Energie-Reporter Juri Schwartz in Tschechien

Juri Schwartz

Energie-Reporter

Juri Schwartz studiert in Tschechien und berichtet für uns zu den Themen Energiemarkt und Energiewende.

weiterlesen
16. November 2021

Was kann der oder die Einzelne in Tschechien zur Energiewende beitragen?

Beitrag vom 02. November 2021

Gibt es PV-Subventionen oder andere Anreize für ökologisch nachhaltiges Handeln?

Der tschechische Energiemix besteht nach wie vor fast ausschließlich aus fossilen Energien. Besonders die im eigenen Land abgebaute Kohle spielt eine zentrale Rolle in der Energieversorgung. Da Strom aus Kohle auf Grund des immer weiter steigenden CO2-Preises jedoch zusehends wettbewerbsunfähiger werden wird, sind auch hier die Erneuerbaren auf dem Vormarsch – wenn auch nur in Trippelschritten.

Wer in Tschechien privat zum Erzeuger grünen Stroms werden will, muss sich auf die langsamen Mühlen der Behörden einstellen. Vom Antrag bis zur Errichtung einer privaten Solaranlage können schon mal Jahre ins Land gehen. Allerding gibt es durchaus finanzielle Zuschüsse und Steuererleichterungen, ein regelrechter Solarboom ist jedoch noch nicht ausgebrochen. Daher versuche ich einmal einen Überblick zu Förderungen im Bereich der Erneuerbaren oder Wärmedämmung zu erstellen.

Seit nun schon über zehn Jahre gibt es Förderprogramme des tschechischen Umweltministeriums, um den Ausbau erneuerbarer Energien voranzutreiben. Diese Programme zielten überwiegend auf Unternehmen, aber auch für private Erzeuger wurden die Subventionen in den letzten Jahren ausgeweitet. So kann man sich noch bis Ende des Jahres 2021 auf bis zu 40% Erstattung des Installationspreises einer Solaranlage bewerben. Die Internationale Energieagentur weist jedoch darauf hin, dass sich die Förderungen auf die reine Installation von PV-Anlagen bezieht. Somit blieben neue Formen des Produzierens und Einspeisens (Stichwort: Prosumer) auf der Strecke.

Staatliche Förderungen gibt es aber nicht nur für PV-Anlagen. Wer sein Haus energetisch aufrüstet und zum Beispiel besser dämmt oder gleich ganz zum Passivhaus umbaut, kann bis zu 50% der Ausgaben zurückbekommen. Die Auszahlungen richten sich dabei nach den Energieeinsparungen.

Das Thema Umweltschutz spielt in der tschechischen Gesellschaft, aber vor allem in der Politik eine untergeordnete Rolle. Außerdem ist der Strompreis im OECD-Vergleich ausgesprochen niedrig. Daher haben auch private Initiativen im Bereich der Erneuerbaren noch nicht so richtig an Fahrt aufgenommen. Steigende CO2-Preise und eine junge Generation, die sich dieser Themen durchaus annimmt, könnten das jedoch ändern. Die passenden Förderprogramme sind zumindest schon teilweise da.

Quellen

https://www.pv-magazine.com/2017/06/23/czech-republic-allocates-additional-funds-for-commercial-pv/

http://www.res-legal.eu/search-by-country/czech-republic/tools-list/c/czech-republic/s/res-e/t/promotion/sum/120/lpid/119/

https://www.sfzp.cz/en/administered-programmes/new-green-savings-programme/

https://www.solarthermalworld.org/content/czech-republic-residential-rebate-programme-nova-zelena-usporam?_ga=1.149427007.821611074.1454833755

Der tschechische Energiemarkt

Anteil der Energieträger am tschechische Energieverbrauch

Quelle: Internationale Energieagentur

Beitrag vom 26. Oktober 2021

Der Energiemix wird bunter, aber nicht unbedingt grüner

Tschechien ist nach wie vor ein Land der fossilen Energien, doch ein Wandel liegt in der Luft. Die globalen und europäischen Klimaziele drängen das Land zum Handeln. Um vom fossilen ins erneuerbare Zeitalter überzugehen, wurden beratende Gremien ins Leben gerufen, um diesen Wandel bestmöglich vorzubereiten. Allerdings folgten auf die Stellungsnahmen der Gremien bisher kaum konkrete Vorhaben seitens der Regierung. Da hier im Oktober landesweite Wahlen stattfinden, ist auch in dieser Legislaturperiode nicht mehr mit Gesetzesvorhaben zu rechnen.

Traditionell ist Kohle die mit Abstand wichtigste Quelle für den tschechischen Energiesektor. Obwohl andere Energieformen an Prägnanz gewinnen, ist der Anteil von Kohle am tschechischen Energiemix immer noch doppelt so groß wie die zweitwichtigste Energiequelle – Erdgas.

Der Ausbau erneuerbarer Energien kommt nur langsam vom Fleck. Daher ist der Anteil von Wind- und Solarenergie am tschechischen Energiemix verschwindend gering. Grund dafür ist unter anderem Widerstand in der Bevölkerung, der sich gegen die Errichtung von diversen Anlagen für erneuerbare Energien richtet.

Schon durch diesen kurzen Überblick wird klar, dass Tschechien vor große Aufgaben gestellt wird. Um die Klimaziele der Europäischen Union einzuhalten, muss der Energiesektor einen drastischen Wandel durchlaufen. Eine von der Regierung eingesetzte Kohlekommission plädiert für einen Kohleausstieg im Jahr 2038 – die Regierung hat dazu allerdings noch keine weiteren Pläne vorgelegt. Die größte Herausforderung beim Kohleausstieg liegt darin, den Prozess sozial gerecht zu gestalten und neue Jobs zu schaffen.

Abschließend lässt sich festhalten, dass Tschechien in den nächsten Jahren und Jahrzehnten vor einem massiven Strukturwandel steht. Die Internationale Energieagentur empfiehlt Tschechien dafür einen klaren Ausbaupfad bei den Erneuerbaren auf den Tisch zu legen, sowie stärker auf nukleare Energie zu setzen. Damit ließe sich die Abhängigkeit vom Kohlestrom verringern und die benötigte Umstrukturierung im Energiesektor anstoßen.

Diskutieren Sie mit

Ich akzeptiere die Kommentarrichtlinien sowie die Datenschutzbestimmungen* *Pflichtfelder

Artikel bewerten und teilen

Energie-Reporter Juri Schwartz in Tschechien
0
0