noch etwas von Marktwirtschaft?
    Ich habe Ihnen das hier schon einmal erklärt. Auch nicht verstanden?
    .
    dialog-energie-zukunft.de/energiewende-paradox/#comment-1675
    .

    - RWE: Milliardenverluste, Stellenabbau (vor allem im Erzeugungsbereich)
    - E.ON: Ergebniseinbrüche, Stellenabbau (vor allem im Erzeugungsbereich)
    - KKW Grafenrheinfeld geht früher vom Netz als im Abschaltplan vorgesehen
    - E.ON hat kürzlich 2.100 MW Kohleerzeugung in NRW zur Stilllegung zum 31.12.2014 angemeldet
    - Die modernste Gasturbine der Welt in Irsching schreibt rote Zahlen
    - Warum baut denn keiner die in der Energiewende so dringend benötigten Gaskraftwerke?

    Dies alles ist das Ergebnis dessen, was Sie oben bzgl. Gestehungskosten und Börsenpreis richtig erkannt haben! Die Firmen machen Verluste (zahlen weniger Steuern), entlassen Menschen, investieren lieber im Ausland,... usw. .. Aber ich gehe nicht davon aus, dass Sie das verstehen.
    .
    Soso, Campact ist also auch gegen einen Kapazitätsmarkt... Warum eigentlich? Und wie soll denn die Grundversorgung mit Energie sichergestellt werden, wenn uns der Wettergott, wie sooft, nicht hold ist?... Aber kommen Sie jetzt bitte nicht mit dem Unsinn "eingesparte Brennstoffkosten" können zur Finanzierung von Backup-Kraftwerken dienen!
    .
    .

  12. Franz Wagner

    vor 5 Jahren

    Herr Kaiser, es ist schon erstaunlich wie Sie Ihre Mitdisskutanten als ahnungslos hinstellen wollen, wenn Ihre Argumente und die darin eingebauten Quellen zu bröckeln beginnen.
    Dann sind wohl Sie nur noch der Einzige der Ahnung hat.
    Sie schreiben hier, dass die EE-Stromerzeugung keine Zukunft hat, da im Vergleich zu den Konventionellen die Kosten höher liegen, und im Gegenzug "jammern" Sie, dass die Großkonzerne vor allem im Erzeugungsbereich hohe Verluste einfahren.
    Wie passt das zusammen? EON, z.B. hat Milliarden in dem Projekt Desertec versenkt.
    Ich finde ja Solarenergie auch sehr gut, aber wie kann man ein Milliardenprojekt in die Wüste stellen, ohne die nötigen Stromleitungen erst einmal zu verlegen?
    Das ist echt eine tolle Marktwirtschaft - die tun mir nicht leid.

    Dann noch zu Ihrem "Wettergott": Die technischen Möglichkeiten den EE-Strom zu speichern nehmen doch zu - dies habe ich Ihnen auch an einem Bsp. aufgezeigt - nur ich merke es schon, darauf wollen Sie nicht näher eingehen, denn Sie haben ja wesentlich "mehr Ahnung".

    ..schönen Sonntag.

    3 0
  13. Windmüller

    vor 5 Jahren

    Herr Kaiser - bei ihnen scheint noch immer Fasching zu sein.

    "Es ist schon zum Schmunzeln, solche Statements von jemanden zu lesen, der hier für eine Branche steht, die ohne Subventionen unter marktwirtschaftlichen Bedingungen nicht überlebensfähig ist! :-)
    Wenn Wettbewerb zu Kostensenkungen führen soll (ich vermute mal, dass das Ihre Intention ist), so sind die Erzeugungskosten doch die Untergrenze für die Preise… oder ein Wert, der doch sehr nahe an den Kosten liegt."

    Wo wird ein neues Kernkraftwerk gebaut, wenn Bau oder Betrieb nicht staatlich gesponsert werden ? Welches KKW wäre noch am Netz, wenn die Blöcke hinreichend versichert werden müssten ?
    Es spricht schon Bände. wenn ausgerechnet Mitarbeiter von Oligopolisten was von Markt und Wettbewerb erklären möchten.
    Das ist so, als ob ein Fleischer einen Vortrag über die Vorteile vegetarischer Ernährung halten würde.
    .

  14. Dirk Kaiser

    vor 5 Jahren

    Herr Wagner,
    "Sie schreiben hier, dass die EE-Stromerzeugung keine Zukunft hat, da im Vergleich zu den Konventionellen die Kosten höher liegen, und im Gegenzug "jammern" Sie, dass die Großkonzerne vor allem im Erzeugungsbereich hohe Verluste einfahren. Wie passt das zusammen?"
    ***
    Die Verluste im Erzeugungsbereich resultieren aus staatlichen Eingriffen in den Markt - genauer: EE-Vorrangeinspeisung und über 20 Jahre garantierter (hoher) Abnahmepreis. Sie sind doch Unternehmer. Ich weiß nicht, ob Sie Dienstleistungen oder Waren anbieten. Wie würde es Ihrer Branche wohl ergehen, wenn plötzlich der Staat eine Vorang-Abnahmeverspflichtung (die zudem von allen hoch subventioniert wird) für ein Konkurenzprodukt vorschreiben würde... Die verbliebenen Marktteilnehmer würde zunächst über den Preis versuchen, am Markt zu bleiben (vergleichbar mit Strompreissenkung an der Börse), dann beginnt das große Sterben...
    .

