Energie-Reporterin Muriel Gévaudan in Schottland

Muriel Gévaudan

Energie-Reporterin

Muriel Gévaudan studiert in St. Andrews in Schottland und berichtet für uns zu den Themen Klimaschutz und Nachhaltigkeit.

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26. Januar 2022

Tauschmärkte in Schottland: das Netzwerk Transition

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Nachhaltiger Konsum wird beim Netzwerk Transition in St. Andrews großgeschrieben. Das Konzept ist Vorreiter in Sachen gemeinschaftliches Handeln und in der Wiederverwendung von bereits genutzter Ware. Muriel erläutert in ihrem dritten Beitrag als Energie-Reporterin, was das Besondere an der Bewegung ist.

Tauschmärkte, Skillshare-Events und Fahrradreparatur: das Netzwerk Transition

Schuhe, Gebrauchsgegenstände, Puppenwagen – bei den Tauschmarktevents von Transition gibt es alles mögliche.

Was ist nachhaltiger und günstiger, als die gesamte Ausstattung für die Wohnheimküche im Internet zu bestellen? Richtig – einfach das benutzen, was andere nicht mehr brauchen. Um diese aussortierten Gegenstände an einem Ort zu bündeln, bietet das Community-Netzwerk Transition in St Andrews wöchentlich einen Tauschmarkt in einer Garage auf dem Uni-Campus an.

Es gilt: Schuhe und Kleidung kosten einen kleinen Betrag, alles andere ist kostenlos. Alle können vorbeikommen und ganz informell Aussortiertes vorbeibringen und/oder die Regale und Kisten nach Dingen durchstöbern, die sie gebrauchen können.

Die Freiwilligen von Transition übernehmen die Organisation, sichten zur Verfügung gestellte Gegenstände und heißen alle mit einem freundlichen Lächeln willkommen. Sie arbeiten ehrenamtlich für das Netzwerk, weil sie sich für eine gemeinschaftliche Umsetzung von gesellschaftlichem Wandel in den Bereichen Klimaschutz und Nachhaltigkeit einsetzen wollen.

Ein oft gesehenes Bild in St Andrews: die Freiwilligen von Transition in ihren zitronengelben Westen

Die Bewegung Transition gibt es nicht nur in St Andrews, sondern auch in vielen anderen Städten in Großbritannien und weltweit. Der wichtigste Grundwert: gemeinschaftlich handeln. Transition strebt an, möglichst inklusiv zu sein und allen Mitgliedern der Community die Chance zu geben, sich zu engagieren und von der Arbeit des Netzwerks zu profitieren. Außerdem sollen Kontakte, Ressourcen und Fähigkeiten effizient eingesetzt und Synergien erkannt und genutzt werden.

Das Besondere an Transition: Das Level an Engagement kann jedes Community-Mitglied für sich selbst entscheiden. Manche sind jede Woche aktiv, andere einmal im Monat – und viele nehmen gerne einfach nur an punktuellen Aktionen und Veranstaltungen teil, die Transition auf die Beine stellt. Dazu gehören neben den Tauschmärkten auch Kochkurse, E-Bike-Events, Skillshare-Sessions zu Themen wie Nähen oder Patchwork-Quilting, Pflanz-Aktionen und Märkte, auf denen lokal angebaute bzw. hergestellte Produkte verkauft werden.

Ein großes Thema in St Andrews ist für Transition, den Fahrradverkehr zu fördern, besonders unter Studierenden. Das Netzwerk legt großen Wert darauf, dass es für alle so einfach wie möglich ist, an ein bezahlbares Fahrrad zu gelangen und dieses auch in Schuss zu halten. Dafür bietet Transition zu Beginn jedes Semesters gebrauchte Räder zum Verkauf an und hält wöchentlich Termine ab, bei denen Mechanikprofis dabei helfen, das eigene Rad selbst zu reparieren. Vor der Student Union gibt es außerdem einen „Cycle Repair Stand“ mit den wichtigsten Werkzeugen, an dem die Studierenden leichtere Reparaturen schnell und ohne Hilfe durchführen können.

Mit Reifenpumpe, Schraubenschlüssel und Co. können Studierende einfache Kleinigkeiten am Rad direkt selbst fixen.

