Erster digitaler Debattenabend: Klimaschutz in China: Ein Riese auf dem Weg?!

Gastautor Portrait

Redaktion

Stiftung Energie & Klimaschutz
06. Mai 2020

Annähernd 300 Zuschauer und damit ein Plus von 66 Prozent gegenüber dem letzten Mal verfolgten unseren jüngsten Debattenabend: Der erste digitale Debattenabend im Zeichen der Corona-Pandemie. China und die Auswirkungen der Pandemie auf den Klimaschutz waren die Themen.

Und zugleich leider auch ein fulminanter Abschied von Stiftungs-Vorständin Ulrike Steinbrenner, die zum Sommer 2020 die Stiftung auf eigenen Wunsch verlässt, was Stiftungs-Vorstand Holger Schäfer zu Beginn des Debattenabends mit großem Bedauern mitteilte. Er bedankte sich bei Uli für ihr langjähriges Engagement für die Stiftung und betonte, dass sie mit den vielen Debattenabenden, deren Planung und Organisation in ihrer Hand lagen, der Debatte um den Klimaschutz in Deutschland auf vielfältige Weise eine wunderbare Bühne bot.

Versiert moderiert von Ariane Bertz und mit Hilfe eines engagierten Technik-Teams im Hintergrund konnten sich unsere Podiumsteilnehmenden angeregt über diese Frage unterhalten: „Klimaschutz in China – Ein Riese auf dem Weg?!“. Auf der virtuellen Bühne standen diesmal drei ausgewiesene Experten mit ganz unterschiedlichen Erfahrungen und Blickwinkeln nach Fernost: Arvea Marieni ist Beraterin für Strategie und Innovation sowie renommierte Expertin für Umwelttechnik und spezialisiert auf die Kooperation zwischen China und Europa. Der promovierte Sinologe Matthias Niedenführ wurde 2014 zum Junior-Professor der Sinologie und Wirtschaftsethik an der Universität Tübingen berufen. Seit 2016 ist er Vize-Direktor des China Centrums Tübingen (CCT). Und als weiterer Diskutant war Dr. Hans-Josef Zimmer in der Runde vertreten, Mitglied des Vorstands der EnBW, der in die Diskussion seine sehr lebendigen Eindrücke einer erst kurze Zeit zurückliegenden China-Delegationsreise und daraus resultierenden Einschätzungen einbrachte.

Corona vs. Klimaschutz – das darf nicht sein

In ihrer Begrüßung betonte Stiftungs-Vorständin Ulrike Steinbrenner, dass der wochenlange Lockdown in China, bedingt durch die Bekämpfung der Ausbreitung von COVID-19, Chinas Wirtschaft einen harten Dämpfer verpasst hat. Derzeit ist von einem Konjunktureinbruch von 6,8 Prozent die Rede, und die Frage liegt nahe: Welche Konsequenzen hat das für die Klimaschutzbemühungen in China – und für die internationalen Kooperationen? Welche Perspektive hat der Klimaschutz in China und auch weltweit derzeit unter Rahmenbedingungen, die noch keiner von uns erlebt hat? Als der Debattenabend vorbereitet wurde, war die Kernfrage noch unberührt von den weltweiten Corona-bedingten Auswirkungen und fokussierte den Aspekt, ob der Riese China in Sachen Klimaschutz auf den Weg sei. Ob Frage oder Feststellung bildete je nach Perspektive eine facettenreiche Diskussion. Fakt ist: China hat mittlerweile über 100 Milliarden Dollar in Klimaschutz investiert. Das ist mehr als die USA und Europa gemeinsam bislang aufgebracht haben.

Rolle rückwärts oder Sprung nach vorne

Ich hoffe, dass nun sogar eventuell eine Beschleunigung in Sachen Klimaschutz erfolgen kann.

Arvea Marieni, Beraterin für Strategie und Innovation

Nach Einschätzung von Arvea Marieni besteht die Hoffnung, dass die Corona-Krise eher eine Beschleunigung in der Energiewende ermöglicht durch eine Transformation der Gesellschaft in Richtung Nachhaltigkeit.

