Energie-Reporter Nicolas Ludwig in Norwegen

Nicolas Ludwig

Energie-Reporter

Nicolas Ludwig studiert in Norwegen und berichtet für uns zu den Themen Nachhaltigkeit und Klimaschutz.

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16. November 2021

SVART – das vielleicht weltweit erste energiepositive Hotel

Beitrag vom 25. Oktober 2021

Svart ist ein geplantes Hotelprojekt, das die von einem nahe gelegenen Gletscher auftreffende Sonneneinstrahlung nutzen soll und die Vision von einem netzunabhängigen, CO2-neutralen und abfallfreien Hotelbetrieb verwirklichen soll.

Wenn das Hotel am Fuße des unberührten Svartisen-Gletschers 2023 eröffnet wird, soll das Svart-Hotel vollständig energiepositiv sein, das heißt es wird mehr Energie erzeugen als es verbraucht. Durch den Bau in der nordnorwegischen Gemeinde Meløy befindet sich das Hotel knapp oberhalb des Polarkreises. Das Designergebäude vom Architekturbüro Snøhetta wird dabei einen Panoramablick auf den umliegenden Fjord Holandsfjorden bieten.

Ein nachhaltiges Reiseziel aus diversen Gründen

Die Projektmitglieder haben sich zum Ziel gesetzt, ein Hotel zu bauen, das nur einen minimalen ökologischen Fußabdruck in dieser unberührten nordischen Natur hinterlässt. Das Hotel wird etwa 85 % weniger Energie pro Jahr verbrauchen als ein herkömmliches, modernes Hotel und gleichzeitig auch selbst Energie erzeugen. Dabei sehen sich die Projektmitglieder in der Verantwortung, das Bauen in dieser wertvollen Landschaft mit der der natürlichen Schönheit und der Flora und Fauna des Gebiets in Einklang zu bringen. Teil des Aufenthalts wird das energieneutrale Shuttle-Boot sein, mit dem die Gäste von der Stadt Bodø aus zu dem Hotel gelangen.

Svart soll innerhalb von fünf Jahren nach seiner Eröffnung einen vollständig netzunabhängigen Betrieb ermöglichen. Das bedeutet, dass das Hotel und die dazugehörigen Dienstleistungen, einschließlich der Gewächshäuser, des Bootsshuttles und der Erlebnisangebote, völlig autark in Bezug auf Strom, Wasser und Abfallwirtschaft sein werden. Damit soll ein innovativer „Farm-to-Table“-Service mit vorbildhaften Ansätzen entstehen.

Energieoptimiertes und platzsparendes Design

Um einen möglichst energieeffizienten Betrieb zu erreichen, analysierten die Architekten im Vorfeld, wie viel Sonneneinstrahlung in der Bergregion genutzt werden kann. Aufgrund der langen Sommernächte am Polarkreis wird mit einem deutlichen Gewinn von Sonnenenergie gerechnet.

Hotelzimmer, Restaurants und Terrassen werden strategisch so angeordnet, dass die Sonnenenergie tagsüber und zu jeder Jahreszeit genutzt werden kann. Separate Terrassen sorgen für ein Wechselspiel von Licht und Schatten an der Hotelfassade und bieten gleichzeitig die nötige Privatsphäre.

Das Hoteldach wird mit norwegischen Sonnenkollektoren verkleidet, die mit sauberer Wasserkraft hergestellt werden und zu einer weiteren Reduzierung der CO2-Emissionen beitragen sollen. Im Sommer, wenn die Sonne hoch am Himmel steht, bieten die Fassaden Schutz vor der Sonneneinstrahlung. Damit entfällt die Notwendigkeit einer künstlichen Kühlung. Wenn die Sonne im Winter tief steht, nutzen die großen Fassadenfenster die Sonneneinstrahlung und ihre natürliche Wärme aus.

Außerdem sollen im Sommer die tragenden Balken des Hotels als Promenade für Spaziergänger dienen. Im Winter könnten Boote und Kajaks auf dem Weg aus Holz gelagert werden, was den Bedarf an Garagen und zusätzlichem Lagerraum verringert. Durch die Höhe der Konstruktion können Wassersportler auch unter dem Hotel hindurch paddeln, was eine zusätzliche Attraktion darstellen soll.

Inspiration aus dem ländlichen Norwegen

Der kreisförmige Grundriss von Svart erstreckt sich von der Küste am Fuße des Berges Almlifjellet bis zum Wasser des Holandsfjordes. Dabei nimmt das gesamte Gebäude in der arktischen Natur nur wenig Platz ein und soll sich mit seinem nahezu transparenten Erscheinungsbild möglichst nahtlos in die Umgebung einfügen.

Svart ist von der lokalen Architektur inspiriert und basiert auf der Form eines Fiskehjells (einer A-förmigen Holzkonstruktion zum Trocknen von Fisch) und eines Rorbu, einem traditionellen Haustyp, der von Fischern zu bestimmten Jahreszeiten genutzt wird. Wie bei einem Rorbu steht das Hotel auf wetterfesten Holzpfählen. Diese sich kreuzenden Pfähle aus Naturholz sollen das Hotel über dem Wasser tragen.

Das Hotel mit 99 Zimmern soll über vier Restaurants mit lokal inspirierten Menüs verfügen. Das Essen soll dabei von rustikal bis hin zu Gourmetgerichten reichen, wobei viele Gerichte mit Produkten aus der nachhaltigen Landwirtschaft aus der Region zubereitet werden sollen. In dem 3.300 Quadratmeter großen Innen- und Außen-Spa sollen die Gäste außerdem eine Vielzahl traditioneller norwegischer Behandlungen genießen können, darunter Massagen und Gesichtsbehandlungen mit nachhaltigen, lokal bezogenen Produkten.

Informationen darüber hinaus

Ursprünglich war die Eröffnung des Hotels für 2021 geplant, welche immer weiter nach hinten verschoben wurde und aktuell auf 2023 datiert ist. Bisher wurde mit dem Bau noch nicht begonnen und es herrschen Probleme zwischen den verschiedenen Projektpartnern, vor allem im Bereich der Finanzierung. Ob das Projekt wirklich umgesetzt wird, ist derzeit also noch offen.

Neben Svart hat das Architekturbüro Snøhetta innerhalb der letzten 30 Jahre einige bedeutende öffentliche und kulturelle Gebäude entworfen. Dabei erhielten sie unter anderem Aufträge für das Osloer Opernhaus und für das National September 11 Memorial Museum auf dem Gelände des World Trade Center in New York City. Zu den jüngsten Projekten von Snøhetta gehören die Erweiterung des San Francisco Museum of Modern Art und die Gestaltung der neuen norwegischen Banknoten.

Quellen

https://www.svart.no/

https://www.ubm-development.com/magazin/en/svart-powerhouse-hotel-in-the-high-north/

https://www.forbes.com/sites/davidnikel/2021/08/14/stunning-norway-glacier-hotel-aims-to-lead-sustainable-travel-trend/?sh=de8930d10a22

https://www.theaustralian.com.au/travel/norway-wellness-hotel-svart-to-open-in-2023/news-story/4441545f9fbb16af52b612439aa415c7

https://e24.no/naeringsliv/i/oAXwPK/luksushotellet-skulle-staa-ferdig-i-aar-naa-vil-investorer-slaa-utbyggeren-konkurs

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