Abfallverwertung und Recycling in den Niederlanden

Energie-Reporterin Christina Wegner

Christina Wegner

Energie-Reporterin

Christina Wegner berichtet für uns aus den Niederlanden zu den Themen Klimawandel, Landwirtschaft und Urbanisierung. Dabei gibt sie Einblick in die geografischen, wirtschaftlichen und sozialen Besonderheiten des Landes.

weiterlesen
30. Oktober 2018
Weltkarte mit Hotspot auf den Niederlanden
Natur bei Maastricht
In den Niederlanden motiviert eine "Abfallsteuer" zur Mülltrennung

Foto: Stiftung / Christina Wegner

Beitrag vom 30. Oktober 2018

Im Frühling 2018 habe ich drei Monate lang in Maastricht gewohnt und mich dort schnell an das Leben dort gewöhnt, da mein Leben dort viele Gemeinsamkeiten zum Leben in Deutschland aufwies. In Bezug auf Recycling und Müllverwertung sind sich diese beiden Länder sehr ähnlich. Auch in den Niederlanden wird Plastik-, Altpapier- und Glasmüll getrennt.

In Maastricht kann dieser Müll an „milieuperrons“ (Umweltplattformen) kostenlos entsorgt werden und zusätzlich wird der restliche Hausmüll in rotweißen, speziell gekennzeichneten „Restafval“-Tüten wöchentlich abgeholt. Der hohe Preis dieser Restmüll-Tüten finanzierte die Abfallentsorgung und die volumenbezogene „Abfallsteuer“ motiviert Bürger ihren Müll besser zu trennen und zu reduzieren. Ähnlich wie in Deutschland gibt es auch in den Niederlanden ein Pfandsystem, das auf PET-Flaschen mit einem Mindestvolumen von einem Liter angewendet wird.

Ladder van Lansink
"Ladder van Lansink": Standardisierung von Prozessen der Abfallentsorgung

Grafik: Stiftung / Christina Wegner

Im Jahr 2016 fiel pro Einwohner in den Niederlanden ca. 520kg Müll im Haushalt an, in Deutschland 627kg. Damit liegen beide Länder deutlich über dem EU-Durchschnitt von 428kg pro EU-Bürger. Von diesen riesigen Müllbergen werden dennoch ein Großteil wiederverwertet. In den Niederlanden werden seit vielen Jahren 78% des Haushaltsmülls recycelt, 19% verbrannt und nur 3% auf Mülldeponien gelagert (EU Durchschnitt bei aktuell 40%) . Im Jahr 1985 lag dieser letzte Wert in den Niederlanden bei 35% und das Ministerium für Wasser-Management und Infrastruktur hat die Reduzierung der Menge an Deponiemüll mit den 5 folgenden Richtlinien geändert:

  • „Order of preference“: In der Abfallentsorgung gibt es eine Hierarchie, die „Ladder van Lansink“. Dies ist eine 1979 von dem Politiker Lansink vorgestellte Abfallhierarchie, die den Umgang mit Abfall standardisiert.

Dies bedeutet, dass zuerst versucht wird, die Menge des Abfalles zu reduzieren, dann den anfallenden Müll erneut zu benutzen oder danach in Recycling Prozessen wiederzuverwerten. Restlicher Müll soll energetisch in z.B. Müllverbrennungsanlagen verwendet werden und nur als letzte Ausweichmöglichkeit auf Mülldeponien gelagert werden.

  • „Stringent waste treatment standards“: Die hohen Standards an die Abfallentsorgung schützen die Umwelt und sichern die hohe Luftqualität.
  • „Planning at national level (in close cooperation with local governments)”: Die Koordination der Abfallentsorgung muss durch engen Kontakt mit Land, Bezirk und Kommunen abgestimmt werden. Nur so können Strategien wirksam umgesetzt werden.
  • „Extended reproducer responsability“: Hersteller und Importeure von Produkten sollen dazu angeregt werden, Verantwortung für den gesamten Lebenszyklus inklusive Entsorgung und Verwertung ihrer Produkte zu nehmen. Dies kann freiwillig oder gesetzlich durch Abgabesteuer für z.B. Sondermüll erfolgen.
  • „Use of various instruments to stimulate prevention and recycling“: Hierzu gehören die Besteuerung von Hausmüll nach Volumen, Mülltrennung nach organischem Abfall, Altpapier, Plastik und Glas und Kommunikation mit der Bevölkerung.

All diese Maßnahmen tragen dazu bei, dass das Stadtbild von Maastricht und von dem Rest der Niederlande sauber und ordentlich wirkt und die Natur nur zugemüllt wahrgenommen wird.

Damit beende ich diesen Textbeitrag und bedanke mich, dass ihr euch für die Abfallverwertung in den Niederlanden interessiert habt.

Tot kijk,
Christina Wegner

Lebensmittel retten mit der Foodbank

Beitrag vom 04.10.2018

Rund ein Drittel aller weltweit hergestellten Lebensmittel landen ungenutzt im Müll. In den Niederlanden werden laut unserer Energie-Reporterin Tina Wegner jährlich 2.000.000 t an Lebensmitteln weggeworfen. Wenn man die Energie berechnet, die für die Erzeugung dieser durchschnittlich 41 kg ( in  den Niederlanden) Lebensmittel pro Einwohner aufgewendet wird, kommt man auf etwa 500kWh. In Deutschland liegt dieser Wert sogar doppelt so hoch.

Tina Wegner hat sich während ihres Auslandssemesters in den Niederlanden mit einem Vertreter der FoodBank Initiative getroffen und zeigt uns in ihrem aktuellen Video, wie dieses Projekt gegen die Verschwendung von Lebensmitteln vorgeht.

