Energie-Reporter Elias Feil in Portugal

Elias Feil

Energie-Reporter

Elias Feil berichtet für uns aus Portugal zu den Themen Energiewirtschaft, Klimaschutz und Energiewende.

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28. November 2022

Klimafreundliches Reisen

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In seinem ersten Video berichtet Energie-Reporter Elias von seinem Versuch, möglichst klimafreundlich nach Lissabon, den Ort seines Auslandssemesters zu reisen. Hierfür reiste Elias mit einem Interrail-Ticket per Bus und Bahn über verschiedene Stationen wie Paris und Barcelona nach Lissabon. Im Video erzählt er von seinen Eindrücken der Reise.

Nachhaltiger Reiseblog

Ist die Anreise mit der Bahn wirklich nachhaltiger als mit dem Flugzeug gewesen?

 Ist die Anreise in mein Auslandssemester mit Bus und Bahn wirklich nachhaltiger als mit dem Flugzeug gewesen? Diese Annahme habe ich zumindest in meinem ersten Video als Energiereporter getroffen. In diesem Beitrag geht es darum, zu überprüfen, ob es vielleicht nicht doch nachhaltiger gewesen wäre, mit dem Flugzeug zu reisen.

Dafür wird im Folgenden festgelegt, unter welchen Gesichtspunkten die Anreise verglichen werden soll. Danach werden mögliche Herangehensweisen für den Vergleich verschiedener Verkehrsarten hinsichtlich ihrer Nachhaltigkeit diskutiert, und abschließend wird ein stark vereinfachter Vergleich der Verkehrsarten durchgeführt.

Nachhaltigkeit beinhaltet die drei Dimensionen der Ökologischen- der Ökonomischen und der Sozialen Nachhaltigkeit. (Bardt et al. 2012)  Meine Vermutung, dass es nachhaltiger ist, die Strecke mit Bus und Bahn zurückzulegen bezieht sich aber nur auf die ökologische Nachhaltigkeit und nicht auf soziale und ökonomische Faktoren. Zur ökologischen Bewertung von Verkehrsarten schlägt das Bundesumweltamt die Erstellung einer Ökobilanz und das Untersuchen der Wirkungskategorien Treibhausgas- und Luftschadstoffemissionen, kumulierter Energieaufwand, kumulierter Rohstoffaufwand und benötigte Verkehrsflächen vor. (Allekotte et al. 2020) Im Folgenden wird nur genauer der Vergleich des Wirkungsfaktors Treibhausgas- und Luftschadstoffemissionen betrachtet, da dieser den größten Einfluss auf den Klimawandel hat und die Menschheit durch den Klimawandel die planetaren Grenzen der Erde überschreitet. (Nikendei et al. 2020) (Rockström et al. 2009)

Es gibt laut dem Abschlussbericht des Bundesumweltamtes zur Ökologischen Bewertung von Verkehrsarten zwei Möglichkeiten, Verkehrsmittel hinsichtlich Ihrer ökologischen Nachhaltigkeit zu vergleichen. (Allekotte et al. 2020) Die erste Möglichkeit ist das Vorgehen nach der DIN Norm EN 16258, welche eine Methode zur Berechnung und Deklaration des Energieverbrauchs und der Treibhausgasemissionen bei Transportdienstleistungen beschreibt. Eine weitere Möglichkeit ist das Erstellen einer Ökobilanz nach den ISO-Normen 14040 und 14044. Dabei muss zuerst eine Definition des Ziels und ein Untersuchungsrahmen festgelegt werden. Hierbei wird die funktionelle Einheit des Vergleichs bestimmt. Die funktionelle Einheit beinhaltet den für beide verglichene Varianten identischen. In meinem Fall wäre das die Beförderung von mir und meiner Reisetasche von Stuttgart nach Lissabon. Im nächsten Schritt erfolgt die Erstellung der Sachbilanz, wobei alle Aufwendungen, die zum Erreichen der funktionalen Einheit benötigt werden, erfasst werden. In meinem Fall ist das in einer vereinfachten Sichtweise der Zug, das Schienennetz, die elektrische Energie, der Bus, das Flugzeug und der Treibstoff. Als nächstes erfolgt die Wirkungsabschätzung, hier wird die Sachbilanz mit den Wirkungsindikatoren verbunden.

Wir betrachten also in unserem Fall, wie viele Treibhausgasemissionen durch den Verbrauch der elektrischen Energie und der Treibstoffe entstehen. Im letzten Schritt werden die Ergebnisse in der Auswertung diskutiert.

