Wie Startups die Energiewende voranbringen

Gastautor Portrait

Andreas Kühl

Energieblogger @energynet

Andreas Kühl ist Energieblogger aus Leidenschaft mit einem großen Faible für Energieeffizienz und erneuerbare Energien. Mit energynet.de betreibt er einen der bekanntesten und nach dem ebuzzing-Ranking auch einen der einflussreichsten Energieblogs im deutschsprachigen Raum. Den Themen Energieeffizienz, Integration der erneuerbaren Energien und Smart-Home gilt dabei sein besonderes Interesse, sowohl in Bezug auf private Haushalte als auch die Industrie.

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14. November 2016
Wortwolke: Startups als die vielversprechenden Energiewende-Beschleuniger im Fokus

Die Umstellung der Energieversorgung auf erneuerbare Energien bringt große Veränderungen in der Struktur der Energiewirtschaft mit sich. Die traditionellen Energielieferanten werden mehr zu Dienstleistern für die dezentrale Energieversorgung, denn mit der reinen Stromlieferung kann nicht mehr das große Geld verdient werden. Am besten aufgestellt für die Zukunft sind Startups, die mit ihren Geschäftsmodellen auf die Welt der dezentralen Energieversorgung ausgerichtet sind. Sie haben den Vorteil, dass ihr Fokus bereits auf die Energiewende, bzw. die Digitalisierung, ausgerichtet ist.

Alltag in etablierten Unternehmen vs. zukunftsorientierte Gründer

Etablierte versuchen ihr Geschäftsmodell schrittweise zu verbessern. Sie gehen dabei immer von dem aktuellen Stand aus und verbessern das Leistungsangebot und den Nutzen daraus für die heutigen Kunden. Sich aber nebenbei komplett neu zu erfinden, neben dem Alltagsgeschäft, ist sehr schwer bis kaum möglich. Wenn man die Notwendigkeit dazu erkennt, ist es oft zu spät und erfordert großen Einsatz in eigenständigen Abteilungen.

Startups in der Energiewirtschaft hingegen sind von Beginn an fokussiert auf einen anderen Markt, der z.B. die Prosumer als energieerzeugende Verbraucher als Zielgruppe hat. Diese neuen Kunden haben andere Wünsche, einen anderen Bedarf, als die Kunden, die „nur“ mit Energie beliefert werden wollen. Diese Unternehmen sind von Anfang an ausgerichtet auf dezentrale Energieerzeugung mit kleinen Anlagen, die über das Land verteilt sind. Sie sind noch flexibel genug, um sich anzupassen an einen sich schnell ändernden Markt.

Wortwolke: Startups als die vielversprechenden Energiewende-Beschleuniger im Fokus

Junge Unternehmen setzen die Trends auf dem Markt

Mit innovativen Angeboten können die jungen Unternehmen zum Treiber der Energiewende werden und selbst die Trends auf dem Markt setzen. Sie verbinden klassisches Handwerk mit digitalem Vertrieb wie z.B. Thermondo oder Energieheld, um so Heizungssanierungen oder Sanierungen allgemein attraktiver zu machen. Auch beim Ausbau der erneuerbaren Energien gibt es gute Beispiele von Startups, die als Beschleuniger der Energiewende betrachtet werden können.

Anbieter von Stromspeichern sind die neuen Energieversorger

Da wären aktuell die Anbieter von Batteriespeicher, wie sonnen, caterva oder beegy. Diese Unternehmen bieten nicht nur das Produkt eines Speichers an. Sie gehen noch weiter und nutzen den Speicher für weitere Dienstleistungen, um den Kunden zusätzliche Mehrwerte anbieten zu können. So können sich die Mitglieder der Sonnen-Community innerhalb ihres virtuellen Kraftwerks gegenseitig mit Strom versorgen und dabei den Strom aus den Speichern, ihrer PV-Anlage oder ihres BHKWs nutzen. Bei caterva erhält man so viel Strom ohne Extra-Kosten, wie die PV-Anlage im gleichen Kalenderjahr liefert. Und bei beegy wird eine Strom-Flatrate angeboten, die auf Strom aus erneuerbaren Energien basiert und den Strom zwischen den Nutzern verteilt, wo er gerade benötigt wird. Hier werden Produkt-Anbieter zu Energieversorgern mit erneuerbaren Energien.

