Bericht vom Debattenabend Akzeptanz der Energiewende

Gastautor Portrait

Redaktion

Stiftung Energie & Klimaschutz
17. Oktober 2018

Gute politische Führung zeichnet sich auch dadurch aus, dass man den Menschen zuhört.

Gisela Erler

Das hätte ein langweiliger Abend werden können. Alle Diskutanten waren sich in ihren Positionen ähnlich. Alle daran interessiert, die Akzeptanz bei Projekten der Infrastruktur im Allgemeinen und bei der Energiewende im Besonderen zu erhöhen. Und alle stimmten darin überein, dass eine gute und frühe Beteiligung der Bürgerinnen und Bürger die Grundlage schafft, um zu Ergebnissen mit einer hohen Zustimmung zu kommen. Es gab keine richtige Kontroverse, sonst ein Markenzeichen des Debattenabends. Langeweile kam aber nicht auf.

Dafür sorgte ein Diskurs, der über die Akzeptanz der Energiewende hinausging. Die Reflektionen auf dem Podium kreisten um das Wesen der Demokratie und die Aufgaben der Politik in der heutigen Zeit. Manfred Güllner, Chef von Forsa, verwies auf die vielen Großbaustellen der Republik und fasste die ihm vorliegenden Daten so zusammen: „Die Leute erwarten, dass die Politik Entscheidung durchsetzt.“

Die baden-württembergische Staatsrätin Gisela Erler verfolgte einen anderen Ansatzpunkt. Die Politik solle die Menschen wieder dort abholen, wo sie stehen. Sie müsse viel mehr erklären. Ohne Erklärung kämen der Überbau bei der Energiewende (die hohe Zustimmung für das abstrakte Vorhaben) und der Unterbau (die konkrete Baumaßnahme vor Ort) nicht zusammen. „Auch eine Ablehnung eines Projekts aus dem Gefühl heraus, ist berechtigt.“ Es sei die Aufgabe des Beteiligungsprozess, alle Wahrnehmungen und auch die Fakten offenzulegen.

Gute politische Führung zeichne sich auch dadurch aus, dass man den Menschen zuhöre, so Erler. Am Ende zahle sich politische Führung aus. Wer die Qualitäten unterscheiden wolle, möge ein Vergleich zwischen den Herren Seehofer und Kretschmann ziehen.

Auch Hermann Falk von der GLS Treuhand machte die Schwächen bei den politischen Repräsentanten für Fehlentwicklungen mitverantwortlich. So ein großes Land wie Deutschland brauche Vorbilder, an denen man sich orientieren könne. Bei der Energiewende gäbe es aber seit Jahren keinen Politiker in Verantwortung, der sich uneingeschränkt für die Energiewende stark mache. Niemand in der derzeitigen und den letzten Regierungen erkläre  den Menschen, warum es den schnellen Ausbau der Erneuerbaren brauche. Niemand stehe für eine ambitionierte Klimapolitik ein. Die Energiewende drohe zum Opfer des politischen Opportunismus zu werden.

„Da können wir“, so Hermann Falk, „nicht erwarten, dass die Leute vor Ort dauerhaft mit Enthusiasmus die Energiewende umsetzen. Die Gesellschaft bietet ein Spiegelbild der politischen Verhältnisse.“

Die Akzeptanz der Energiewende sei alles andere als eine abstrakte Sache. Darauf verwies Dirk Güsewell, bei der EnBW AG für die Entwicklung der Erneuerbaren zuständig. „Akzeptanz vor Ort ist für uns die Voraussetzung, um Projekte einer nachhaltigen Energiewirtschaft umzusetzen. Ohne eine breite gesellschaftliche Akzeptanz der Energiewende bleibt nicht nur unser Geschäftsmodell auf der Strecke. Wenn neuen Projekten die Akzeptanz fehlt, wird Deutschland am Ende auch technologisch Probleme bekommen.“

Zur inhaltlichen Diskussion, wie man es schaffen könne, mehr Akzeptanz für die Energiewende zu erreichen, verweisen wir an dieser Stelle auf die Beiträge unseres Schwerpunktes.

In der Analyse, was derzeit politisch schief laufe, gab Manfred Güllner auch den Journalisten einen Hinweis: „Sie machen einen Fehler, wenn sie annehmen, dass die die Menschen nur negative Dinge hören und sehen wollen. Zeigen Sie auch die positiven Beispiele.“

Video der Veranstaltung

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  1. J. Schmidt

    vor 1 Monat

    Zu den hier behandelten Themenkreisen empfehle ich diese hilfreichen Erläuterungen zur Kenntnis zu nehmen:
    https://www.youtube.com/watch?v=OwlvlYb9gNc&fbclid=IwAR1E6SurhVHqPFmieroWbz-YNcQnPMM_c17k8XhTzs_FEkv9c8lF9I1VFho

  2. Redaktion

    vor 4 Wochen

    Wir, das Team der Stiftung Energie & Klimaschutz, beteiligen uns auf unserer Plattform nicht an Diskussionen, die den Klimaschutz als obsolet darstellen, wie der Link unter diesem Beitrag es suggeriert. Dass der Klimawandel ein Fakt ist und der Klimaschutz eine Notwendigkeit, ist für uns selbstverständlich und demnach führen wir Diskussionen nur um der Sache willen, die uns zu Lösungen bringt.

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