Eine Transformation würde die Klimakrise dämpfen und ein besseres Leben ermöglichen

Gastautor Portrait

Özden Terli

Dipl-Meteorologe, Redakteur und Moderator der ZDF-Wetterredaktion

Özden Terli (geboren 1971 in Köln) verfasste bereits während seines Meteorologiestudiums Wetterberichte für Fernsehen, Zeitung, Radio und Internet. Input für seine kreativen Wettersendungen holte er sich u.a. bei seiner Diplomarbeit am Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung. Dem breiten Publikum wurde er ab 2009 als Moderator für wetter.com bekannt. Seit 2013 präsentiert er als Mitglied der Wetterredaktion des ZDF die Wetterberichte im „ZDF-Mittagsmagazin“, dem „heute-journal“ und in den ZDF-„heute“-Nachrichten und schreibt Artikel für heute.de mit Schwerpunkt Wetter und Klima. Bild Copyright: ZDF/Rico Rossiva

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24. Januar 2019
Wolkenformationen hinter Bergspitze

Wenn das Wetter politisch wird – Einladung zum Debatten-Abend

Am 20. Februar findet unser nächster Debatten-Abend in Stuttgart statt. Eine hochkarätige Expertenrunde wird sich mit den Klimaveränderungen, den Auswirkungen auf uns in Deutschland und möglichen Anpassungsmaßnahmen beschäftigen. Wie immer wird es beim Debatten-Abend auch Gelegenheit geben, aus dem Publikum heraus mit den Experten zu diskutieren.

Wir hatten vorab Gelegenheit, mit Özden Terli ein Interview zu führen. Der Meteorologe, Redakteur und Moderator der ZDF-Wetterredaktion präsentiert seit 2013 die Wetterberichte im „ZDF-Mittagsmagazin“, dem „heute-journal“ und in den ZDF-„heute“-Nachrichten und schreibt Artikel für heute.de mit Schwerpunkt Wetter und Klima.

Stiftung Energie & Klimaschutz: Herr Terli, früher ging es nur um Vorhersagen. Bei Ihnen wie auch bei anderen Wettersendungen spielen zunehmend die Zusammenhänge von Wetter und Klima eine Rolle. Wie kommt das bei den Zuschauerinnen und Zuschauern an?

Özden Terli: Ich gehe mal davon aus, dass es gut ankommt. Genau weiß ich das natürlich nicht. Zumindest auf Social-Media bekomme ich oft Zuspruch und auch im realen Leben, wenn ich mich mit Kollegen oder Wissenschaftlern treffe. Aber auch Zuschauerreaktionen sind in der Mehrzahl positiv, von wenigen Ausnahmen mal abgesehen.

Meinungen gegen Fakten im Auftrag der fossilen Industrie

Die ethische Frage ist: Was hinterlassen wir unseren Kindern?

Özden Terli

Stiftung: Selbst das Wetter wird politisch. Im Internet und in den sozialen Medien werden Sie persönlich in oft Hass erfüllten Ton angegriffen. Wie gehen Sie mit diesen Anfeindungen um? Beeinflussen solche Angriffe Ihre Arbeit und Ihr Lebensgefühl?

Terli: Nein, ich lerne daraus. Ich vertrete ja nicht meine Meinung, es sind Fakten. Hinter den Diskussionen mit Klimaleugnern ist keine Substanz und das zeigt sich immer wieder. Es sind manchmal extreme Meinungen, aber wenn man nicht versucht dahinter zu schauen, lernt man auch nicht wie die Denke ist. Mein Fazit bisher ist: Klimaleugner haben nie recht, weil sie gegen Fakten ihre Meinung äußern. Das kann nicht funktionieren. Aber dahinter stecken ja schon seit über 35 Jahren handfeste Interessen der fossilen Industrie. Abgesehen davon, dass die Argumente der Klimaleugner Jahrzehnte alt sind und genau von dieser Industrie verbreitet wurden. Das wissen die meisten Klimaleugner nicht mal.

Dass das Wetter politisch wird, hat eine seltsame Dimension erreicht. Was sollte der wissenschaftlich ausgebildete Meteorologe sonst tun, außer seine Expertise mit Fakten aus der Forschung in Verbindung zu bringen? Meteorologie ist eine Wissenschaft und Wettervorhersage ein Teil davon, die kann man nicht von der Wissenschaft abkoppeln und sein eigenes Ding drehen. Wenn man dafür angefeindet wird, weil man Temperaturabweichungen zeigt, die Erwärmung über Dekaden darstellt, läuft etwas grundsätzlich schief. Das ist genauso mein Job, die Menschen vor großen Schneemassen zu warnen und selbstverständlich, wenn es wissenschaftlich geboten ist, den wissenschaftlichen Hintergrund und das Große und Ganze zu erklären.

