Energie-Reporterin Naemi Schink in Südkorea

Naemi Schink

Energie-Reporterin

Naemi Schink berichtet für uns aus Südkorea zu den Themen Energiewirtschaft, Klimaschutz und Energiewende.

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09. November 2022

Sharing Economy in Seoul

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In ihrem ersten Video berichtet Energie-Reporterin Naemi über die Sharing Economy in Seoul. Sie beschreibt welche Vorteile das Konzept hat und warum Seoul eine gute Infrastruktur für diese Art von Ressourcenwirtschaft hat. Weiter geht Naemi darauf ein, welche Herausforderungen das System bisher noch mit sich bringt.

Nachhaltigkeitscheck: Ein typischer Tag in Seou

Seoul ist mit seinen 25 Millionen Einwohnern eine der größten Städte der Welt, in der die Regierung einen großen Wert auf Nachhaltigkeit legt (Siehe hierzu gerne meinen anderen Beitrag zum Thema Sharing City Seoul). Wie nachhaltig lebt aber jeder Einzelne im Durchschnitt?

Anhand der drei Kategorien Essen, Pendeln und Wohnen & Arbeit kann man eine gute Einschätzung über die Nachhaltigkeit des Alltags eines typischen Einwohners der Südkoreanischen Hauptstadt treffen.

Essen – Fleisch & Coffee to go

Nationalgerichte wie “Bulgogi” (heisst soviel wie Feuerfleisch) und “Samgyeopsal” (eine Art Schweinebauch-Grillteller, der direkt am Tisch zubereitet wird) geben bereits einen ersten Eindruck davon, welchen Stellenwert Fleisch in der Südkoreanischen Küche einnimmt. In vielen Restaurants gibt es keine oder kaum vegetarische Gerichte zur Auswahl. Lediglich die Beilagen (“Banchan”) bestehen häufig aus eingelegtem Gemüse. Zu dieser Kategorie ist auch das berühmte “Kimchi” (scharf eingelegter Kohl) zu zählen. Tatsächlich ist der Fleischkonsum in Korea im weltweiten Vergleich mit etwa 43 kg pro Kopf und Jahr jedoch durchschnittlich. Der durchschnittliche Deutsche konsumiert fast doppelt so viel.

Fleisch, insbesondere Rindfleisch, hat einen sehr hohen CO2- Abdruck, etwa 65 mal höher als der von heimischem Gemüse. Trotz der wenigen fleischlosen Optionen steht Südkorea jedoch auf Grund der geringeren Masse an konsumierten Fleisch besser da als Deutschland.

Zu einem typischen Tag gehören in Südkorea 2,7 Tassen Kaffee, damit gehört das Land zur Weltspitze. Der überwiegende Anteil dieser Kaffees wird To-Go bestellt, häufig wird dies preiswerter angeboten als vor Ort Verzehr. Das führt dazu, dass sehr viele Plastikbecher verwendet werden. Im Übrigen gibt es in Korea noch kein Verbot von Einwegplastik. Fast alles – auch Obst und Gemüse – wird in Plastik verpackt verkauft.

Pendeln – Das beste ÖPNV Netz der Welt

Etwa 7 Millionen Menschen nutzen täglich die Busse und Bahnen des ÖPNV-Netzes in Seoul. Das entspricht etwa 65% der gesamten Fahrten, und somit fast doppelt so viel wie die Fahrten, die per Auto zurückgelegt werden. Damit liegt Südkorea weit vor deutschen Städten, hierzulande werden in Großstädten wie Hamburg bloß ein Drittel der Strecken mit dem deutlich umweltfreundlicheren ÖPNV gefahren. Ein Grund für die starke Nutzung des Netzes sind die gute Erreichbarkeit und hohe Frequenz der Busse und Bahnen. Ein weiterer liegt in ökonomischen Anreizen. Eine Fahrt durch die ganze Stadt per U-Bahn kostet bloß 1.300 KRW, also bloß 0,93€, und Umstiege sind kostenlos, wenn sie innerhalb von 30 Minuten geschehen. Wenn man dann noch die Sauberkeit der Züge und Busse berücksichtigt, ist es also kein Wunder, dass das Netz als eines der besten der Welt gilt.