Das Durchführen einer vollständigen Ökobilanzierung mit allen Schritten ist zu komplex und aufwendig für diesen Blogbeitrag. Deshalb verwende ich für den Vergleich Emissionsdaten, die das Bundesumweltamt für einen generellen Personenkilometer mit den jeweiligen Verkehrsarten veröffentlicht und beziehe diese auf die Strecke von Stuttgart nach Lissabon. Hier treffe ich die Annahme, dass Daten für Europa etwa gleich wie die für Deutschland sind, da das Bundesumweltamt nur die Daten für Deutschland veröffentlicht hat.

Beim Flug werden 214 Gramm Treibhausgasemissionen angegeben in CO2-Äquivalent pro Passagierkilometer ausgestoßen. (Umweltbundesamt 2022) Die Flugstrecke von Stuttgart nach Lissabon beträgt 1840 km. So ist das Ergebnis der Treibhausgasemissionen angegeben in CO2-Äquivalent, die durch den Flug ausgestoßen werden, etwa 394 kg für einen Reisenden. Für die Bahn gilt ein Ausstoß von 29 Gramm Treibhausgasemissionen angegeben in CO2-Äquivalent pro Personenkilometer und für den Fernbus ein Ausstoß von 36 Gramm Treibhausgasemissionen angegeben in CO2-Äquivalent pro Personenkilometer. (Umweltbundesamt 2022) Als Strecke habe ich die Verbindung von Stuttgart nach Paris, von Paris nach Barcelona und von Barcelona nach Madrid jeweils mit dem Zug und dann von Madrid nach Lissabon mit dem Bus angenommen, da diese die mir direkteste bekannte Verbindung ist die als Reisender von der Anzahl der Zwischenstopps realistisch zu bewältigen ist. Ich selbst habe, wie ihr in meinem ersten Beitrag sehen könnt, mehr Zwischenstopps eingefügt und kleine Umwege gemacht. Wenn man aber den direkten Weg betrachtet, kommt man auf Insgesamt 1873 km Bahnstrecke und 502 km Busstrecke, auf der Treibhausgasemissionen angegeben in CO2-Äquivalent von etwa 71 kg ausgestoßen werden. Die Ergebnisse zusammengefasst sind also 71 kg CO2-Äquivalente Emissionen für die Bahn und Bus Verbindung und 394 kg CO2-Äquivalente Emissionen für den Flug. Damit verursacht der Flug in etwa das 5,5-Fache der Emissionen und man spart durch die Bahnverbindung in etwa 322 kg an Treibhausgasemissionen angegeben in CO2-Äquivalent ein.

Das Ergebnis ist damit sehr eindeutig, auch wenn es in der Genauigkeit aufgrund der verwendeten Grundlagendaten stark einzuschränken ist. Andere Umweltauswirkungen wie Fluglärm, welcher negative Auswirkungen auf die Gesundheit der Anwohner und die Tierwelt hat, sind bei dem Vergleich der Emissionen übrigens natürlich noch nicht mitberücksichtigt. (Wolfenden et al. 2019) (AVIATION: the social, economic and environmental impact of flying 2000) Abschließend kann ich die Ausgangsfrage beantworten und sagen, dass es klimafreundlicher und ökologisch nachhaltiger war mit Bus und Bahn in das Auslandssemester zu reisen als zu fliegen und zudem eine schöne Erfahrung war.

 

Literatur

Allekotte, Michel; Bergk, Fabian; Biemann, Kirsten; Deregowski, Carolin; Knörr, Wolfram; Althaus, Hans-Jörg et al. (2020): Ökologische Bewertung von Verkehrsarten. Abschlussbericht. In: 1862-4804. Online verfügbar unter https://repository.difu.de/jspui/handle/difu/577743.

 

AVIATION: the social, economic and environmental impact of flying (2000). Online verfügbar unter https://citeseerx.ist.psu.edu/viewdoc/download?doi=10.1.1.541.7618&rep=rep1&type=pdf.

