Nach Sharm El Sheik – was jetzt für den Klimaschutz zu tun ist

Birgit Heinrich und Mira Schirrmeister

Bundesverband der Energie und Wasserwirtschaft, BDEW e.V.

Birgit Heinrich ist stellvertretende Pressesprecherin beim Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW). Neben den aktuellen Fragestellungen rund um die Energiekrise liegen ihre Schwerpunkte auf den Themen Mobilität und Erneuerbare Energien. Sie begleitet die Themen Energiewende und Klimaschutz kommunikativ seit mehr als zehn Jahren. Davon war sie mehr als sechs Jahre beim BDEW tätig und hat vier Jahre lang die Transformation der Industrie begleitet, beim Wirtschaftsrat und beim Verband der Industriellen Energie- und Kraftwirtschaft (VIK). Birgit Heinrich ist diplomierte Medienwissenschaftlerin. Mira Schirrmeister arbeitet als Referentin im Geschäftsbereich Strategie und Politik des Bundesverbands der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW). Ihre Schwerpunkte sind der Ausbau der Erneuerbaren Energien und Mobilitätsthemen. Zuvor war sie in verschiedenen Funktionen im politischen Umfeld tätig, u.a. als wissenschaftliche Mitarbeiterin im Bundestag und als Referentin im Bundesamt für die Sicherheit der nuklearen Entsorgung. Sie hat an der Freien Universität Berlin und an der Università di Bologna Politikwissenschaften (B.A.) und Zukunftsforschung (M.A.) studiert.

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30. November 2022
jaroslava V/Shutterstock.com

Die Weltklimakonferenz in Sharm el-Sheik hat das Thema Klimaschutz wieder stärker in den Fokus der öffentlichen Debatte gerückt. Sie hat aber leider wenig echte Fortschritte gebracht. Wir sollten das wenig zufriedenstellende Ergebnis als Ansporn verstehen, in unseren Klimaschutzbemühungen in Deutschland und Europa jetzt erst recht nicht nachzulassen.

Vor einem Jahr ist die neue Bundesregierung mit der Idee eines Klimaschutzsofortprogramms ambitioniert gestartet. Darin sollten bis Ende 2022 alle Gesetze und Vorhaben der Bundesregierung für den Klimaschutz gebündelt werden.

Stattdessen musste sich Deutschland auf der Weltklimakonferenz dafür rechtfertigen, dass Kohlekraftwerke wieder angefahren, die Gasinfrastruktur ausgebaut und weltweit neue Verträge für den Einkauf fossiler Energien geschlossen werden.

Ein Klimaschutz-Sofortprogramm ist überfällig

Um die Energieversorgung zu sichern, machen wir momentan einen Schritt zur Seite – aber das Ziel Klimaneutralität 2045 behalten wir fest im Blick!

Birgit Heinrich und Mira Schirrmeister

Wie passt das zusammen? Das Klimaschutzsofortprogramm war lange von der Agenda verschwunden – der russische Angriffskrieg auf die Ukraine hatte die Prioritäten verschoben. Um die Energieversorgung zu sichern, machen wir momentan einen Schritt zur Seite – aber das Ziel Klimaneutralität 2045 behalten wir fest im Blick! Wir müssen parallel zum Krisenmanagement auch Zukunftssicherung betreiben. Daher ist es höchste Zeit, dass die Bundesregierung ihr Klimaschutzsofortprogramm auf den Tisch legt.

Immense Zukunftsinvestitionen sind notwendig, um in allen Bereichen Fortschritte zu erzielen. Deshalb ist und bleibt es richtig, dass das Bundes-Klimaschutzgesetz jedem Sektor feste eigene CO2-Minderungsziele auferlegt: Um diese Ziele zu erreichen, investiert der Sektor Energie massiv in Erneuerbare Energien, in Speicher, Netze und Digitalisierung. Im Gebäudebereich muss die Sanierungsrate von 1 auf 2 Prozent verdoppelt werden, die Industrie muss komplette Produktionsanlagen umbauen. Das größte Sorgenkind bleibt jedoch der Verkehrssektor. Hier fehlt noch immer eine Gesamtstrategie, wie das Klimaschutzziel erreicht werden soll – und wie man 15 Millionen E-Pkw bis 2030 auf die Straße bringen will.