    " Ich finde ja Solarenergie auch sehr gut, aber wie kann man ein Milliardenprojekt in die Wüste stellen, ohne die nötigen Stromleitungen erst einmal zu verlegen?"
    ****
    Weil man den Träumereien vom "Zukunftsmarkt" aufgesessen war? Nicht nur E.ON, auch Bosch, Siemens usw. haben Milliardenverluste aus diesem Projekt hinnehmen müssen. Im Übrigen bin ich überrascht, dass ausgerechnet Sie diese Frage stellen - immerhin scheint es doch für Sie kein Problem zu sein, plan- und regelbare Erzeugungsleistung abzuschalten ohne eine anwendbare Lösung für das Speicherproblem von EE-Strom zu haben...
    .

  15. Dirk Kaiser

    vor 5 Jahren

    "Sehen Sie Herr Kaiser, Ihre Überraschung zeigt doch, dass sich die Konventionellen und Erneuerbaren durchaus ergänzen könnten."
    ***
    Meine Überraschung bezog sich darauf, dass sogar Sie erkannt haben, dass man nicht einen Haufen Geld für etwas ausgibt, wo höchst unwahrscheinlich ist, dass es einen entsprechenden Erfolg bringt. Da unterscheidet sich Desertec nicht von der deutschen Energiewende! Nur - bei dem einen haben Sie den Unsinn erkannt, beim anderen bestreiten Sie es vehement...
    Im Übrigen hatte ich bereits mehrfach erwähnt, dass ich EE für eine gute Ergänzung im Energiemix halte - aber unter marktwirtschaftlichen Regeln! Im Wärmemarkt sehe ich für EE sogar noch bessere Möglichkeiten! - Allerdings auch hier: Ohne staatlichen Eingriff in den Markt und hohe Subventionen!
    .
    "Könnte aber auch ein Steuersparmodell zur Gewinnschmälerung sein (Kapitalertragssteuern, Körperschaftssteuern, Verlustvorträge usw.)."
    ***
    Letztlich muss jedes (nicht nur rein soziale) Engagement bei einem gewinnorientierten Unternehmen auch einen Gewinn abwerfen. Auch "Steuersparmodelle" haben nicht das Ziel, Verluste zu erwirtschaften um damit Steuern zu sparen, sondern allenfalls, den zeitlichen Anfall von Gewinnen und damit der Steuerschuld. Man hat falsche Erwartungen über Marktentwicklungen oder den Umfang staatlicher Eingriffe (Subventionspolitik), trifft unglückliche, falsche Entscheidungen aber keine börsennotierte Kapitalgesellschaft verbrennt absichtlich Geld!
    .

  16. Dirk Kaiser

    vor 5 Jahren

    "Nun, sei es darum, die verkorkste Eneergiewende, ..., geht auf Kosten der Erneuerbaren, der Konventionellen, der Arbeitsplätze, sowie auch insbesondere der Privathaushalte"
    ***
    Auf Kosten der Eneergiewende? - Wir haben - allein an EEG-Verbindlichkeiten 800 Mrd Euro an Schulden gemacht, die wir jeweils über 20 Jahre abstottern dürfen, Forschungssubventionen u.a. Marktspritzen nicht mitgerechnet... Wir haben Einspeisevorrang, §12 EEG und weitere Bevorzugungen... Wenn es die Erneuerbaren dennoch nicht vermocht haben, einen entsprechenden Erfolg zu erzielen (CO2 Reduktion, Schließung konventioneller KW), könnte das vielleicht ja auch an der unausgegorenen Technologie liegen.
    .
    "Arbeitsplätze"? - Jede Woche liest man von neuerlichen Pleiten, Schwierigkeiten und Stellenstreichungen in der Erneuerbaren-Branche in Deutschland... und Sie glauben allen Ernstes noch an den "Jobmotor" Erneuerbaren-Industrie? Woher nehmen Sie nur Ihre Ignoranz?
    .

  17. Thomas Pawelzik

    vor 5 Jahren

    Die Energiewende hat begonnen, nur geht ein so riesiges Vorhaben nicht von heute auf morgen! Inzwischen stammen 27 % des Stroms aus erneuerbaren Energien (Stuttgarter Zeitung), das sind nochmal 4 % mehr als vor einem Jahr.
    Ein anderes Indiz für die Umstellung auf erneuerbare Energieen: Der Energieversorger RWE ist nicht zuletzt wegen der Energiewende in den roten Zahlen. Kohlekraftwerke rechnen sich z.T. nicht mehr...
    Als Verbraucher habe ich entschieden, die Energiewende zu unterstützen, andrerseits nichts zu überstürzen. Die ENBW (Baden-Württemberg) bietet Ökotarife für Strom an, die inzwischen zu 100% aus EE bestehen, die kosten allerdings auch mehr als der normale Strommix. Außerdem gibt es Gastarife mit z.B. 10% Biogas. Mein eigener Energiemix ist so ein Zwischending, das einerseits die Energiewende unterstützt, andrerseits natürliche auch meinen Geldbeutel nicht überstrapaziert. Da heute auf dem Strommarkt vieles online geht, war dieser Komproniss ohne allzu großen Aufwand und Papierkram möglich.

    2 0

Ich akzeptiere die Kommentarrichtlinien sowie die Datenschutzbestimmungen* *Pflichtfelder

Artikel bewerten und teilen

Ein Hybridmarkt für private Stromkunden
5
4