Wohnen & Arbeit – Aufholbedarf bei Erneuerbaren Energien

Nachhaltigkeit im Wohnbereich und im Büro wird hauptsächlich durch den Energiemix und den Wasserverbrauch bestimmt. Hauptenergieträger ist Braunkohle mit 40,4%, gefolgt von Atomkraft und Flüssiggas, welche beide etwas über 25% zur Stromerzeugung beitragen. Der Anteil Erneuerbarer Energien lag 2019 bei bloß 6,5%. Zum Vergleich, in Deutschland waren es im selben Jahr 40,1% der Bruttostromerzeugung. Hier besteht offensichtlicher Aufholbedarf für Südkorea. Geplant ist ein Ausbau auf 20,8% bis zum Jahr 2030.

Der Wasserverbrauch eines typischen koreanischen Haushalts ist vergleichbar mit dem der USA, und liegt somit deutlich über dem weltweiten Durchschnitt.

Ein weiterer Faktor sind die Produkte, die in der Küche und im Bad verwendet werden. Hier ist noch kein Trend in Richtung nachhaltiger, veganer, wiederverwendbarer Produkte zu erkennen.

Fazit

Die alltägliche Nachhaltigkeit in ihren verschiedenen besprochenen Dimensionen spielt noch keine besonders große Rolle im Alltag der Südkoreaner. Besonders vorbildlich ist das Land und insbesondere Seoul, wenn es um die Nutzung des ÖPNV geht. Die typische Ernährung ist recht fleischlastig, Tendenz steigend, liegt jedoch im weltweiten Durchschnitt. Aufholbedarf hingegen gibt es bei dem Anteil Erneuerbarer Energien. Zu den Gründen dafür und eventuellen Barrieren beim weiteren Ausbau dieser berichte ich in meinem nächsten Beitrag.

 

Quellen:

https://www.destatis.de/DE/Themen/Laender-Regionen/Internationales/Thema/landwirtschaft-fischerei/tierhaltung-fleischkonsum/_inhalt.html#:~:text=Der%20j%C3%A4hrliche%20Fleischverbrauch%20hat%20in,2019%20bereits%2043%2C2%20Kilogramm.

http://world.kbs.co.kr/service/news_view.htm?lang=g&Seq_Code=54511

https://utopia.de/klimabilanz-lebensmittel-vergleich-188338/

https://www.nzz.ch/panorama/die-suedkoreaner-trinken-jetzt-kaffee-statt-tee-ld.1521211#:~:text=In%20punkto%20Kaffeekonsum%20geh%C3%B6rt%20S%C3%BCdkorea,der%20bei%20132%20Tassen%20liegt.

https://www.internationalteflacademy.com/blog/the-top-10-public-transportation-systems-around-the-world

https://www.researchgate.net/publication/263568620_End-use_analysis_of_household_water_by_metering_The_case_study_in_Korea

https://www.destatis.de/DE/Themen/Branchen-Unternehmen/Energie/Erzeugung/Tabellen/bruttostromerzeugung.html

https://www.gtai.de/de/trade/suedkorea/branchen/suedkorea-will-mehr-strom-aus-erneuerbaren-energiequellen-655986

https://www.webuildvalue.com/en/global-economy-sustainability/seoul-a-megacity-on-a-human-scale.html

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https://blogs.iadb.org/transporte/en/how-south-korea-is-managing-public-transportation-under-covid-19/

Erneuerbare Energien in Südkorea

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In ihrem zweiten Video gibt uns Energie-Reporterin Naemi ein Status-Update zum Ausbau der erneuerbaren Energien in Südkorea. Sie erklärt, warum Südkorea den geringsten Anteil an erneuerbaren Energien im Energiemix hat und wie die Regierung etwas dagegen tun will.

Klimaproteste in Südkorea - wie verbreitet sind sie?