Bardt, Hubertus; Voss, Gerhard; Techert, Holger; Chrischilles, Esther; Biebeler, Hendrik; Puls, Thomas; Mahammadzadeh, Mahammad (2012): Auf dem Weg zu mehr Nachhaltigkeit: Erfolge und Herausforderungen 25 Jahre nach dem Brundtland-Bericht. Köln: Institut der deutschen Wirtschaft (IW) (IW-Analysen, 82). Online verfügbar unter ht1843.tps://www.econstor.eu/handle/10419/18

Nikendei, Christoph; Bugaj, Till J.; Nikendei, Frederik; Kühl, Susanne J.; Kühl, Michael (2020): Klimawandel: Ursachen, Folgen, Lösungsansätze und Implikationen für das Gesundheitswesen (156-157). Online verfügbar unter https://reader.elsevier.com/reader/sd/pii/S1865921720301008?token=B148F6D81CF0D28BD6155CC73BD9A6F88DB10734A55276D7A8CC8BE9EF95636157A8B1CBF01FADB0E75BF4D21CA58B0F&originRegion=eu-west-1&originCreation=20220904163901.

Rockström, Johan; Steffen, Will; Noone, Kevin; Persson, Asa; Chapin, F. Stuart; Lambin, Eric F. et al. (2009): A safe operating space for humanity. In: Nature 461 (7263), S. 472–475. DOI: 10.1038/461472a.

Nachhaltige Ernährung

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In seinem zweiten Video spricht Energie-Reporter Elias über Ernährung. Er erläutert den mit 19-29% der weltweiten Treibhausgasemissionen durchaus beträchtlichen Einfluss der Lebensmittelproduktion auf die Umwelt und nimmt uns mit auf eine vegane Foodtour in Lissabon.

Die Entwicklung Portugals von hoher Energieabhängigkeit zum Vorreiter bei den Erneuerbaren Energien

Portugal beeindruckt in den letzten Jahren mit einem im europäischen Vergleich hohen Anteil an Erneuerbaren Energien (https://www.hannovermesse.de 2022). Dies war allerdings nicht immer so. Vor dem Ausbau der Erneuerbaren Energien im Jahr 2010 hatte Portugal eine Energieabhängigkeit von Kohle-, Öl- und Gas-Importen von 80% (Global Affairs and Strategic Studies 2022). Diese Rohstoffe importierte das Land vorwiegend aus Algerien und Nigeria, da auf dem eigentlichen Staatsgebiet kaum fossile Energieträger vorhanden sind. Diese Vergangenheit kann man heute im Museum „Central Tejo“ besichtigen, welches ein altes und zur Besichtigung aufbereitetes Kohlekraftwerk im Stadtteil Belem in Lissabon zeigt (siehe Bild 1). Portugal hat es aber geschafft einen großen Teil der fossilen und auf Abhängigkeit von anderen Ländern beruhenden Vergangenheit hinter sich zu lassen. So schaffte es Portugal 2021 60% des Stromverbrauches aus Erneuerbaren Energien zu decken (https://www.hannovermesse.de 2022). Diesen hohen Anteil erreicht Portugal unter anderem auch durch den zweifach vorverlegten und vollzogenen Ausstieg aus der Kohlekraft (NATURSTROM AG 2022). In Deutschland lag der Anteil der Erneuerbaren Energien 2021 übrigens bei nur 41,1% und damit fast 20% unter dem Anteil Portugals (Umweltbundesamt 2022). Eine mögliche Erklärung für den großen Erfolg Portugals im Vergleich zu Deutschland in diesem Sektor könnte der sogenannte „Latecomer Advantage“ sein (Perkins und Neumayer 2005). Diese Theorie beschreibt das ein Land, welches noch in der Entwicklung steckt besser und schneller neue Technologien adaptieren kann, als ein Land welches schon hoch entwickelt ist und diese Technologien sogar entwickelt. Eine weitere mögliche Erklärung für das schlechte Abschneiden Deutschland kann man finden, wenn man betrachtet, auf welche Technologie Portugal bei dem Ausbau der Erneuerbaren Energien am meisten setzt. Wenn man den Zeitraum von Januar bis März 2021 betrachtet fällt auf, dass Portugal 44% des Gesamtstromverbrauches aus Wasserkraft deckt (Grünes Portugal: 79,5 Prozent der Elektrizität aus Erneuerbarer Energie 2021). In Deutschland lag der Anteil der Wasserkraft im ganzen Jahr 2021 nur bei 3,4% (Statista 2022a). Der Anteil an Windkraft am Gesamtstrommix in Portugal in den ersten 3 Monaten des Jahres 2021 waren 28% und in Deutschland 20,1% im gesamten Jahr 2021 (Statista 2022b). Auch hier fällt auf, dass Portugal bei dieser Form der Energiegewinnung vor Deutschland liegt, auch wenn es hier knapper ist und man aufgrund der leicht unterschiedlichen betrachteten Zeiträume das Ergebnis nicht überinterpretieren sollte. Die Werte für Photovoltaik sind in Deutschland (4,7% im 1. Quartal 2021) sowie in Portugal (2% im gleichen Zeitraum) im Verhältnis zum Gesamtstromverbrauch gering (Statistisches Bundesamt 2022). Zusammengefasst fällt also auf das Portugal seinen höheren Anteil an den Erneuerbaren Energien gegenüber Deutschland hauptsächlich durch den höheren Anteil der Wasserkraft erreicht. Durch die vielen Wasserkraftwerke kann Portugal auch an nicht sonnigen oder windigen Tagen viel Strom aus Erneuerbaren Energien produzieren (Netzausbau ist größte Herausforderung für Portugals Energiewende, en:former 2022). Da Portugal gerade durch die Wasserkraft im europäischen Vergleich Vorreiter bei den Erneuerbaren Energien ist, werde ich in meinem nächsten Video genauer auf die Wasserkraft in Portugal eingehen.