Der Community-Gedanke wird bei Transition großgeschrieben. Und als Bewegung mit einem hohen Maß an Selbstorganisation – ohne Bindung an ein Unternehmen oder ein politisches Organ – hat das Netzwerk einen entscheidenden Vorteil: Die Freiwilligen können einfach machen und ihre Aktionen schnell, unbürokratisch und gemeinschaftlich umsetzen.

Weitere Informationen zu Transition in St Andrews sind auf der eigenen Website nachzulesen: https://transitionsta.org/

Mehr zu Transition weltweit, zu den Prinzipien des Netzwerks und zu Möglichkeiten der Teilhabe gibt es hier: https://transitionnetwork.org/

Die Vision der University of St Andrews: klimaneutral bis 2035

Eine britische Hochschule wie aus dem Bilderbuch: Die University of St Andrews wurde 1413 gegründet und ist damit die älteste Universität Schottlands.

Beitrag vom 19. Januar 2022

Die University of St Andrews (UStA) verfolgt das Ziel, bis 2035 „carbon net zero“, also klimaneutral, zu sein. Zum Vergleich: Die Europäische Union hat sich darauf geeinigt, ihre Klimaneutralität bis 2050 umzusetzen.

Um ihr ehrgeiziges Vorhaben erfolgreich zu realisieren, setzt die Universität auf drei Pfeiler. Sie will ihren Energieverbrauch an zahlreichen Stellen senken oder ganz eliminieren und gleichzeitig eigene, erneuerbare Energie erzeugen. Übrig gebliebene, unvermeidbare Emissionen sollen an anderer Stelle kompensiert werden (carbon offset), um damit vollständig klimaneutral zu werden.

Die UStA setzt das eigens dafür gegründete „Environment Team“ ein, das Teil ihrer Liegenschaftsabteilung ist und aus Vollzeit-Mitarbeitenden der Universität besteht. Sie alle bringen unterschiedliche Vorkenntnisse und ein großes fachbezogenes Interesse in den Bereichen Klima- und Umweltschutz, Nachhaltigkeit und Energie mit. Zusätzlich bietet das Team zweimal jährlich Praktika für Studierende an, die dem Team in dieser Zeit assistieren.

Die vielen altehrwürdigen Universitätsgebäude bieten großes Potenzial zur energetischen Sanierung.

Emissionen systematisch ausmerzen

Um dabei möglichst effizient vorzugehen, hat das Team seine Aufgabenbereiche in Emissionskategorien gegliedert und entwirft entsprechende Maßnahmen für jede einzelne.

Folgendes Statement ließ mir eine Repräsentantin des Environment Teams zukommen: „Net zero includes all environmental impacts. […] Emissions have been broken down into five broad areas: Energy and Operations, Construction, Business Travel (including student travel to St Andrews), Community and Procurement. […] Transformational actions and investment will be required across all of these aspects, in addition to positive sustainability interventions within our teaching and research areas.

We also have a wider goal to become sustainability positive by 2035 where biodiversity, circular economy and food are also factored in. This is to ensure everything the University does by 2035 will not have a negative, depleting impact on the planet and in fact will restore resources it has taken from the planet, helping meet the needs for future generations.”

Zu Deutsch: „Klimaneutralität umfasst alle Umweltauswirkungen. […] Wir haben unsere Emissionen in fünf große Bereiche unterteilt: Energie und Betrieb, Bauwesen, Geschäftsreisen (einschließlich der Anreise von Studierenden nach St Andrews), Gemeinschaft und Einkauf. […] In all diesen Bereichen werden transformative Maßnahmen und Investitionen erforderlich sein, zusätzlich zu nachhaltigkeitspositiven Veränderungen in unseren Lehr- und Forschungsbereichen.

Wir haben uns außerdem das erweiterte Ziel gesetzt, bis zum Jahr 2035 insoweit nachhaltigkeitspositiv zu werden, dass auch die Bereiche Biodiversität, Kreislaufwirtschaft und Ernährung mit eingeschlossen sind. Damit soll sichergestellt werden, dass alles, was die Universität bis 2035 unternimmt, keine negativen, erschöpfenden Auswirkungen auf den Planeten hat, sondern vielmehr die Ressourcen, die sie dem Planeten entnommen hat, wiederherstellt und dazu beiträgt, die Bedürfnisse künftiger Generationen zu erfüllen.“

Entgegen aller Klischees scheint in Schottland durchaus auch mal die Sonne – auf jeden Fall genug, um auf den Dächern der Universitätsgebäude Solarenergie zu sammeln.

