Was machen die anderen Energieblogs? Heute: Blog stromhaltig

Gastautor Portrait

Hubertus Grass

Kolumnist
25. Juli 2014
Der Blick übern digitalen Gartenzaun: Energieblogs.

Thorsten Zoerner betreibt als Datenjournalist den Blog.Stromhaltig und die angebundenen Simulationssysteme. Er bloggt über zentrale Herausforderungen der Energiewende und legt ein besonderes Augenmerk auf das Thema Netzinfrastruktur. Bereichert wird das Angebot durch aktuelle Daten zum Beispiel zu Netzstabilität und Stromimporten. Drei kurze Monographien zu einzelnen Aspekten des Strommarktes hat er im letzten Jahr veröffentlicht, er ist Gründungsmitglied der Energieblogger scShotstromhaltig

Wir stellten Thorsten Zoener vier Fragen:

DEZ: Was hat Sie motiviert, einen Energiewendeblog zu betreiben, und was hält die Motivation lebendig?
Zoerner: Die Energiewende ist für mich eine Herausforderung, bei der jeder etwas aktiv mit seinem persönlichen Wissen und Engagement beitragen kann. Bei mir persönlich ist es die Faszination, hinter den Zahlen die Zusammenhänge zu verstehen und mit möglichst wenig Mathematik und Fachchinesisch verständlich zu machen. Lebendig bleibt diese Motivation durch Rückkopplungen, wenn ein Modell aufgegriffen wird, eine Idee mit anderen Worten beschrieben wird. Nach über 15 Jahren Blogautorenschaft löst die Emotionalität der Debatte in meinem Energiewendeblog bei mir eine besondere Faszination aus. Sobald es persönliche Angriffe in Kommentaren gibt, weiß man, dass man es geschafft hat: Der Blog ist relevant. 

DEZ: Wie beurteilen Sie den Stand der Energiewende und die Diskussion im Netz?
Zoerner: Für die Antwort dieser Frage muss ich etwas weiter ausholen. Der Slogan meines Blogs ist „Mehr Nachhaltigkeit beim Strom“. Meine Definition von thorsten_zoernerNachhaltigkeit ist eine „Null-Verbrauch-Strategie der Weltbevölkerung“, dass eine Generation nicht mehr von der Erde entfernt, als zu Lebzeiten dieser Generation auch wieder entstehen kann. Die Energiewende im Netz stößt mit dieser Definition an ihre Grenzen, denn Dinge, die zunächst nachhaltig klingen, sind es manchmal nicht. Ein Beispiel zum Nachdenken: Alte Triebwerke von Flugzeugen, die mehr Sprit verbrauchen als neue Triebwerke, sind deutlich nachhaltiger – weil weniger geflogen wird. Bei der Diskussion im Netz spielen auch bei den Erfolgen zu oft kurzfristig umsetzbare Effizienzsteigerungen eine Rolle, die dann sehr schnell Anhänger finden mit ideologischen Dogmen. Da Brennstoffe immer knapper werden, wird die Energiewende zum Erfolg werden, weil sie sich wirtschaftlich rechnet. Den Fokus auf die (eigenen) Erfolge zu setzen und diese viel aktiver zu kommunizieren, anstelle über Subventionen in den Hinterzimmern des Netzes zu diskutieren, ist die größte Fehlentwicklung der Energiewendegemeinde im Netz.

DEZ: Welche politischen, wissenschaftlichen oder technischen Innovationen werden den Durchbruch für eine erneuerbare Energieversorgung bringen?
Zoerner: Die Energieversorgung wird viel zu stark von der Erzeugung aus gedacht. Ein innovations- und politischer Erfolg wird sich einstellen, sobald vom Stromkunden aus die Diskussion aufgerollt wird. Politisch, weil es dann gelingt die vielen Einzelentscheidungen und Debatten für jeden einzelnen „erlebbar“ zu machen (und ich meine nicht in Form von hohen Kosten!). Sobald einige Player der Wertschöpfungskette  „Strom“ es wagen, vom Kunden aus zu denken und auch wagen, dass dieser mündige Entscheidungen treffen kann, wird sich grundlegend etwas an dem gegebenen Selbstverständnis/Status Quo ändern. Die ersten Sprösslinge sind bereits erkennbar…

DEZ: Wann wird es in in Deutschland bei Strom, Wärme und Verkehr eine erneuerbare Energieversorgung geben?
Für meine Nerven hoffe ich viel schneller. Real werden wir wohl in den kommenden Jahren die ersten Stabilisierungen im Umbau der Stromversorgung erleben. Änderungen gehören dann nicht mehr zu politischen Tagesordnung. Gefolgt vom Umbau der Wärmeversorgung, die zu Teilen von der Stromwende als Energietransporter abhängig ist. Beim Verkehr sehe ich allerdings noch einen sehr, sehr langen Weg, da mir hier die inländischen Innovationen mit Signalwirkungen noch vollständig fehlen.
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