 

Literatur

Global Affairs and Strategic Studies (2022): Portugal, a strong bet on renewables to reduce its energy dependency. Global Affairs. Universidad de Navarra – Global Affairs and Strategic Studies. Online verfügbar unter https://www.unav.edu/web/global-affairs/portugal-a-strong-bet-on-renewables-to-reduce-its-energy-dependency, zuletzt aktualisiert am 11.11.2022, zuletzt geprüft am 11.11.2022.

Grünes Portugal: 79,5 Prozent der Elektrizität aus Erneuerbarer Energie (2021). In: AHK Portugal – Deutsch-Portugiesische Industrie- und Handelskammer, 30.04.2021. Online verfügbar unter https://www.ccila-portugal.com/infothek/news/news-details/gruenes-portugal-795-prozent-der-elektrizitaet-aus-erneuerbarer-energie, zuletzt geprüft am 22.11.2022.

https://www.hannovermesse.de (2022): Partnerland: Portugal präsentiert saubere und erneuerbare Energielösungen. Online verfügbar unter https://www.hannovermesse.de/de/news/news-fachartikel/portugal-praesentiert-saubere-und-erneuerbare-energieloesungen, zuletzt aktualisiert am 11.11.2022, zuletzt geprüft am 11.11.2022.

NATURSTROM AG (2022): Portugal: Kohleausstieg vollzogen. Online verfügbar unter https://www.energiezukunft.eu/wirtschaft/kohleausstieg-vollzogen/, zuletzt aktualisiert am 11.11.2022, zuletzt geprüft am 11.11.2022.

Netzausbau ist größte Herausforderung für Portugals Energiewende | en:former (2022). Online verfügbar unter https://www.en-former.com/netzausbau-ist-groesste-herausforderung-fuer-portugals-energiewende/, zuletzt aktualisiert am 22.11.2022, zuletzt geprüft am 22.11.2022.

Perkins, Richard; Neumayer, Eric (2005): The International Diffusion of New Technologies: A Multitechnology Analysis of Latecomer Advantage and Global Economic Integration. In: Annals of the American Association of Geographers 95 (4), S. 789–808. DOI: 10.1111/j.1467-8306.2005.00487.x.

Statista (2022a): Anteil der Wasserkraft an der Stromerzeugung in Deutschland bis 2021 | Statista. Online verfügbar unter https://de.statista.com/statistik/daten/studie/233230/umfrage/anteil-der-wasserkraft-an-der-stromerzeugung-in-deutschland/, zuletzt aktualisiert am 22.11.2022, zuletzt geprüft am 22.11.2022.

Statista (2022b): Windstromanteil in Deutschland bis 2021 | Statista. Online verfügbar unter https://de.statista.com/statistik/daten/studie/239528/umfrage/anteil-der-stromerzeugung-aus-windkraft-in-deutschland/, zuletzt aktualisiert am 24.11.2022, zuletzt geprüft am 24.11.2022.

Statistisches Bundesamt (2022): 2,2 Millionen Photovoltaik-Anlagen in Deutschland installiert. Online verfügbar unter https://www.destatis.de/DE/Presse/Pressemitteilungen/2022/06/PD22_N037_43.html, zuletzt aktualisiert am 21.06.2022, zuletzt geprüft am 25.11.2022.

Umweltbundesamt (2022): Erneuerbare Energien in Zahlen. Online verfügbar unter https://www.umweltbundesamt.de/themen/klima-energie/erneuerbare-energien/erneuerbare-energien-in-zahlen#uberblick, zuletzt aktualisiert am 11.11.2022, zuletzt geprüft am 11.11.2022.

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