Was machen die anderen Energieblogs? Heute: Der Windwärts Blog.

Gastautor Portrait

Hubertus Grass

Kolumnist
18. Juli 2014
Der Blick übern digitalen Gartenzaun: Energieblogs.

Zahlreich sind die Energieblogs, die sich mit der Energiewende und ihren Facetten beschäftigen. Da stellt sich uns als Energiewende-Blog die Frage: Who is who? In loser Reihe stellen wir hier eine Auswahl aus der Energie-Blogosphäre vor und beginnen mit Windwärts. Los geht’s:

Der Windwärts Blog ist Teil des Internetauftritts der Windwärts GmbH, eines Projektentwicklers und Finanzierers für Windkraftanlagen. Seit 2013 bloggen dort Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Unternehmens sowie Studierende der Hochschule Hannover und andere Gastautoren über Energiepolitik, Gesichter der Energiewende und Projekte im Bereich der Erneuerbaren und laden zur Diskussion ein. Windwärts ist Mitglied bei den Energiebloggern. scSwin

Dr. Stefan Dietrich ist Pressesprecher von Windwärts und aktiver Blogger. Im Gespräch steht er dem Energiewende-Blog Rede und Antwort – von der eigenen Motivation als Blogger bis zur Energie-Diskussion im Netz:

DEZ-Blog: Was hat Sie motiviert, einen Energiewendeblog zu betreiben und was hält die Motivation lebendig?
Dietrich: Eine wichtige Motivation war es, abseits vom Tagesgeschäft Themen bearbeiten zu können, die für uns als Unternehmen, aber auch als Branche wichtig sind, und uns in die zunehmend online geführte gesellschaftliche Debatte über Windenergie und die Energiewende einzumischen. Wir sehen, dass die politische Auseinandersetzung und die Mediendebatte leider oft sehr verkürzt sind und in den vergangenen Monaten versucht wurde, die Energiewende zu zerreden. Daher sind alle aufgefordert, sich mit den ihnen zur Verfügung stehenden Mitteln einzumischen. Für uns als Unternehmen ist das eben auch der Blog und die Vernetzung mit den Energiebloggern.
Dazu kam, dass wir uns als Unternehmen eine transparente und offene Kommunikation schon immer auf die Fahnen geschrieben haben. Der Blog ist mit seiner Möglichkeit zum – durchaus auch kritischen – Dialog ein weiteres Angebot an unsere Stakeholder, mit uns zu kommunizieren.
In der Unternehmenskommunikation sind die Themen meistens unmittelbar auf das Unternehmen bezogen. Gleichzeitig bewegen wir uns aber in einem Marktumfeld, das noch deutlich stärker als in anderen Branchen von politischen Entscheidungen und gesellschaftlichen Debatten geprägt ist. Der Blog gab uns von Anfang an die Möglichkeit, häufiger und auch deutlicher Stellung zu beziehen zu den energiepolitischen Entscheidungen und Debatten, die ja verstärkt auch online geführt werden. Dabei lassen wir auch Dritte zu Wort kommen und treiben so die Vernetzung mit anderen Akteuren voran.stefan-dietrich
Die Motivation ging und geht aber darüber hinaus. Wir können auch über unsere Aktivitäten vor Ort berichten, etwa in der Umweltbildung. Vieles, was wir in der Unternehmenskommunikation tun, bewegt sich ja unterhalb der Aufmerksamkeitsschwelle, die eine Pressemitteilung oder andere klassische Instrumente rechtfertigen würde. Dennoch ist zum Beispiel jede Aktion an einer der von uns gebauten Anlagen wichtig, um Akzeptanz für die Energiewende zu erreichen. Darüber können wir im Blog berichten und Menschen erreichen, die vor Ort nicht dabei sein können.
Angesichts dieser Themenvielfalt ist es nicht schwer, die Motivation lebendig zu halten. Alle von uns, die Blogbeiträge verfassen, freuen sich darüber, wenn sie damit die Öffentlichkeit im Netz erreichen, wenn die Beiträge geteilt oder getwittert werden, oder wenn ein Beitrag auf unserer Seite kommentiert wird – auch kritisch. Außerdem macht es einfach Spaß, stilistisch etwas freier zu sein und die Beiträge auch mal mit Ironie oder anderen Stilmitteln zu würzen.            