Wie fühlt man sich als Rufer in der Wüste?

Klimawandel und Meteorologie

Özden Terli, Dipl-Meteorologe, Redakteur und Moderator der ZDF-Wetterredaktion Copyright: ZDF/Rico Rossiva

Stiftung: Meteorologen und Klimawissenschaftler erklären der Öffentlichkeit seit vielen Jahren mit großem Gleichmut den Einfluss, den Treibhausgasemissionen auf das Klima haben. Prof. Schellnhuber vom PIK in Potsdam hat als langjähriger Berater sogar direkten Zugang zur Kanzlerin. Dennoch hat man den Eindruck: Kaum jemand nimmt die Warnungen der Wissenschaft ernst. Die Treibhausgasemissionen in Deutschland bleiben auf konstant hohen Niveau. Weltweit steigen sie. Wie fühlt man sich als Rufer in der Wüste, der die entscheidenden Personenkreise offenbar nicht erreicht?

Terli: Tja…, das ist eine gute Frage. Die Erkenntnisse sind bereits ausreichend, die Lösungen sind da und trotzdem passiert nichts. Solange die Treibhausgase nicht deutlich abnehmen, haben wir nichts erreicht. Dafür müssten wir überhaupt mal mit dem Reduzieren beginnen. Aber, wie Sie es sagen, die Emissionen nehmen weltweit zu, die Auswirkungen der Klimakrise werden sichtbarer und das in einem rasanten Tempo. Das beunruhigt mich sehr und macht mich ratlos.

Dabei würde die Transformation der Gesellschaft hin zu regenerativen Energien die Klimakrise dämpfen, und auf lange Sicht ein besseres Leben, zu sauberer Luft und einem besseren Auskommen mit der Natur ermöglichen. Unser Leben kann sich nur in dem Rahmen abspielen, der uns von unserer endlichen Erde vorgegeben wird. Überschreiten wir diesen dauerhaft, gibt es Konsequenzen. Zu warten, bis die Natur diese Vorgaben macht, ist eine denkbar schlechte Idee. Die Natur ist erbarmungslos. Die ethische Frage ist: Was hinterlassen wir unseren Kindern? Die Frage dieser Kinder wird wiederum sein, „warum habt ihr nicht reagiert?“ – Diese Frage werden wir beantworten müssen.

Stiftung: Herr Terli, haben Sie herzlichen Dank.

Interessiert am nächsten Debattenabend?

Wie immer haben wir einige Plätze bei unserem Debatten-Abend „Klima“ für die Besucherinnen und Besucher unserer Plattform reserviert.

So können Sie teilnehmen: Bitte schreiben Sie uns bis zum 11. Februar eine E-Mail mit dem Betreff „Debatten-Abend“ an: anmeldung@energie-klimaschutz.de

Ergänzende Informationen erhalten Sie im Zuge der Teilnahmebestätigung.

Livestream

Haben Sie keine Gelegenheit zur Veranstaltung nach Stuttgart zu kommen, interessieren sich aber fürs Thema? Am 20. Februar können Sie der Veranstaltung ab 18:30 Uhr im Livestream folgen.

Diskutieren Sie mit

  1. Daniel Buergi

    vor 6 Monaten

    Sorgt denn nich das EU-ETS dafür, dass der CO2 Ausstoss pro Jahr um 2% sinkt, weil die Ausgabe der zum Ausstoss berechtigenden Zertifikaten jährlichentsprechend reduziert werden? Oder sind denn durch dieses System nur der Industrie-Ausstoss und nicht derjenige des Verkehrs und der Immobilien-Beheizung abgedeckt?

  2. Jea

    vor 3 Monaten

    Diese Lebenswelt, unsere, kann nur noch bei Einleitung des sodann in den Geschichtsbüchern wirklich so bezeichneten 'Digitalen Zeitalters' bei globaler, vollständiger und restloser Überwindung und Beseitigung des 'Monetären Zeitalters' erhalten werden!
    [https://wechange.de/project/networking-currencytradefree-worldsoci/]

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