Umfrageergebnis: Was ist das größere Risiko bei der Nutzung von Erdgas?

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Redaktion

Stiftung Energie & Klimaschutz
19. Juli 2016
Was ist das größere Risiko bei der Nutzung von Erdgas?

Das wollten wir in der letzten Umfrage von Ihnen wissen. Wir gaben zwei Antwortmöglichkeiten vor: Die Abhängigkeit von politisch schwierigen Partnern und die Umweltauswirkungen bei Exploration und Verbrennung. Es gab ein eindeutiges Ergebnis. Die Leserinnen und Leser schätzen die Risiken als gleich groß ein – auf die Antworten entfielen jeweils 50 Prozent der Stimmen. Politisch schwierige Partner als Lieferanten und die Umweltauswirkungen machen zusammen das Risiko bei der Nutzung von Erdgas aus.

Das Risiko Erdgas in den internationalen Beziehungen

Werfen wir (s. Grafik) einen Blick auf die Bedeutung des Energieträgers Erdgas und unsere Bezugsquellen, so können wir zwei Dinge feststellen:

  1. Der Anteil von Erdgas am Primärenergieverbrauch ist kontinuierlich in den letzten Jahrzehnten gestiegen.
  2. Der Rückgang der Erzeugungskapazitäten in den Niederlanden und in Deutschland wurde durch eine höhere Einfuhr aus Russland kompensiert.Das Risiko Erdgas hier dargestellt in der wachsenden Abhäbngigkeit gegenüber Russland.

Der russische Anteil am deutschen Gasverbrauch liegt derzeit bei 40 Prozent und könnte mittelfristig weiter steigen. Die Sanktionen, die die EU und die G-7-Staaten infolge der Besetzung der Krim und des Krieges in der Ukraine gegen Russland verhängt haben, zeugen von den Problemen im Verhältnis zu Russland. Die Sanktionen betreffen nicht den Import von Erdgas.

Dass die wirtschaftliche Partnerschaft mit Russland auch perspektivisch schwierig sein könnte, versuchen EU und Bundesregierung in ihrer Strategie zur Sicherung der Gasversorgung zu berücksichtigen. Um einer wachsenden Abhängigkeit der Belieferung durch Gazprom zu entgehen, wurde ein ganzer Katalog von Maßnahmen ergriffen:

  • Diversifikation der Bezugsquellen und Transportwege,
  • stabile Beziehungen zu Lieferländern,
  • langfristige Gaslieferverträge,
  • eine gute Versorgungsinfrastruktur mit großen Speichern,
  • Zugang zu LNG-Terminals („liquefied natural gas“) in Belgien (Zeebrügge) und den Niederlanden (Rotterdam)

Zudem wurde 2014 ein Gas-Stresstest der Europäischen Kommission durchgeführt, bei dem mögliche Engpass-Szenarien auf europäischer Ebene geprüft wurden. In 38 europäischen Staaten wurden zwei konkrete Ausfallsituationen simuliert: Ein vollständiger Lieferstopp von russischem Erdgas sowie die Unterbrechung der russischen Gasimporte über die ukrainische Transitroute für einen Zeitraum von einem oder sechs Monaten. Die Learnings aus dem Stresstest hat die EU-Kommission in ihre aktuelle Überarbeitung der EU-Gasversorgungssicherheitsverordung aufgenommen.

Erdgasförderung

Über die Erdgasförderung in Sibirien und die Auswirkungen auf Mensch und Natur gibt es zahlreiche Berichte, die zum Teil aus einer anderen Welt zu kommen scheinen.  Was genau in Sibirien bei der Exploration des Erdgases passiert, darüber gibt es kaum verlässliche Zahlen. Aber man braucht nicht in die Weiten der Taiga zu schauen, um Umweltgefährdungen durch Erdgasexploration zu entdecken: Aus dem Blickfeld der Öffentlichkeit verschwunden ist ein sein 1990 (!!) bestehendes  Erdgasleck in der Nordsee, das bei Prospektionsarbeiten der Firma Exxon Mobil entstanden ist. Aus der Austrittsstelle vor der Küste Schottlands strömen etwa 300.000 Tonnen Methan jährlich ins Meer. Die Firma hat bereits vor fast zwanzig Jahren alle Untersuchungen am Gasleck eingestellt. Man verfüge nicht über die nötige Technologie, das Leck wieder zu schließen. (Es fehlt die Auflage, dass Unternehmen nur dann Löcher bohren dürfen, wenn sie in der Lage sind, diese auch im Notfall wieder komplett zu schließen.) Forscher forderten erst jüngst wieder, dass das Loch zu überwachen sei.

In den Emissionsbilanzen von Erdgas fehlt auch das Methan, das aus bereits verlassenen Bohrlöchern austritt. Forscher vom Geomar Forschungszentrum untersuchten drei verlassene Bohrlöcher in Norwegen. Allein an diesen drei Bohrungen treten etwa 24 Tonnen pro Jahr aus. In der Nordsee gibt es mehrere Tausend verlassene Bohrlöcher. Der Bericht der „Welt“ verweist auf eine Studie der Stanford Universität, dass die Zahl der verlassenen Bohrlöcher in den USA mit drei Millionen anzusetzen sei. „Niemand weiß, wie viel Methan sie freisetzen.“

Ein falsch gesetztes Bohrloch in der Wüste von Turkmenistan im Jahre 1971 führte zu einem Methanausbruch, der ein gewaltiges Loch in den Boden riss. Man hoffte, durch das Abfackeln den Methanausbruch in ein paar Tagen in den Griff zu bekommen. Doch das „Tor zur Hölle“, mittlerweile eine Touristenattraktion, brennt seit nunmehr 45 Jahren.

Unsere Umfrage lief vom 27. Juni bis zum 17. Juli. An ihr nahmen 140 Personen teil. Zu unserer aktuellen Umfrage „Wie lange werden wir Erdgas in Deutschland noch brauchen?“ geht es hier entlang.

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