Energiewende aktuell: Halten Sie die Höhe der Anhebung der EEG-Umlage für notwendig?

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Redaktion

Stiftung Energie & Klimaschutz
11. November 2015
Hier kommt die Auswertung unserer letzten Umfrage zu aktuellen Energiepolitik, Umfrage, Energiewende aktuell
Halten Sie die Höhe der Anhebung der EEG-Umlage für notwendig?

Zum 1. Januar 2016 wird die EEG-Umlage auf 6,354 Cent pro Kilowattstunde steigen. Aktuell zahlen wir 6,17 Cent, der Anstieg beträgt drei Prozent. Wir wollten in unserer letzten Umfrage von Ihnen wissen, ob Sie die Höhe der Anhebung der EEG-Umlage für notwendig erachten? Mit Ja stimmten 31 und mit Nein 69 Prozent. Ein eindeutiges Ergebnis, das zeigt, wie skeptisch die Berechnung der EEG-Umlage gesehen wird.

Kritik an Anhebung der EEG-Umlage kommt aus mehreren Richtungen

Die Zahl der Unternehmen, die von der EEG-Umlage über die „besondere Ausgleichsregelung“ teilweise oder völlig befreit sind, wächst in jedem Jahr. Waren es im Jahr 2010 noch 521 Unternehmen, wuchs die Zahl in 2014 auf 2098. Die Entlastung hat sich von 2,7 Milliarden auf 5, 1 Mrd. in wenigen Jahren fast verdoppelt. 56 Euro zahlt ein durchschnittlicher Haushalt pro Jahr zusätzlich für seinen Strom, um die Entlastung der Industrie zu finanzieren. Angesichts der glänzenden Geschäfte, die die deutsche Wirtschaft seit Jahren im internationalen Wettbewerb macht, gibt es keine guten Gründe mehr für die „Besondere Ausgleichsregelung“ und es wächst die Kritik an dieser Umverteilung zu Lasten der Endverbraucher.

Anhebung EEG-Umlage, EEG-UmlagebefreiteUnternehmen

Und der Berechnungsmechanismus der EEG-Umlage lässt den Teil der Industrie, der seinen Strom über die Börse einkauft, in diesem Spiel zum Doppelverdiener werden. Die stetig wachsenden Strommengen aus EE-Anlagen drücken den Stromhandelspreis an der Börse. 

Die Industrie verdient doppelt an der EEG-Umlage

Der Hauptgrund für die sinkenden Börsenstrompreise liegt in der von der damaligen Großen Koalition geänderte Regelung des EEG-Stromverkaufs. Bis zum Jahr 2009 erhielten die Stadtwerke den EEG-Strom aus Windkraftanlagen, Solarkraftwerken oder Biogasanlagen als sog. EEG-Stromband monatlich tatsächlich physisch geliefert, so dass die großen EVUs auch faktisch immer weniger konventionellen Strom an Stadtwerke und andere Versorger liefern konnten. Seit 2010 muss der EEG-Strom seit 2010 am Spotmarkt der Strombörse verkauft werden.

Einerseits gibt es also die weitgehende Befreiung von der EEG-Umlage, andererseits profitiert die Industrie vom geänderten Wälzungsmechanismus, der zu sinkenden Großhandelspreisen führt. Via EEG wird die deutsche Industrie auf Kosten der anderen Verbraucher subventioniert, während die Preise für das Gewerbe und den Endverbraucher seit Jahren steigen.

BörsenStrompreisIWR, Anhebung EEG-Umlage

Die Übertragungsnetzbetreiber haben lediglich die Aufgabe, die richtige Höhe der EEG-Umlage zu berechnen. Die Grundlagen der Berechnungen liegen offen und sind nachvollziehbar. Für das Jahr 2016 wird weiter eine ansteigende Erzeugung an elektrischer Energie aus regenerativen Anlagen prognostiziert. Der Anstieg von über 15 Terawattstunden (von etwa 161 Terawattstunden (TWh) 2015 auf etwa 176 TWh 2016) spiegelt sich vor allem in den Energieträgern Wind an Land, Wind auf See und Biomasse wider. Abzüglich der prognostizierten Börsenerlöse, die sich im Wesentlichen aufgrund des sinkenden Börsenpreises im Vergleich zum Vorjahr um 14% vermindert haben, ergeben sich für das Jahr 2016 prognostizierte Kosten (im Wesentlichen Vergütungen an Anlagenbetreiber abzüglich Gegenwert durch Börsenerlöse) in Höhe von etwa 23,1 Milliarden Euro. Dies entspricht in der EEG-Umlage 2016 einem Anteil von etwa 6,4 Cent pro Kilowattstunde.

Davon entfallen etwa 2,6 Cent pro Kilowattstunde auf Photovoltaik, etwa 1,7 Cent pro Kilowattstunde auf Biomasse, etwa 2,0 Cent pro Kilowattstunde auf Wind (an Land und auf See).“ (Pressemeldung der Tennet)

Der aktuelle Kontostand auf dem EEG-Umlagenkonto beträgt zum 31.12.2015 über 2,5 Milliarden Euro.

Anhebung EEG-Umlage

Es gibt viele gute Gründe, das EEG und besonders die Berechnung der Umlage so zu novellieren, dass die Belastungen gleichmäßiger verteilt werden. Ein Vorschlag, der Entlastung bringen würde und schon deshalb diskutiert werden müsste. Mehr Markt für den Öko-Strom, das war auch schon Thema bei uns im Blog. Doch offenbar hat das Grünstrommarktmodell derzeit keine hinreichende Lobby, um in Berlin Gehör zu finden. So lange die offensichtlichen Schieflagen im System nicht beseitigt sind, werden Umfragen zur EEG-Umlage so klare Mehrheiten bringen wie die unsrige.

Die Umfrage lief vom 28. Oktober bis zum 8. November. An ihr nahmen 78 Personen teil. Zu unserer aktuellen Umfrage geht es hier entlang

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  1. Windmüller

    vor 3 Jahren

    Was ist Deutschland getrieben wird, ist ein trauriges Spiel. So ist der Braunkohlebagger von RWE von der EEG Umlage befreit, wodurch die übrigen Stromverbraucher entsprechend mehr bezahlen. Dem Büger erzählt man dann, Öko mache den Strom teuer. RWE hat zwei neue Kraftwerke gebaut, das Braunkohlekraftwerk Neurath, sowie das Steinkohlekraftwerk Westfalen in Hamm. Das BoA Neurath wurde 300 Mio € teurer als geplant. Beim Kraftwerk Westfalen ging hingegen schief, was schiefgehen konnte. Für den Wärmetauscher wurde falscher Stahl verwendet, wodurch die Schweissnähte rissen. Also konnte der Wärmetauscher abgerissen werden, und neu aufgebaut werden. Anschließend kippte man konzentrierte Salzsäure in den Kühlkreislauf, welche zur Aufbereitung gedacht war. Die Schaufeln der Turbinen und Rohre korrodierten, der Schaden war gewaltig. Als auch das beseitigt war, hatte Kraftwerksbauer Alstom Probleme mit dem Dampferzeuger.. Neurath und Westfalen stehen für Mehrkosten von 1,1 Mrd €. Und da geht RWE an die Öffentlichkeit, und erklärt, man habe 1,1 Mrd € Mehrkosten, und Schuld sei Öko.
    Dementsprechend ist es nur logisch, die EEG Umlage weiter zu erhöhen.

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