Wasserstoff – die Potentiale für morgen schon heute nutzbar machen

Gastautor Portrait

Carsten Müller MdB

Mitglied des Deutschen Bundestages, Ehrenamtlicher Vorsitzender der Deutschen Unternehmensinitiative Energieeffizienz e.V. (DENEFF)

Carsten Müller, geboren 1970, ist ausgebildeter Bankkaufmann und studierte Rechtwissenschaften in Göttingen, wo er 1998 sein erstes und 2001 sein zweites Staatsexamen absolvierte. Er war von 2005 bis 2009 Mitglied des Deutschen Bundestags und gehört seit 2013 erneut dem Deutschen Bundestag an. Er ist ordentliches Mitglied im Ausschuss für Wirtschaft und Energie, im Ausschuss für Recht und Verbraucherschutz sowie im Ausschuss für Wahlprüfung, Immunität und Geschäftsordnung. Carsten Müller ist ehrenamtlicher Vorsitzender der Deutschen Unternehmensinitiative Energieeffizienz e. V. (DENEFF).

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19. Februar 2020

Dem Wasserstoff wird in der Energiewelt von morgen eine ganz zentrale Rolle zukommen. Für Industrie und Verkehr eröffnen sich dabei enorme Potentiale. Wir müssen jetzt die Weichen stellen, um diese Potentiale zu nutzen. Mit der Nationalen Wasserstoffstrategie hat die Bundesregierung hierfür eine gute Diskussionsgrundlage vorgelegt.

Enormes Potential von Wasserstoff als Allround-Talent

Wasserstoff als Kraftstoff in reichweitenstarken automobilen Brennstoffzellensystemen kann ein zentraler Antrieb der individuellen Mobilität der Zukunft werden.

Carsten Müller, MdB

Auch in meinem Wahlkreis Braunschweig ist es bald soweit: in der Hamburger Straße wird die erste Wasserstofftankstelle der Stadt in Betrieb gehen. Sie wird dann eine von 83 Wasserstofftankstellen in Deutschland sein. Bis Ende des Jahres kommen noch viele weitere dazu. In nur drei Minuten können Wasserstoffautos an diesen Tankstellen für eine Reichweite von über 500 Kilometern mit dem emissionsfreien Treibstoff betankt werden – ein erheblicher Vorteil gegenüber reinen Elektroautos. Wasserstoff als Kraftstoff in reichweitenstarken automobilen Brennstoffzellensystemen kann ein zentraler Antrieb der individuellen Mobilität der Zukunft werden.

Aber vor allem in anderen Bereichen birgt Wasserstoff enormes Potential: In der Stahl- und Kupferproduktion kann Wasserstoff die klassischen Kohlehochöfen ersetzen und so klimaneutrale Stahlerzeugung ermöglichen. In der chemischen Industrie kann er als alternativer Energieträger verwendet werden und die bei herkömmlicher Produktion anfallenden CO2-Emissionen senken. Klimafreundlich erzeugter Wasserstoff kann zudem in Raffinerien zum Entfernen von Schwefel aus Mineralölprodukten eingesetzt werden. Über den Verkehrs- und Industriesektor hinaus bietet Wasserstoff als Speicher von Energie aus Wind- und Solarenergie das Potential, den Strommarkt zu stabilisieren und in alle Regionen transportabel zu sein. Diese Speicherfunktion ermöglicht auch den sicheren Import von klimaschonenden Energieträgern aus entfernten Regionen.

Investition in Förderungen und Forschung

Die genannten Beispiele zeigen: Wasserstoff hat das Zeug zu einem wahren Allround-Talent und bietet enorme Potentiale. Und dessen ist sich die Bundesregierung bewusst: Mit der Industrieinitiative H2-Mobility, die bis 2023 400 Wasserstofftankstellen im gesamten Bundesgebiet installiert, und dem Nationalen Innovationsprogramm Wasserstoff- und Brennstoffzellentechnologie (NIP II) werden die Grundlagen geschaffen, um wasserstoffbasierte Mobilität wettbewerbsfähig zu machen. Schon heute ist Deutschland beim Aufbau einer Wasserstoffinfrastruktur im Individualverkehr weltweit ganz vorne dabei. Deutsche Unternehmen und deutsche Forschung gehören bei Wasserstofftechnologien zur Weltspitze. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) investiert hier schon seit Jahren in die Förderung innovativer Ansätze zu Produktion, Transport und Nutzung von Wasserstoff. Im neuen Klimapaket werden dafür bis 2023 noch einmal 300 Millionen Euro zur Verfügung gestellt.

Nationale Wasserstoffstrategie als solides Fundament

Nur CO2-freier »grüner Wasserstoff«, der auf Basis erneuerbarer Energien hergestellt wurde, ist auch auf Dauer nachhaltig.

Carsten Müller, MdB

Mit der Nationalen Wasserstoffstrategie hat die Bundesregierung jetzt eine gute Diskussionsgrundlage vorgelegt, um Wasserstofftechnologien zum Markthochlauf zu bringen. Sie betont richtigerweise die Vorreiterrolle, die die Industrie dabei einnehmen kann. Wir können hier aber mit Sicherheit noch nachjustieren. Denn die Strategie stellt ganz richtig fest: nur CO2-freier „grüner Wasserstoff“, der auf Basis erneuerbarer Energien hergestellt wurde, ist auch auf Dauer nachhaltig. Unsere Ambitionen beim Ausbau der Erneuerbaren dürfen daher nicht nachlassen. Gleichzeitig müssen wir unsere Anstrengungen im Bereich der Energieeffizienz noch weiter intensivieren, da jede eingesparte Kilowattstunde Strom auch mehr Kapazität für die elektrolysebasierte Produktion von Wasserstoff bedeutet. Nur wenn uns eine wettbewerbsfähige Produktion grünen Wasserstoffs gelingt, ist das Potential von Wasserstofftechnologien für Industrie und Verkehr auch wirklich nachhaltig nutzbar.

Nicht ohne Grund gilt Wasserstoff häufig als das „Öl der Zukunft“. Mit einer ambitionierten Strategie können wir dieses Potential ausschöpfen und die damit verbundenen Technologien zur vollen Entfaltung bringen. In den nächsten Wochen und Monaten können wir, ausgehend von dem soliden Fundament der Nationalen Wasserstoffstrategie, hierfür die Grundlagen schaffen. Nutzen wir diese Chance!

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    Markus Heiier

    vor 3 Wochen

    Haette gerne einen RR unter 0171 2102112 Gruss Markus Heller Es geht um definitiv 100 prozentigen rein oekul[gischen Wasserstoffproduktion ! Patent liegt uns vor ! Gruss aus dem Oberbergischen !

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