Jeder Sektor muss seinen Beitrag leisten

Die Klimaziele zu erreichen, ist für alle Sektoren eine Herkulesaufgabe. Dass sie notwendig ist, war stets Konsens. Umso verwunderlicher ist es, dass ein Aufweichen der Sektorziele offenbar wieder diskutiert wird. Das wäre ein fatales Signal. Dadurch würde der Druck, die erforderlichen Maßnahmen in allen Bereichen rechtzeitig umzusetzen, deutlich sinken. Dringend notwendige Investitionen blieben dann erst einmal aus und am Ende wird kein Sektor auffangen können, was in anderen Sektoren nicht gelingt.

Wenn wir auf der nächsten Weltklimakonferenz nicht in Sack und Asche gehen wollen, müssen wir an unseren ambitionierten Plänen für alle Sektoren festhalten, und sie schnellstmöglich umsetzen.

Was im Energiebereich geschehen muss

Die großen Transformationsaufgaben erfordern viel Know-How, Rohstoffe und Produktionskapazitäten. [...] Um das zu schaffen, brauchen wir auch eine echte Fachkräfteoffensive.

Birgit Heinrich und Mira Schirrmeister

Wo die Reise hingeht, ist für den Energiesektor unbestritten. Um die fossilen Energien hinter uns zu lassen, müssen wir die Erneuerbaren Energien, allen voran PV und Wind, massiv ausbauen. Das Osterpaket war dafür erst der Anfang – mehr Flächen für den Ausbau, beschleunigte Genehmigungsverfahren, Investitionen in Netze und ein breiter Einstieg in die Wasserstoffwirtschaft müssen folgen.

Auch wenn wir immer mehr Bereiche immer stärker mit grünem Strom versorgen, sind wir auch in Zukunft auf Moleküle angewiesen. Grüne und dekarbonisierte Gase in Stromerzeugung, Industrie, Wärme und Verkehr sichern und ergänzen die Energieversorgung aus erneuerbarem Strom. Die bisherige Erdgas-Infrastruktur muss zu einer Infrastruktur der grünen Gase werden, nur so sind die notwendigen Investitionen in Gaskraftwerke, KWK-Anlagen und LNG-Terminals in Zeiten der heraufziehenden Klimakrise begründbar.

Die großen Transformationsaufgaben erfordern viel Know-How, Rohstoffe und Produktionskapazitäten. PV-Module müssen produziert, Windräder montiert, Netze geplant, wasserstofffähige Turbinen entwickelt und Batterien hergestellt werden. Um das zu schaffen, brauchen wir auch eine echte Fachkräfteoffensive. Und wir brauchen neue, vielfältige Partnerschaften in Europa und global. Damit vermeiden wir Abhängigkeiten und tragen dazu bei, die Energiewende und den Klimaschutz nicht nur bei uns voranzubringen.

Über die Autorinnen

Birgit Heinrich

Stellvertretende Pressesprecherin, BDEW e.V.

Birgit Heinrich ist stellvertretende Pressesprecherin beim Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW). Neben den aktuellen Fragestellungen rund um die Energiekrise liegen ihre Schwerpunkte auf den Themen Mobilität und Erneuerbare Energien. Sie begleitet die Themen Energiewende und Klimaschutz kommunikativ seit mehr als zehn Jahren. Davon war sie mehr als sechs Jahre beim BDEW tätig und hat vier Jahre lang die Transformation der Industrie begleitet, beim Wirtschaftsrat und beim Verband der Industriellen Energie- und Kraftwirtschaft (VIK). Birgit Heinrich ist diplomierte Medienwissenschaftlerin.

Mira Schirrmeister

Geschäftsbereich Strategie und Politik, BDEW e.V.

Mira Schirrmeister arbeitet als Referentin im Geschäftsbereich Strategie und Politik des Bundesverbands der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW). Ihre Schwerpunkte sind der Ausbau der Erneuerbaren Energien und Mobilitätsthemen. Zuvor war sie in verschiedenen Funktionen im politischen Umfeld tätig, u.a. als wissenschaftliche Mitarbeiterin im Bundestag und als Referentin im Bundesamt für die Sicherheit der nuklearen Entsorgung.

Sie hat an der Freien Universität Berlin und an der Università di Bologna Politikwissenschaften (B.A.) und Zukunftsforschung (M.A.) studiert.

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