Klimaproteste von Fridays for Future haben vor der Corona-Pandemie in Deutschland die Medien bestimmt und sogar Wahlen beeinflusst. Doch wie sieht es in Südkorea aus? Wie stark sind Klimaproteste dort verbreitet? Und was wurde bisher erreicht? Darum soll es in diesem Artikel gehen.

Doch zuerst ein kleiner Überblick über den aktuellen Stand Südkoreas in Sachen Klimaschädlichkeit. Das Land hat zur Zeit den neunt höchsten Kohleverbrauch weltweit, und es werden weiterhin neue Kohlekraftwerke gebaut und finanziert. Unter anderem dadurch ist das Land unter den sieben größten Treibhausgas-Emittenten der Welt. Trotz alledem hat der ehemalige Präsident Südkoreas Moon Jae-in, wie viele andere Nationen, das Ziel der Klimaneutralität bis 2050 ausgerufen. 

Es gibt zwei größere Klimaschutz-Gruppen in Korea. Die ‘Green Environment Youth Korea’ (GEYK) hat 75 Mitglieder und veranstaltet öffentliche Debatten und Filmabende. Die größte Errungenschaft der Gruppe ist, dass sie einen Ausbau der ‘sharing economy’ in Seoul (mehr zu dem Thema in diesem Beitrag) bewirkt haben, speziell der Infrastruktur für Elektroautos. 

Eine weitere Gruppe ist die ‘Youth 4 Climate’. Ihr Ziel ist es, dass das Land weniger in Kohle investiert und auf fossile Brennstoffe im Allgemeinen verzichtet. Die Gruppe hatte die Möglichkeit, vor der UN-Klimakonferenz 2019 in Madrid mit dem koreanischen Umweltminister zu sprechen, um diesem ihre Forderungen mitzuteilen. Jedoch gab der Minister zur Enttäuschung der Jugendgruppe zu, dass das Pariser Abkommen mit den aktuellen Maßnahmen nicht erreicht werden könne, aber andererseits auch nicht mehr unternommen werden könne. Daraufhin hat die Gruppe ihre Regierung dafür verklagt, dass ihr Grundrecht auf eine unversehrte Zukunft nicht geschützt wird. So etwas gab es zuvor im asiatischen Raum noch nie. 

Die zu Beginn bereits angesprochene Organisation Fridays for Future ist in Korea deutlich weniger verbreitet als in Deutschland. Zum Vergleich, der Instagram Account der deutschen Gruppe hat über eine halbe Million Follower. Das koreanische Pendant hat bloß 122. Beim globalen Klimastreik am 20. September 2019 waren in Berlin etwa 270.000 Menschen auf der Straße, im dreimal so großen Seoul nur 5000. 

Doch woran liegt das? Ein Grund könnte der hohe Druck in der Schule sein. Es ist sehr ungewöhnlich, im akademisch fokussierten Korea die Schule zu schwänzen – was für einen Streik während der Schulzeit notwendig wäre. 

Es gibt aber auch Gründe für die Annahme, dass die Bewegung immer weiter wachsen wird. 79% – 94% der Bevölkerung über 18 Jahre zeigen große Besorgnis über die Auswirkungen des Klimawandels. Außerdem, so zeigte eine UN Studie, haben koreanische Jugendliche größere Sorgen bezüglich des Klimawandels als Gleichaltrige aus Schweden, den USA und Kanada. Es bleibt also weiterhin spannend, die Entwicklungen vor Ort zu beobachten.

 

Quellen:

https://taz.de/Klimaproteste-in-Suedkorea/!5668532/ 

https://sumikai.com/nachrichten-aus-japan/klimaproteste-in-korea-mit-tausenden-menschen-258396/ 

https://kulturkorea.org/de/magazin/klimaproteste-suedkorea-die-leute-haben-es-mittlerweile-verstanden 

https://www.climatescorecard.org/2022/07/the-youth-voice-in-south-korea/

https://www.fr.de/politik/klimastreik-demos-freitag-2092019-millionen-fridays-future-zr-13012060.html

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