Weltklimakonferenz in Paris: „Wir brauchen ein konkretes Ergebnis“

Gastautor Portrait

Kai Decker

EnBW

Nach dem Studium der Wirtschaftswisschenschaften bekleidete Kai Decker unterschiedliche Positionen im Bereich Marketing und Kommunikation eines großen deutschen Medienhauses. Seit 2010 ist er Teil des Teams der EnBW-Unternehmenskommunikation. Bis 2016 war er im Rahmen der Blog-Redaktion für die Etablierung und Weiterentwicklung des Energiewendblogs verantwortlich.

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04. Dezember 2015
EnBW - Stiftung im Steigenberger Hotel Zeppelin "Klimaschutz weltweit: Der lange Weg nach Paris" 150917_wl_enbw_#### Foto: copyright Wolfgang List - 17.09.2015 Mobil 0172-7107756 Veröffentlichung nur mit "Foto Wolfgang List" als Bildunterschrift und Zusendung eines Belegexemplares

Anlässlich der Weltklimakonferenz in Paris hat die Redaktion des Energiewende-Blogs ein Kurzinterview mit dem Sprecher des Vorstands der Stiftung Energie- und Klimaschutz Baden-Württemberg, Holger Schäfer geführt.

Stiftung Energie und Klimaschutz, EnergiewendeDie 2007 von der EnBW ins Leben gerufene Stiftung hat sich zum Ziel gesetzt, den Klimaschutz voranzubringen und beleuchtet die Zusammenhänge zwischen Energiewirtschaft und Klimaschutz. Hierzu führt die Stiftung eine Vielzahl von Projekten durch. Hierzu gehört z.B. der Energie-Campus zur Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses, oder die Energie-Reporter, das sind Studierende, die sich im Rahmen ihres Auslandsstudiums mit Themen rund um Klimaschutz, erneuerbare Energien und Energiewirtschaft befassen und darüber multimedial berichten. Ein fester Bestandteil der Stiftungstätigkeit sind die Debattenabende zu aktuellen energie- und klimapolitischen Themen.

DEZ: Die Stiftung hat bereits im September einen Debattenabend zur Weltklimakonferenz in Paris veranstaltet. Was waren für Sie die wichtigsten Erkenntnisse aus der Diskussion?
Schäfer: Es hat sich bestätigt, dass es in Paris um einiges geht; dass es höchste Eisenbahn ist, ein weltweites Abkommen für den Klimaschutz abzuschließen. Allerdings wurde uns auch nochmals deutlich ins Bewusstsein gerufen, wie schwierig es ist, internationale Einigungen zu erzielen. Wir sollten uns aber nicht davon entmutigen lassen, wenn z.B. auf EU-Ebene CO2-Minderungsziele abgesenkt werden, um eine Einigung zu erzielen. Denn letztlich ist ein kleiner Fortschritt vielleicht noch nicht genug, aber allemal besser als gar keiner. Das war ein wichtiger Punkt, den wir aus der Debatte mitnehmen konnten. Positiv hingegen stimmt, dass es auch in anderen Ländern Anstrengungen zum Klimaschutz gibt – und manche sind uns da durchaus voraus. Mit unserer Energiewende – auch wenn sie in der Umsetzung manchmal holpert – haben wir auf jeden Fall etwas geschaffen, auf das andere Länder mit großem Interesse schauen. Da müssen wir dranbleiben.

Wegweiser Weltklimakonferenz Paris
Quelle: Fotolia

DEZ: Was erwarten und erhoffen Sie sich als Stiftung Energie- und Klimaschutz BW von der Weltklimakonferenz in Paris?
Schäfer: Ich glaube das, was sich die meisten erhoffen: diesmal ein Ergebnis. Schließlich geht es um das Weltklima. Nennen Sie mich einen hoffnungslosen Optimisten, aber ich bin sehr zuversichtlich, dass am Abschluss der Weltklimakonferenz ein verbindliches Abkommen stehen wird. Ob Überflutungen in den USA, Versteppung afrikanischer Ackerböden, Gletscherrückgang in den Alpen oder Smog in nie gekanntem Ausmaß in den chinesischen Städten – der Handlungsdruck ist da. Und die die große Mehrheit der Staaten hat schon vor Beginn der aktuellen Verhandlungen Verpflichtungen abgegeben. Damit werden wir die Erderwärmung sicher nicht stoppen können, aber wie gesagt – es ist ein Schritt in die richtige Richtung.