Zur Rolle rückwärts vs. Sprung nach vorne meinte der Sinologe Matthias Niedenführ: „Wir erleben seit nunmehr vier Monaten die ganze Welt im Stresstest. Alle Systeme und Organisationen sowie politischen Strukturen sind einer sehr harten Prüfung unterworfen. Gerade jetzt in China in Sachen Klimaschutz noch stärker durchzugreifen ist eine Chance. Es kann also ein Setting sein, wo alles nach vorne geht.“ Niedenführ machte aber auch deutlich, dass dieser Sprung nach vorne kein Automatismus ist. EnBW-Vorstand Zimmer beleuchtete die positiven Aspekte in dieser Fragestellung: „Ich sehe eine Chance darin, wenn konjunkturelle Maßnahmen eingeleitet werden, dass diese auch Arbeitsplätze schaffen, die für den Klimaschutz sorgen.“ Zimmer betonte weiterhin, dass wir uns trotz der gegenwärtigen Corona-geprägten Lage stets vergegenwärtigen müssen, dass die Verknüpfung von Nachhaltigkeit und Klimaschutz viel größere Werte schaffen können als wenn alle in den letzten Jahre initiierten Bemühungen jetzt eingeschränkt würden. „Wir sollten das jetzt als Chance wahrnehmen, uns nach der Krise neu aufzustellen“, so Dr. Zimmer.

Aktive Teilnahme vom Sofa aus

Ich glaube nicht, dass wir eine Rolle rückwärts erleben. Die Länder, die sich zum Klimaschutz über Paris bekannt haben, werden davon nicht abrücken.

Dr. Hans-Josef Zimmer, Mitglied des Vorstands der EnBW, Chief Technical Officer

Wie stehen wir heute technologisch im Vergleich zu China da? Wie sieht die Welt in fünf Jahren aus? Sehen die chinesischen Behörden eher Europa als Verhandlungspartner oder Deutschland als Einzelstaat? Diese und viele weitere Fragen machten die 75 Minuten Debattenabend zu einem kurzweiligen und von Informationen und Meinungen dicht gedrängten Dialog, der auch im Nachhinein sehenswert ist. Von den knapp 300 Livestream-Zuschauerinnen und Zuschauern beteiligten sich rund 120 Interessierte an unseren Menti-Umfragen und fütterten die Chatbox mit Fragen ans Podium. Bei den Online-Umfragen ging es unter anderem um ein Stimmungsbild zur persönlichen Meinung aus dem Publikum, inwieweit China in Sachen Klimaschutz technologisch Deutschland gegenüber einzuschätzen ist. Die Umfrage spiegelte ein optimistisches Bild wider, dass Deutschland und China gemeinsam für den Klimaschutz eine Menge positiver Beiträge leisten könnten, was sich auch in den Statements der Podiums-Diskutanten so bestätigte.

Mentimeter-Umfrage unter den Zuschauerinnen und Zuschauern des ersten digitalen Debattenabend

Mentimeter-Umfrage unter den Zuschauerinnen und Zuschauern des ersten digitalen Debattenabend

Aufzeichnung des digitalen Debattenabends

In dem folgenden Video können Interessierte den ersten digitalen Debattenabend der Stiftung Energie & Klimaschutz in voller Länge ansehen: ein Fundus an Knowhow, Expertenwissen und Statements zur Kernfrage: „Klimaschutz in China – ein Riese auf dem Weg?!“. Wir von der Stiftung Energie & Klimaschutz bedanken uns herzlich bei allen Mitwirkenden hinter den Kulissen und bei unserer Moderatorin und den Podiumsdiskutanten für dieses einzigartige Format. Wir freuen uns auf den nächsten Dialog – sei es digital auf unserem Twitter-Account, auf unserer LinkedIn-Seite, für die Alumni unserer Jungen Stiftung in unserer LinkedIn-Gruppe oder bei nächster Gelegenheit in persönlicher Begegnung.

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