Energie einsparen – und selbst erzeugen

Als eine der größten Maßnahmen zur Energieeinsparung plant die Universität, all ihre Gebäude energieeffizient zu sanieren und mit LED, besserer Wärmedämmung, effizientem Laborequipment und smarter Energietechnik auszustatten. Investitionen in diesem Bereich sorgen bereits jetzt dafür, dass die Universität 30% weniger Energie verbraucht als vor zehn Jahren, obwohl sie in diesem Zeitraum um 10% gewachsen ist.

Die UStA plant zudem ein stadtweites Wärmenetz als Teil eines Investitionsprojekt im Wert von 4,5 Mio. Pfund, das perspektivisch 1.000 t Kohlenstoffemissionen pro Jahr einsparen soll.

Und auch im Bereich Energieerzeugnis stehen mehrere Projekte in den Startlöchern: Die UStA ist im Gespräch mit dem Verteidigungsministerium, um grünes Licht für Planung und Bau zu bekommen um die „Kenly Windfarm“ zu bauen – einen Windpark, der ihr erlauben soll, alle Universitätsgebäude mit erneuerbarer Energie zu betreiben und so ihren CO₂-Fußabdruck um 50% zu senken. Im letzten Jahr hat sie eine 1-MW-Photovoltaikanlage auf dem Eden-Campus installiert und plant, sukzessive neue Anlagen auf Dächern zahlreicher Universitätsimmobilien einzusetzen.

Weitere Projekte umfassen eine Biomasseanlage, die Vergabe eines Klimaschutzpreises für das klimafreundlichste Wohnheim sowie Baumpflanz- und Aufforstungsmaßnahmen.

Einen ausführlichen Bericht über geplante und bereits angelaufene Maßnahmen und Projekte legte die UStA im September 2021 mit ihrem „Green Guide“ vor.

Er ist unter folgendem Link abrufbar: https://www.st-andrews.ac.uk/assets/university/sustainability/documents/Green%20Guide%20-%20August%202021_DU43319.pdf

Das Environment Team hat außerdem einen eigenen Bereich im Web-Auftritt der Universität, er ist hier zu finden: https://www.st-andrews.ac.uk/sustainability/

Nachhaltige Entwicklung und politisches Engagement im Studium

Beitrag vom 07. Dezember 2021

Die Energie-Reporterin Muriel Gévaudan studiert in St Andrews, in Schottland, und zeigt in ihrem ersten Video, dass der Studiengang “Sustainable Developement” sehr wichtige Aspekte rund um nachhaltige Entwicklung und Klimaschutz vermittelt.

Aber was kannst Du persönlich dafür tun? Ihre drei Mitbewohnerinnen erzählen, wie sie sich in ihrem privaten Umfeld nachhaltig klimaschonend durchs Leben bewegen.

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Nachhaltige Entwicklung und politisches Engagement im Studium

Meine Mitbewohnerinnen Leyla, Lilli und Leni auf West Sands.

Foto: Muriel Gévaudan

Beitrag vom 09. November 2021

Hier an der University of St Andrews gibt es viele spannende Masterstudiengänge. Meine Mitbewohnerinnen Lilli, Leni und Leyla haben sich für einen ganz bestimmten entschieden: „Sustainable Development“ – also „Nachhaltige Entwicklung“.

Im Interview berichten die drei, was genau hinter diesem Titel steckt, wie sie sich als Studierende im Alltag für den Klimaschutz einsetzen und welche Rolle politische Teilhabe für sie spielt.

Wie Lilli im Video berichtet, haben wir im September gemeinsam an der Klimademonstration „Line in the Sand“ am Strand West Sands in St Andrews teilgenommen. Dort bildeten wir gemeinsam mit den anderen Demonstrierenden eine lange Linie im Sand, von der eine Drohne eindrucksvolle Luftaufnahmen machte.

Weitere Eindrücke von der Klimademonstration bieten die folgenden Quellen:

https://www.youtube.com/watch?v=d4bcEK1OG60

https://www.thecourier.co.uk/fp/business-environment/environment/2604409/st-andrews-climate-strike/

Die University of St Andrews bietet „Sustainable Development” als Bachelor- und Masterstudiengang an. Genaue Informationen dazu gibt es hier:

https://www.st-andrews.ac.uk/subjects/sustainable-development/

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