100 Tage GroKo: Wegducken gilt nicht!

Gastautor Portrait

Carsten Körnig

Bundesverband Solarwirtschaft

Carsten Körnig ist Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes Solarwirtschaft e.V. (BSW-Solar) und Vizepräsident des Dachverbandes BEE mit Sitz in Berlin. Der Kommunikationsexperte war 1996 Mitbegründer der Unternehmensvereinigung Solarwirtschaft (UVS), die im Jahr 2006 mit dem Bundesverband Solarindustrie zum BSW-Solar fusionierte. Der Verband vertritt die Interessen von einigen hundert führenden Unternehmen der Solar- und Speicherbranche: www.solarwirtschaft.de

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26. Juli 2018
Solarpanel auf Wiese, vom Bundesverband Solarwirtschaft fotografiert
Foto: BSW-Solar

Nun ist es amtlich: Mit ihrem jüngsten Klimaschutzbericht attestiert sich die Bundesregierung selbst eine klare Zielverfehlung beim Schutz unserer Lebensgrundlagen.

Nach über hundert Tagen im Amt von Taten kaum eine Spur! Statt einer konsequenten Umsetzung der Energiewende sieht es eher nach einer Fortsetzung der mutlosen Energiepolitik der letzten Jahre aus. Dabei betonen CSU, CSU und SPD im Koalitionsvertrag die Notwendigkeit, den Ausbau Erneuerbarer Energien deutlich zu erhöhen, um den zusätzlichen Strombedarf zur Erreichung der Klimaschutzziele in den Bereichen Verkehr, Gebäude und Industrie zu decken. Als konkreten Beitrag zum Klimaschutzziel 2020 kündigen sie Sonderausschreibungen an, die in den Jahren 2019 und 2020 zum zusätzlichen Zubau von vier Gigawatt Solarstromleistung führen sollen. Ein überfälliger Schritt in die richtige Richtung – dem schnell weitere folgen müssen, denn nicht einmal ein Zehntel der deutschen Klimaschutzlücke 2020 lässt sich damit schließen.

Der Umbau der Energieversorgung ist kein Selbstzweck

Deutschland kann es sich nicht leisten, die Klimaschutzziele zu verfehlen

Carsten Körnig

Es ist höchste Zeit, die Energiewende endlich wieder mit der notwendigen Ernsthaftigkeit auf die politische Agenda zu setzen. Deutschland kann es sich nicht leisten, die Klimaschutzziele zu verfehlen. Der Umbau der Energieversorgung ist kein Selbstzweck, sondern notwendige Bedingung für die Zukunftsfähigkeit unseres Landes. Wenn wir auf dem Markt entscheidender Zukunftstechnologien wirtschaftlich nicht den Anschluss verpassen möchten, müssen wir mehr Tempo machen und Worten endlich Taten folgen lassen.

Faire Marktbedingungen schaffen

Solartechnik hat inzwischen ihre Hausaufgaben gemacht und ist sehr preiswert geworden. In Kombination mit Speichern und anderen Erneuerbaren Energien steht sie bereit, eine deutlich größere Verantwortung in unserem Energiesystem zu übernehmen. Damit Bürger und Unternehmen sie bei der Strom- und Wärmeerzeugung stärker nutzen können, müssen bürokratische Hemmnisse aus dem Weg geräumt und endlich faire und intelligente Marktbedingungen geschaffen werden. Intelligente Energiemanagementlösungen und die Fortschritte der Digitalisierung helfen, dass dabei zu keiner Zeit die Lichter ausgehen müssen.

Solarstrom macht Mobilität klimafreundlich

Auf einen kraftvollen Solarenergieausbau kommt es auch an, wenn die Energiewende im Verkehrssektor Fahrt aufnehmen soll. Denn nur wenn die Fahrzeuge mit sauberem Strom angetrieben werden, wird die Elektromobilität zum Klimaschutz beitragen können. Wie so oft wissen die Menschen längst, was Not tut: Fast drei Viertel der Autofahrerinnen und Autofahrer in Deutschland sind der Meinung, dass die Solarenergie verstärkt ausgebaut werden sollte, damit Elektroautos künftig klimafreundlich mit Ökostrom betrieben werden können. Neunzig Prozent der Befragten würden ihr Elektroauto bei gleichem Preis vorzugsweise mit Strom laden, der durch Solarenergie und andere Erneuerbare Energien erzeugt wurde. Nur ein Prozent der Befragten würde Atomstrom tanken und niemand würde Strom aus Kohlekraftwerken wählen. Das sind die Ergebnisse einer repräsentativen Umfrage, die der BSW-Solar im Vorfeld der diesjährigen Elektromobilitätsmesse Power2Drive in Auftrag gegeben hatte.

Auch wenn die Kosten für Erneuerbare Energie rapide gesunken sind – noch hängt der Erfolg der Energiewende weiter vom politischen Willen ab. Deshalb: Wegducken gilt nicht!

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