Umfrageergebnis: Wann wird der Verkauf von Verbrennungsmotoren eingestellt?

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Redaktion

Stiftung Energie & Klimaschutz
02. November 2016
Wann wird der Verkauf von Fahrzeugen mit Verbrennungsmotor eingestellt?

Das wollten wir in unserer letzten Umfrage von Ihnen wissen. Für das Jahr 2025 als Ende des Verkaufs von Verbrennungsmotoren votierten dabei 25 Prozent, 23 Prozent für das Jahr 2030 und die absolute Mehrheit, 52 Prozent, setzten ihr Häkchen bei „Später“. Nicht explizit aufgefordert hatten wir den Bundesrat, bei unserer Umfrage mitzumachen. Doch kaum war unsere Umfrage online, meldete sich die Länderkammer zu Wort. In einem parteiübergreifend gefällten Beschluss wurde darin die EU-Kommission aufgefordert, „die bisherigen Steuer- und Abgabenpraktiken der Mitgliedstaaten auf ihre Wirksamkeit hinsichtlich der Förderung emissionsfreier Mobilität auszuwerten …, damit spätestens ab dem Jahr 2030 unionsweit nur noch emissionsfreie Pkw zugelassen werden“.

Wir haben uns gewundert. Sowohl über das Ergebnis der Umfrage als auch über den Beschluss des Bundesrats. Bei der Umfrage hatten wir mit einer deutlichen Mehrheit der Fortschrittsoptimisten gerechnet. 2025 – bis dahin sind noch mehr als acht Jahre hin. Alltagstaugliche Elektrofahrzeuge gibt es bereits. Acht Jahre, dachten wir, wären genug Zeit, um die Mängel in der Infrastruktur zu beheben, die Reichweite nochmals zu vergrößern und durch die Serienproduktion und Skaleneffekte auf einen erschwinglichen Preis für Elektrofahrzeuge zu kommen. Beim iPhone und den Smartphones ist es schneller gegangen, als sie das klassische Mobiltelefon aus dem Markt gedrängt haben. Zugegeben: Ein Auto ist etwas komplexer als ein Smartphone. Wir reden aber auch nicht seit gestern über das Ende der Verbrennungsmotoren, wie nachfolgender Vortrag von Lars Thomsen aus dem Jahr 2013 eindrucksvoll beweist. Die Ausführungen des Zukunftsforschers sind immer noch sehens- und hörenswert, auch wenn es langsam eng wird für seine Prognose.

Investitionen in Fahrzeuge mit Verbrennungsmotoren planen

Wir nehmen den Zukunftspessimismus der Mehrheit in unserer Umfrage zur Kenntnis, glauben jedoch selbst, dass die Entwicklung schneller gehen wird, als unsere Leserinnen und Leser es vermuten. Ob es sich lohnt, sich 2020 oder später ein Fahrzeug mit Verbrennungsmotor anzuschaffen? Wir sind da skeptisch. Wer vorsichtig kalkuliert, sollte seine Investitionen in Fahrzeuge mit Verbrennungsmotoren so planen, dass sie bis 2025 abgeschrieben sind. Könnte sein, dass in der zweiten Hälfte der 20er Jahre die Preise für gebrauchte Diesel- oder Benzin-Kfz drastisch fallen und die Kosten für einen Ölwechsel in die Höhe gehen, weil kaum jemand einen Ölwechsel braucht.

Niemand hat alte Handys verboten. Warum Verbrennungsmotoren?

Gewundert über den Beschluss des Bundesrats haben wir uns in mehrfacher Hinsicht. Wollte die Länderkammer einfach mal ein Zeichen gegen die Verbrennungsmotoren setzen, in dem sie indirekt ein Verbot für 2030 beschloss? Seit wann ist es üblich, 14 Jahre vor einem Termin, ein Verbot auch nur zu diskutieren? Politik denkt doch sonst nur selten in so langen Zeiträumen. Und wenn, dann selten so konkret. Aber warum brauchen wir überhaupt eine Debatte über ein Zulassungsverbot? Hat jemand die Nutzung von Handys der Marken Nokia oder Sony Ericsson nach 2008 verboten? Wir können uns nur daran erinnern, dass Apple eine technische Entwicklung präsentiert hat, die die genannten und andere Unternehmen mit ihren Produkten dermaßen an den Rand des Marktes gespült hat, dass sie heute keinerlei Rolle mehr spielen.

Warum soll das bei den Verbrennungsmotoren anders sein? Sie stinken. Sie sind laut. Sie haben einen hohen Verschleiß. Sie müssen oft in die Werkstatt und verursachen dabei hohe Kosten. All diese Nachteile werden erst in die kollektive Wahrnehmung eindringen, wenn die lautlose Konkurrenz zu bezahlbaren Preisen im Autohaus angeboten wird. Und dann geht es schlagartig. Oder neudeutsch disruptiv. Nach 2030 sagt die Mehrheit in unserer Umfrage. Wir behaupten: Es geht schneller.

Unsere Umfrage lief vom 4. bis zum 30. Oktober. An ihr nahmen 230 Personen teil. Zu unserer aktuellen Umfrage über die Beschleuniger der Energiewende geht’s hier entlang.

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