DEZ-Blog: Wie beurteilen Sie den Stand der Energiewende und die Diskussion im Netz?
Dietrich: Die Energiewende hat bereits vieles erreicht, aber leider nur einen ihrer Aspekte betreffend. Der Ausbau der erneuerbaren Energien im Stromsektor ist sicherlich der große Erfolg der Energiewende – und gerade deshalb unter Beschuss. An allem anderen fehlt es aber noch. Damit meine ich nicht nur den Wärmemarkt und den Mobilitätssektor, sondern auch die Frage nach dem Strommarktdesign der Zukunft. Anteile der erneuerbaren Energien an der Stromerzeugung von – je nach Interessenlage und ideologischem Hintergrund – 50 bis 100% zu fordern, ist an sich ja begrüßenswert. Allerdings muss sich das gesamte Energieversorgungssystem ändern, damit das gelingen kann. Dieser Aspekt ist in der ganzen Debatte unterbelichtet, und die negativen Konsequenzen des Festhaltens an veralteten Strukturen werden dann auch noch oft fälschlicher Weise den Erneuerbaren in die Schuhe geschoben. Denken wir nur an die paradoxe Situation, dass der CO2-Ausstoß wieder ansteigt, obwohl die Erneuerbaren zulegen.

windwärtAnlages
Leider geht die Diskussion im Netz wie auch anderswo darauf zu wenig ein. Auch dort hat die Strategie gegriffen, die Energiewende auf eine Kostendiskussion zu reduzieren, und dabei auch noch unlauter vorzugehen. Aber auch die Befürworter der Energiewende beschränken sich viel zu sehr auf eine Abwehrhaltung à la „Hände weg vom EEG“, anstatt die wichtigen Zukunftsfragen zu thematisieren. Kurzfristige politische Auseinandersetzungen dominieren die Debatte. Es ist sicherlich richtig, darauf hinzuweisen, dass die EEG-Reform interessengeleitet ist und in erster Linie dazu dienen soll, die Energieversorger wieder zu den Herren des Geschehens zu machen. Eine zukunftsgerichtete Debatte sieht aber anders aus.

DEZ-Blog: Welche politischen, wissenschaftlichen oder technischen Innovationen werden den Durchbruch für eine erneuerbare Energieversorgung bringen?
Dietrich: Um wissenschaftliche oder technische Innovationen mache ich mir keine Sorgen. Wir werden sicherlich ausgereifte Speichertechnologien haben, wenn wir sie auch tatsächlich brauchen, und das ist sicherlich nicht heute und auch nicht in den nächsten Jahren. Vieles, was benötigt wird, ist ja schon vorhanden und – wie etwa bei der Power to Heat-Technik – seit langem bewährt. In der Windenergie ist die grundlegende Technologie ausgereift und wird sich nicht mehr winwärtswesentlich verändern, auch wenn etwa in der Materialforschung noch vieles machbar und zu verbessern ist. Die Entwicklung in der PV hat gezeigt, dass es nicht um wissenschaftliche Durchbrüche geht, sondern um eine kontinuierliche Verbesserung der Produktionsprozesse.
Die wesentlichen Innovationen sind politisch und gesellschaftlich. Wir brauchen ein Umdenken, was die Strommärkte angeht. Nehmen wir den Begriff ,,Grundlast“. Der entstammt dem fossil-nuklearen Denken, mit Kraftwerken, die immer laufen und rund um die Uhr gleichmäßig Strom produzieren. Bis heute wird von Gegnern der Energiewende das Mantra wiederholt, Wind- und Solarstrom seien ,,nicht grundlastfähig“. Ein Energiesystem, das auf erneuerbaren Energien beruht, muss aber mit diesem Denken brechen. Wir brauchen flexible Residuallasten, nicht unflexible Grundlasten. Überhaupt ist Flexibilität das Gebot der Stunde, nicht nur bei der Stromerzeugung, sondern auch beim Verbrauch. Bei den notwendigen Innovationen geht es also weniger um die Erzeugungstechnologien an sich (auch wenn dort Innovationen weiterhin wichtig sind), sondern um die intelligente Steuerung des Energiesystems, und zwar aller Teilbereiche, also auch Wärme und Mobilität. Davon sind Politik und große Teile der Energiewirtschaft aber noch weit entfernt.

DEZ-Blog: Wann wird es in Deutschland bei Strom, Wärme und Verkehr eine erneuerbare Energieversorgung geben?
Dietrich: Je früher, desto besser. Als gelernter Politikwissenschaftler bin ich aber sehr vorsichtig mit Prognosen dieser Art. Wenn wir auf dem richtigen Weg sind und uns tatsächlich für eine echte Energiewende entschieden haben, dann kommt es m.E. auch nicht darauf an, ob wir eine erneuerbare Vollversorgung 2038 oder 2051 erreichen.

DEZ-Blog: Vielen Dank für die interessanten Einblicke in die Energie-Blogosphäre von Windwaerts. Auf gute Nachbarschaft, die die Energiewende weiter voranbringt.
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Fotos: Windwärts Energie GmbH / Photographer: Mark Mühlhaus/attenzione
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