Stromversorger in den Händen der Bürger

Eine andere Art von Energieversorger mit erneuerbaren Energien sind die Bürgerwerke eG. Sie geben den Bürger-Energiegenossenschaften eine Zukunft, indem sie die Stromerzeugung aus den Anlagen der Energiegenossenschaften bündeln und verkaufen. Der Strom kann direkt von den Bürgerwerken geliefert werden oder auch über eine der Energiegenossenschaften.

Zu den Bürgerwerken gehören inzwischen 60 lokale Energiegenossenschaften, die damit wieder eine Zukunft haben. Sie kümmern sich um zentrale Aufgaben wie Einkauf, Abrechnung und Verwaltung für die Genossenschaften. Der Strom stammt allerdings nur zu einem Teil direkt aus den Anlagen der beteiligten Energiegenossenschaften, eine direkte Vermarktung des Stroms aus den Anlagen der Energiegenossenschaften lässt das deutsche Energierecht aktuell nicht zu.

Die Bürgerwerke sind eine Dachgenossenschaft einzelner Energiegenossenschaften, sie sind nicht gewinnorientiert und arbeiten im Sinn ihrer Mitglieder. Jede Mitglieds-Genossenschaft hat bei Versammlungen eine Stimme, unabhängig von der Anzahl ihrer Mitglieder. Sie sind somit ein wettbewerbsfähiger Energieversorger, der die Energiewende in den Händen der Bürger fortführt.

Startups vernetzen kleine Kraftwerke und Verbraucher

Auch in der Optimierung der Einbindung von erneuerbaren Energie in das Stromnetz sind Startups führend. Sie verbinden, so wie die Next Kraftwerke GmbH aus Köln, viele kleine Erzeuger und flexible Verbraucher zu einem virtuellen Kraftwerk, um die Schwankungen aus Solar- und Windstrom auszugleichen. Oder sie vernetzen die kleinen Stromerzeuger in privater Hand zu einem lokalen virtuellen Kraftwerk für Stadtwerke, die diesen Strom als lokalen Strom anbieten können, wie im Regionalstrom-Modell der Lumenaza GmbH aus Berlin. Aber nicht nur kleine Erzeuger und flexible Verbraucher können mit Hilfe moderner Technik vernetzt werden. Kiwigrid GmbH aus Dresden verknüpft die virtuellen Kraftwerke mit den Verbrauchern und der Elektromobilität für ein ganzheitliches Energiemanagement vom Kraftwerk bis zum kleinen Verbraucher.

Startups sorgen für Optimismus in der Energiewende

Mir würden noch viele weitere Beispiele einfallen. Im Zusammenspiel mit der Digitalisierung finden kreative Gründer viele Möglichkeiten unter den gegebenen Rahmenbedingungen immer neue Möglichkeiten die Energiewende mit ihren Geschäftsmodellen voran zu treiben. Der Boom bei Startups in der Energiewirtschaft stimmt da sehr optimistisch, was die weitere Entwicklung betrifft.

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Anmerkung der Redaktion: Energynet, der Blog von Andreas Kühl, ist einer der ältesten und erfolgreichsten Blogs zur Energiewende. In diesem Jahr ist energynet seit zehn Jahren online und feiert das Jubiläum am 15.11.2016. Wir als Redaktion gratulieren ganz herzlich und bedanken uns für eine gute, kollegiale und freundschaftliche Zusammenarbeit.

Auch in seinem Blog sind Startups immer wieder Thema. Aktuell hat Andreas Kühl einen Beitrag über den Start eines globalen Start-up-Wettbewerbs.

Diskutieren Sie mit

  1. Andreas

    vor 2 Jahren

    Mir ist ein Fehler im Text unterlaufen, Lumenaza kommt aus Berlin und nicht aus Köln. Das hätte mir auffallen müssen.

  2. Robert

    vor 2 Jahren

    Schöner Beitrag mit fallen spontan noch weitere 100 Gründungen ein, BEEGY allerdings gehört einer anderen Kategorie an, Corporate JV!

  3. Peters

    vor 2 Jahren

    Mir fällt dazu noch shine ein! Tolle sache social energy!

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