Energiemix in den Niederlanden: Windräder und die Niederlande gehören zusammen

Beitrag vom 28. September 2018

Windmühlen sind eines der bekanntesten Symbole der Niederlande. Sie zeigen, dass die Niederländer schon sehr lange die Windkraft für sich nutzen. Energie-Reporterin Tina Wegner hat sich in ihrem Video damit beschäftigt, wie sich der Energiemix der Niederlande zusammensetzt und welche Rolle die Windenergie darin spielt.

Aktuell wird noch ein Großteil der Energie in den Niederlanden aus Erdgas gewonnen. Da jedoch die Erdgasvorräte des Landes absehbar zur Neige gehen, plant das Land in den nächsten Jahren einen Ausbau der Windkraft. Aber auch die Energiegewinnung aus Biomasse kann in ihrer Bedeutung steigen.

„Mehr Fahrräder als Einwohner“ - Mobilität in den Niederlanden

Abgestellte Fahrräder an der Vredenburg Straße in Utrecht
In den Niederlanden gibt es mehr Fahrräder als Einwohner

Foto: Christina Wegner / Stiftung

Beitrag vom 20. Juli 2018

Energie-Reporterin Christina Wegner begrüßt uns in ihrem dritten Video von der Vredenburg-Straße in Utrecht. Sie ist mit 32.000 Fahrradfahrern täglich die meistgenutzte Fahrradstraße der Niederlande. Insgesamt wird das Fahrrad deutlich häufiger benutzt als in Deutschland. Dies liegt vermutlich auch an den insgesamt 35.000 km vom motorisierten Verkehr abgegrenzten Radwegen, was für deutlich mehr Sicherheit für die Radfahrer und einen besseren Verkehrsfluss auf niederländischen Straßen sorgt.

Auch in Sachen Elektromobilität sind uns die Niederländer weit voraus. Dort gibt es doppelt so viele E-Autos wie in Deutschland.

Außerdem wirft Christina Wegner noch einen Blick auf den Zugverkehr und das kundenfreundliche Tarifsystem, welches viele Leute motiviert, für längere Strecken auf den Zug umzusteigen.

Land unter dem Meeresspiegel: Christina Wegner berichtet aus den Niederlanden

Der Klimawandel und der damit verbundene Anstieg des Meeresspiegels bedrohen große Flächen des Landes.

-

Beitrag vom 22. Juni 2018

Rund ein Viertel der Niederlande liegen schon heute unterhalb des Meeresspiegels. Der Klimawandel und der damit verbundene Anstieg des Meeresspiegels bedrohen große Flächen des Landes.

Christina Wegner ist ab sofort für uns als Energie-Reporterin vor Ort unterwegs. Im Rahmen ihres Masterstudiums im Bereich Verfahrenstechnik arbeitet sie in einem Unternehmen in Maastricht daran, die Fleischherstellung zu revolutionieren.

In ihrem ersten Video gibt sie uns einen Einblick in wirtschaftliche und soziale Besonderheiten des Landes. Dabei sind ihr vor allem die hohe Siedlungsdichte, die damit verbundene Urbanisierung und die Landwirtschaft besonders aufgefallen. Käse, Blumen (vor allem Tulpen) und Tomaten aus den Niederlanden sind für jeden ein Begriff und machen die Niederlande noch immer zu einem der größten Exporteure von Agrarprodukten weltweit.

Das zweite Video behandelt die Besonderheiten der geographischen Lage und zeigt, wie diese genutzt wird. Dabei geht es vor allem um die großen Landesteile, die sich auf der Höhe des Meeresspiegels befinden oder sogar schon leicht darunter. Dort hat sich Christina Wegner die landwirtschaftliche Produktion von Tulpen genauer angeschaut, die als Spekulationsobjekt in den dreißiger Jahren des 17. Jahrhunderts für die weltweit erste gut dokumentierte Finanzblase der Geschichte gesorgt haben.

Diskutieren Sie mit

  1. Quayle

    vor 4 Monaten

    "Auch in Sachen Elektromobilität sind uns die Niederländer weit voraus. Dort gibt es doppelt so viele E-Autos wie in Deutschland, was dort einen Anteil von etwa zehn Prozent aller PKW ausmacht."

    Diese Aussage sollten Sie nochmals überdenken.
    Die Niederlande haben einen Pkw-Bestand von >8 Mio. Der Anteil an Elektro-Pkw beträgt wohl um die 120.000 hiervon.
    Das ist deutlich unter den von Ihnen genannten 10% .

  2. Hubertus Grass

    vor 4 Monaten

    Herzlichen Dank für Ihren Kommentar. Sie haben Recht - wir haben den Fehler korrigiert.

    0 0
  3. Christina Wegner

    vor 2 Wochen

    Das wollte ich noch aufklären.

    10% der neu zugelassenen Autos in den NL sind Elektroautos und Plug-in-Hybrid-Fahrzeuge und liegen damit dem deutschen Konsumentenmarkt weit voraus (http://www.manager-magazin.de/politik/europa/elektromobilitaet-so-setzt-der-elektroauto-boom-hollands-fiskus-zu-a-1072200.html). Das habe ich in meinem Video nicht ganz deutlich ausgedrückt, da ich einen Satz zuvor von der Wahl des Neuwagens gesprochen habe und danach direkt vom Marktanteil von 10% an Elektroautos.

Ich akzeptiere die Kommentarrichtlinien sowie die Datenschutzbestimmungen* *Pflichtfelder

Artikel bewerten und teilen

Abfallverwertung und Recycling in den Niederlanden
3
2