SuedLink: Akzeptanz geht nur über das persönliche Gespräch und aktive Bürgerbeteiligung

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Saskia Albrecht

Gastautorin

Saskia Albrecht ist seit Juli 2013 Projektsprecherin von SuedLink bei TransnetBW. Auf Veranstaltungen vor Ort informiert sie die Bürger und Politik über das Projekt und die Beteiligungsmöglichkeiten. In enger Zusammenarbeit mit dem Projektpartner TennneT TSO konzipiert Frau Albrecht neue Informations- und Beteiligungsangebote, um die Öffentlichkeit einfach und transparent einzubinden.

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20. September 2018
Menschen bei einer Informationsveranstaltung zum Projekt Suedlink
Foto: TransnetBW

Als größtes Infrastrukturprojekt der Energiewende soll SuedLink ab 2025 die windreichen Regionen Norddeutschlands mit den Ballungszentren in Baden-Württemberg und Bayern verbinden. Der Bedarf für die Gleichstrom-Erdkabelleitung der beiden Projektpartner TransnetBW und TenneT ist nachgewiesen. Auf dem Weg in das Zeitalter der erneuerbaren Energien ist SuedLink technisch sinnvoll und wirtschaftlich.

Bürgerbeteiligung ist notwendig – hat aber auch Grenzen

Ich bin ja auch für die Energiewende. Aber müsst Ihr Euer Kabel ausgerechnet bei uns verlegen?

Die Herausforderung: Die Akzeptanz in der Bevölkerung für notwendige Infrastrukturprojekte endet häufig vor der eigenen Haustür. „Ich bin ja auch für die Energiewende. Aber müsst Ihr Euer Kabel ausgerechnet bei uns verlegen?“ Von vergleichbaren Infrastrukturprojekten kannten wir solche Aussagen und die teils massiven Proteste, die ein fehlender Dialog und eine unzureichende Beteiligung nach sich ziehen können. Die Bürger wollen wissen, was der Netzausbau für ihr unmittelbares Umfeld, für die Umwelt und Landschaft bedeutet – und sie wollen sich in die Planung einbringen. Diese Ziele haben wir bei SuedLink von Beginn an verfolgt. Durch persönliche Gespräche vor Ort und niedrigschwellige Möglichkeiten zur Beteiligung. Klar ist aber: Selbst die beste Bürgerbeteiligung stößt an ihre Grenzen, wenn in grundlegenden Fragen die Einigkeit fehlt. Genau das war während der ersten Kommunikationsphase von SuedLink der Fall. Zunächst als Freileitung geplant, haben der Widerstand der Bevölkerung und der lokalen Politik das Projekt 2015 gestoppt. Die Forderung: „Die Leitung muss unter die Erde!“ Die Bundespolitik reagierte. Im Sommer 2015 wurde für alle Gleichstromübertragungsleitungen eine Erdkabelverlegung gesetzlich beschlossen. Für uns ein Neubeginn – und die Möglichkeit, das Projekt auch kommunikativ nochmals zu überdenken.

Unser SuedLink-WebGIS – maximale Transparenz, maximale Beteiligung

Eine Neuerung: Die Menschen sollen sich einfacher und transparenter an der Planung beteiligen können. Aus dieser Idee entstand unser digitaler Kartendienst WebGIS. Mit Hilfe des online-basierten Planungstools können Bürger eigene Hinweise einreichen und direkt geografisch verorten. Wir profitieren dabei vom lokalen Wissen der Bevölkerung – und erhielten beispielsweise Hinweise zu geplanten Naturschutzgebieten oder neuen Baugebieten. Die Menschen vor Ort kennen ihre Region am besten, und viele nutzen diese Möglichkeit zur Beteiligung. Allein im Rahmen der informellen Beteiligungsphase im Herbst 2016 gingen online fast 7.000 Hinweise ein. Im WebGIS sind alle Planungsdaten, sämtliche Hinweise der Bürger und die Antworten unserer Fachplaner sichtbar. Mehr Transparenz geht nicht. Das sagen wir nicht selbst über uns, sondern unabhängige Jurys, die unseren Projektpartner TenneT und uns mit mehreren Kommunikationspreisen ausgezeichnet haben.

