War watt? Die Energiewende 2015

Gastautor Portrait

Hubertus Grass

Kolumnist

Nach Studium, politischem Engagement und Berufseinstieg in Aachen zog es Hubertus Grass nach Sachsen. Beruflich war er tätig als Landesgeschäftsführer von Bündnis 90/Die Grünen, Prokurist der Unternehmensberatung Bridges und Leiter der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit beim Deutschen Evangelischen Kirchentag in Dresden. Seit 2011 ist er als Unternehmensberater freiberuflich tätig.

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15. Januar 2015

Seit 1990 steigt der Meeresspiegel um bis zu drei Millimeter pro Jahr. Zu diesem Ergebnis kommt eine neue Studie der Harvard-University in Cambridge. In den 90 Jahren zuvor war der Anstieg geringer als bisher angenommen, 1,2 statt 1,6 bis 1,9 Millimeter pro Jahr. Hinter uns liegt das wärmste Jahr seit Beginn der Wetteraufzeichnungen – in Deutschland und weltweit. Die Erneuerbaren Energien liegen bei der Stromerzeugung in Deutschland eindeutig auf Platz 1 und deckten im letzten Jahr 27,3 Prozent des Stromverbrauchs ab. Was bedeuten diese Nachrichten für die Energiewende 2015?

Die wissenschaftlichen Hinweise, dass sich der anthropogene Klimawandel beschleunigt und die Folgen die Menschheit schneller und härter treffen wird, verdichten sich. Die Konsequenz kann nur heißen: Wir müssen die Anstrengungen, die Energiewende zu gestalten, intensivieren.

Bundeswirtschafts- und Energieminister Sigmar Gabriel hat sich für 2015 einiges vorgenommen. Geplant sind

  • Die Pilotauktionen bei den Erneuerbaren und ein erster Erfahrungsbericht dazu.
  • Die Diskussion des Grünbuchs Strommarktdesign und daraus entwickelt das Weißbuch.
  • Die Erarbeitung einer ganzheitlichen Gebäudestrategie.
  • Die Verabschiedung des Netzentwicklungsplans.
  • Die Novelle der Anreizregulierung der Energieversorgungsnetze.

Schon 2014 war ein Jahr, in dem die deutschen Treibhausgasemissionen deutlich gesunken sind. Wenn das Wetter mit spielt, könnte die Energiewende 2015 noch einmal zu einer Absenkung der CO2-Emissionen führen, denn seit dem 1. Januar sind Investitionen in die energetische Sanierung der Gebäude steuerlich absetzbar. Darüber, was sich sonst noch in Gesetzen und Verordnungen der Energie- und Klimapolitik in 2015 ändert, informieren gut und ausführlich wie immer die Klimaretter.

Ende des Jahres wird die Weltklimakonferenz in Paris stattfinden. Kommt es zu einem neuen, dieses Mal globalen Klimavertrag in Nachfolge der Vereinbarung von Kioto? Die Bundeskanzlerin hat in ihrer Neujahrsansprache dazu ein Versprechen abgelegt: „Im Rahmen der deutschen G-7-Präsidentschaft will ich mich dafür in den nächsten Monaten mit aller Kraft einsetzen“, sagte Angela Merkel in ihrer Neujahrsansprache (Ab 6:30 hier im Video).
https://www.youtube.com/watch?v=mvjcC2-LDeY&t=6m31s

Und die Energiewende 2015 wird begleitet vom Thema Entwicklungshilfe, denn 2015 ist das europäische Jahr der Entwicklungshilfe. Es steht unter dem passenden Motto „Unsere Welt, unsere Würde, unsere Zukunft“.

„Obwohl die Industrienationen für den Großteil der anthropogenen Treibhausgasemissionen und die dadurch hervorgerufenen schädlichen Klimaveränderungen verantwortlich sind, werden die Entwicklungsländer die größten Kosten für den Klimawandel tragen müssen. Die globale Erwärmung stellt damit eine ernsthafte Bedrohung für die sich entwickelnde Welt und einen gravierenden Rückschlag für die weltweiten Bemühungen zur Bekämpfung der Armut dar.“  (Bildungsserver)

Wenn wir wieder einmal über die Kosten der Energiewende 2015 streiten und die Bremser der Entwicklung darauf verweisen, dass die Energiewende die Zunahme weiteren Wohlstands begrenzt, sollten wir vielleicht in diesem Jahr einen Moment innehalten. Wir sollten dann an die denken, die durch die Folgen des Klimawandels (den wir in den Industrienationen fast allein verursacht haben) viel stärker betroffen sind als wir. Sicher – die Energiewende 2015 muss mit Realismus und Augenmaß weiter entwickelt werden. Ein Realismus, der an den deutschen oder europäischen Grenzen halt macht, ist unrealistisch und unverantwortlich. Ein Königsberger Philosoph hatte darauf vor mehr als 200 Jahren hingewiesen und ethisch schon damals der deutschen Energiewende 2015 den Weg geebnet.

Redaktion und Moderation des Energiewendeblogs Dialog-Energie-Zukunft wünschen unseren Leserinnen und Lesern und auch der Energiewende 2015 noch ein gutes neues Jahr.

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