Ausbau der Netze beschleunigen

Gastautor Portrait

Judith Skudelny

MdB, FDP-Generalsekretärin Baden-Württemberg

Judith Skudelny ist Rechtsanwältin mit en Schwerpunkten Sanierungs- und Insolvenzrecht. Bereits seit 1993 politisch engagiert sammelte sie erste politische Erfahrung im Gemeinderat Leinfelden-Echterdingen gesammelt. Von 2009 bis 2013 gehörte sie bereits dem Bundestag an, 2017 wurde sie wieder gewählt und arbeitet im Parlaments-Ausschuss Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit mit. 2015 wurde sie zur Generalsekretärin der FDP in Baden-Württemberg gewählt.

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26. Februar 2018

Die Energie- und Klimapolitik bleibt im Jahr 2018 eine Herausforderung – zum einen für diejenigen, die im Energiebereich wirtschaftlich tätig sind, als auch für die Politik. Die größten Herausforderungen im Bereich der Nachhaltigkeit liegen dabei in Strommarkt. Sicher, sauber und bezahlbar, in einem Wort: nachhaltig soll unser Strom sein. Um dieses Ziel zu erreichen, haben wir einen Zubau wetterabhängiger Stromerzeuger subventioniert, ohne gleichzeitig das gesamte Stromsystem – bestehend aus Erzeugung, Speicherung/regelbare Produktion, Leitung und Verbrauch den geänderten volatilen Stromerzeugern – anzupassen.

Der ungesteuerte Zubau und die Einspeisung von fluktuierenden Energieerzeugern belasten unsere Stromnetze. Und obwohl sich alle Parteien darüber einig sind, dass die Energiewende im Strombereich leichter zu bewältigen ist, wenn sie im europäischen Kontext gestaltet wird, haben zunächst Polen, dann Tschechien Stromgrenzen (Phasenschieber) installiert und mit Österreich wird der Stromhandel ab Oktober 2018 beschränkt. Aus dem Bericht der Übertragungsnetzbetreiber vom 31.10.2017 geht jedoch hervor, dass wir zum Ausgleich der Leistungsbilanz künftig mehr Interkonnektoren brauchen werden. Der Trend geht aber derzeit aufgrund der unbestimmten deutschen Strompolitik leider genau in die entgegengesetzte Richtung.

Mehr statt weniger Europa

In einem anderen Bereich schreitet die Europäisierung jedoch voran. Die Bundesregierung plant grenzüberschreitenden Zubau von erneuerbaren Energien, die aus deutschen EEG-Umlagen finanziert werden. Was grundsätzlich eine gute Idee ist – die Energiewende europäisch zu denken – ist jedoch in der konkreten Ausgestaltung fragwürdig. Die im europäischen Ausland installierte Leistung wird nur zu einem geringen Teil auf die Quote der erneuerbaren Energien in Deutschland angerechnet. Der Großteil dieser Erzeugung wird zugunsten des jeweiligen Staates angerechnet, in welchem die Stromerzeugung stattfindet. Demgegenüber erfolgt die Finanzierung ausschließlich durch die deutschen Verbraucher.

Wir werden künftig mehr statt weniger Europa brauchen. Im Bereich der Außen- und Sicherheitspolitik, im Bereich der Wirtschaftspolitik, aber vor allem auch im Bereich des Klimaschutzes und der Energiepolitik. Der 1999 etablierte Handel an den Strombörsen liefert keine Antworten mehr darauf, wie erneuerbare und konventionelle Stromerzeugungsanlangen in einen fairen Wettbewerb treten können. Wenn wir dem Klimawandel kostengünstig und technologieneutral begegnen wollen, müssen wir auf ein Instrument setzen, das beides miteinander verbindet.

Ausbau der NetzeAusbau der Netze beschleunigen, forcierten Zubau der Erneuerbaren stoppen

Der ETS-Handel wirkt, weil die CO2-Emissionen stetig reduziert werden, allerdings liefert er kein Preissignal mehr. Dieser Umstand ist (auch) auf den deutschen Alleingang bei der Energiewende zurückzuführen. Es ist dringend erforderlich, dass wir gemeinsam mit unseren europäischen Partnern zu einer abgestimmten Klima- und Energiepolitik kommen. Ab 2021 gibt es eine mögliche Verbindung zwischen nationalen Klimaschutzmaßnahmen und dem europäischen Zertifikatehandel. Bis dahin tragen nationale Maßnahmen zum Klimaschutz im Stromerzeugungssektor nicht zum Klimaschutz bei. Dieser Zeitraum sollte daher dazu genutzt werden, das deutsche Stromsystem zu konsolidieren.

Bis dahin sollte der forcierte Zubau erneuerbarer Erzeuger gestoppt werden. Der Ausbau der Übertragungs, aber auch der Verteilnetze, muss weiter beschleunigt werden, auch durch nationales Planungsrecht. Das Stromnetz muss endlich durch die Einführung von Smart-Grids intelligent gemacht werden, um die Ein- und Ausspeisung besser zu kontrollieren. Insgesamt brauchen wir einfach deutlich mehr Mittel in der Energiesystemforschung.

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  1. Gerd Fassbender

    vor 6 Monaten

    Alles wäre sehr einfach, wenn endlich der Bau eines Prototypen des Prof. Dr. Turtur'schen
    EMDR-Converters (Raumenergiemaschine) mit lächerlichen € 50 Millionen geflrdert würde.
    Dann hätten wir (letztendlich weltweit) beliebig viel Strom ohne Ressourcen-Verbrauch und
    Umweltbelastung, bei einem Preis von ca 0,1 Cent pro KWh.

    Aber, man verballert ja lieber € 1.000 Milliarden in die jetzt definierten Projekte.
    Man freut sich, daß ein Fußballer für mehr als € 200 Millionen den Verein gewechselt hat,
    und man klatscht Beifall, weil bei Sothebys ein Bild für mehr aks € 500 Millionen ersteigert
    worden ist. Wie krank sind wir (und die Medien) eigentlich?

    Sollte sich ein Leser ernsthaft für den EMDR-Converter interessieren,
    kann er sich gerne per email melden: zeropoint@online.de

  2. Matthias Grobleben

    vor 5 Monaten

    Frau Skudelny gehörte von 2009 bis 2013 dem Deutschen Bundestag an, beklagt aber den übermäßigen Ausbau der Erneuerbaren. Frau Skudelny hätte diesen Ausbau verhindern können.
    Soweit zur Glaubwürdigkeit von Politikern.
    Was das Verständnis von Technik anbetrifft, so ist es leider bei Frau Skudelny nicht sehr ausgeprägt. Wir wollen den CO2 Ausstoß reduzieren, sodaß die Temperaturerhöhung der Erde unter 2 Grad Celsius liegt.
    Frau Skudelny möchte dagegen die Erneuerbaren stoppen und damit konsequenter Weise die Kohlekraftwerke weiter laufen lassen, denn wo soll der Strom sonst herkommen?
    Ich bin ein Verfechter des europäischen Gedankens, aber wir können uns bei den Flüchtlingen nicht einigen, England steigt aus der EU aus und da glaubt Frau Skudelny tatsächlich, dass 2021 sich alle möglicher Weise einig sind, die Zertifikate höher zu bewerten.
    Sehr geehrte Frau Skudelny, ich war ein Befürworter der Jamaika-Koalition, dass die FDP auf eine Regierungsbeteiligung verzichtet hat, kann ich nach Ihren Ausführungen nur Begrüßen.

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