Wir nehmen die Bedenken der Menschen ernst und prüfen Alternativen

Menschen bei einer Informationsveranstaltung zum Projekt Suedlink
SuedLink-Info-Märkte: Kommunikation auf Augenhöhe

Foto: TransnetBW

Mindestens genauso wichtig für die Akzeptanz ist das persönliche Gespräch mit den Bürgern vor Ort. Seit 2014 sind wir mit unserem SuedLink-Projektteam unterwegs. Allein im vergangenen Frühjahr haben wir über 14.000 Kilometer zurückgelegt, um die Bevölkerung und Politik in 39 Landkreisen über das Projekt zu informieren. Auf unseren Info-Märkten stellen wir uns den Fragen und Bedenken von Anwohnern und Grundstückseigentümern und informieren sie über das weitere Verfahren, die Beteiligungsmöglichkeiten oder Maßnahmen zum Bodenschutz. Viele der mehr als 1.300 Besucher lobten die Kommunikation auf Augenhöhe – und verließen die Info-Märkte mit einem deutlich weniger sorgenvollen Blick auf das Projekt.

Für uns bieten die Info-Märkte einen wertvollen Perspektivwechsel. Im Arbeitsalltag beschäftigen wir uns meist mit den technischen oder planerischen Fragen und sehen das Projekt durch die unternehmerische Brille. Das direkte Gespräch sowohl mit den Bürgern als auch mit der lokalen Politik gibt uns einen Einblick in die Themen, die vor Ort wichtig sind. Diese Erfahrungen lassen wir in das Projekt und die Planung einfließen.

Ein Beispiel: Das Umweltministerium Baden-Württemberg brachte im Rahmen der Bundesfachplanung den Vorschlag ein, die SuedLink-Kabel unter Tage in den Schächten des Salzbergwerks Kochendorf und Heilbronn zu verlegen. In der Region rund um Heilbronn stellen Flüsse, Autobahnen sowie Siedlungs- und Gewerbegebiete eine große Herausforderung für eine Erdkabelverlegung dar. Die Alternative wird nun durch unsere Fachplaner und die Bundesnetzagentur intensiv geprüft. „Wir sind für solche Vorschläge sehr dankbar. Ein Großprojekt wie SuedLink lässt sich ohne die Unterstützung und die Zustimmung der Bürger und Politik nicht umsetzen“, betont auch Dr. Werner Götz, Vorsitzender der Geschäftsführung der TransnetBW.

Wir sind auf dem richtigen Weg

Die Geschäftsführung von TransnetBW steht voll und ganz hinter dem SuedLink-Kurs der maximalen Transparenz und Beteiligung. Wir sind für die Menschen und die Politik ansprechbar – fast rund um die Uhr. Auch deswegen sind wir mit SuedLink im Zeitplan. Ohne eine gemeinschaftliche Leistung der Unternehmen TransnetBW und TenneT sowie unserer Dienstleister, die uns tagtäglich bei der Kommunikation, der Bürgerbeteiligung und auch der Planung unterstützen, wäre das nicht möglich. Doch wir stehen erst am Anfang. Der nächste Schritt: Im April 2019 eröffnet am SuedLink-Konverterstandort in Leingarten ein Infocenter. SuedLink und die Energiewende werden hier für den Besucher erlebbar. Wir ebnen den Weg.

Weiterführende Informationen zum Projekt SuedLink finden Sie unter www.transnetbw.de/de/suedlink.

Infografik zu Statistiken der Infomärkte zum Projekt SuedLink

Grafik: TransnetBW

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