DEZ: Wie können Sie Ergebnisse der Weltklimakonferenz in Ihre tägliche Arbeit mit aufnehmen?
Schäfer: Zweck unserer Stiftung ist die Förderung des Klimaschutzes – das führen wir ja schon im Namen. Wir setzen dabei sehr stark auf Information und Diskussion aus verschiedensten Perspektiven. Bei unseren Debattenabenden bitten wir Vertreterinnen und Vertreter aus Forschung, NGOs, aus Politik und aus der Industrie aufs Podium und diskutieren mit ihnen und unseren Gästen. Dabei geht es nicht darum, DIE Lösung zu finden, sondern möglichst viele Sichtweisen konstruktiv zusammenzubringen. Von der Weltklimakonferenz erhoffe ich mir für unsere weitere Arbeit positive Impulse und auch Aufmerksamkeit. Der Gipfel holt das Thema Klimaschutz wieder ins Scheinwerferlicht – das ist für eine Stiftung, die sich dem Klimaschutz verschrieben hat, sicher hilfreich. Natürlich werden wir die Umsetzung der Ergebnisse aus der Pariser Konferenz weiter mit unserer Arbeit begleiten.

Foto: Wolfgang List

DEZ: Welche Rolle spielt die Energiewende für den Klimaschutz?
Schäfer: Eine große Rolle. Die deutsche Energiewende zeigt, dass sich ein hoch industrialisiertes Land mit dem Umbau des Energiesystems auseinandersetzt. Andere schauen auf Deutschland und wir sind durchaus Vorbild – im Guten wie auch im Schlechten. Wenn es uns gelingt, die Energiewende nicht nur technisch sondern auch wirtschaftlich sinnvoll umzusetzen, können wir – davon bin ich überzeugt – als positives Vorbild viele weitere Staaten motivieren, die dann auch von unserer Lernkurve profitieren.

DEZ: Angelehnt an unsere aktuelle Umfrage hier im Energiewende-Blog:  Denken Sie, dass beim Weltklimagipfel eine verbindliche Fixierung des 2°-Ziels erreicht wird?
Schäfer: Es macht Mut, dass sich erstmals alle wichtigen Emissionsländer, auch China und die USA, bereits vor Beginn des Gipfels zu konkreten Schritten verpflichtet und dies nochmals gleich am Montag zu Beginn des Gipfels bekräftigt haben. Ich bin daher sehr zuversichtlich, dass dieses Mal etwas Substanzielles erreicht wird.

DEZ: Wie werden Sie den Klimagipfel verfolgen?
Schäfer: Auf allen Kanälen – auch in ihrem Blog – und (fast) rund um die Uhr: Immerhin wird in Paris darüber verhandelt, wie unsere Zukunft ansieht.

Wir bedanken uns für das Gespräch.

Foto: Wolfgang List

Zur Person:
Holger Schäfer ist seit 2014 Sprecher des Vorstands der Stiftung Energie & Klimaschutz Baden-Württemberg. 2001 wechselte er aus der Beratung zur EnBW, übernahm anschließend unterschiedliche Funktionen im EnBW-Konzern und leitet heute die Abteilung Politik Baden-Württemberg und Grundsatzfragen. Holger Schäfer hat Germanistik, Soziologie und Politik in Deutschland und England studiert.

 

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  1. Ayhan S.

    vor 3 Jahren

    Nach meinem Dahinhalten gehört eine Verabschiedung von Sanktionen zur Reduktion von Warenzufuhr aus den Billig-Lohn-Ländern welche keine Umweltauflagen kennen genauso dazu. Damit verbunden muss die Förderung von bezahlbarer Ware aus den Region, welche den Klimaschutz auf ihrer Agenda haben, gesetzlich verankert werden.... Motivator!

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