Energie-Reporter David Mandel in Schweden

David Mandel

Energie-Reporter

Energie-Reporter David Mandel berichtet für uns aus Göteborg, Schweden u.a. über Recycling, Fernwärme und Gebäudekühlung.

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18. Februar 2021

Natürliche Gebäudekühlung

Abbildung 1: Fernwärmekraftwerk in Göteborg, bald mit integrierter Kühleinheit

Foto: [1]

Beitrag vom 23. Februar 2021

Neben einer umweltfreundlicheren Alternative zur Gebäudeheizung im Winter wird in Göteborg seit 2017 auch an einer Lösung für die Kühlung im Sommer gearbeitet. Statt herkömmlichem Airconditioning wird nach dem Prinzip der Fernwärme mit Flusswasser und Abwärme zentral Kaltwasser erzeugt und über Rohre verteilt.

Das Flusswasser hat im Sommer bis zu 22°C und ist damit kälter als die Umgebung, aber noch zu warm für eine effektive Gebäudekühlung. Mithilfe von im Sommer nicht für Fernwärme benötigter Abwärme, z.B. aus Müllverbrennungsanlagen, wird in Absorptionskühlern die Wassertemperatur auf 6°C gesenkt. An besonders warmen Tagen, an denen viel Kaltwasser benötigt wird, können bei  Bedarf elektrische Kühler zugeschaltet werden. Auch bei maximaler Kühlleistung werden immer noch circa 22% der sonst benötigten elektrischen Energie durch die Verwendung von Flusswasser ersetzt und weitere 47% durch Abwärme.

Da das Projekt noch im Anfangsstadium ist, können die so erreichbaren Energieeinsparungen im Vergleich zur jetzigen Gebäudekühlung bisher nur geschätzt werden. Bei der geplanten Anlagengröße wären das nach der Fertigstellung 2035 circa 55% weniger Primärenergieverbrauch und 80% CO2-Einsparungen.

Auch wenn die Gesamteinsparungen an Energie und Emissionen speziell in Göteborg wegen der nördlichen Lage und den damit eher kühlen Sommern nicht riesig ist, ist es ein Projekt mit Vorbildfunktion. Der Fluss direkt in der Stadt, die gute finanzielle Lage Schwedens und die positiven Erfahrungen mit Fernwärme bieten die idealen Voraussetzungen, diese innovative Art der Gebäudekühlung hier zu testen. Sollte sie sich in Göteborg bewähren, kann sie auch in wärmeren Städten mit größerem Einsparungspotential integriert werden.

Abbildung 2: Herkömmliche Kühlanlage auf einem Hochhausdach

Foto: [2]

Energiereporter David Mandel unterwegs in Schweden
Energiereporter David Mandel unterwegs in Schweden

Foto: David Mandel

Göteborgs regenerative Heizung

Beitrag vom 18. Februar 2021

Da seit 1991 in Schweden die CO2-Steuer von anfänglich 30€ auf inzwischen 115€ pro Tonne CO2 angestiegen ist, lohnt es sich hier inzwischen auch finanziell mehr denn je auf regenerative Energien zu setzen. 2019 wurde bereits die Hälfte der Heizwärme in Schweden aus Abwärme bereitgestellt, Göteborg will nun einen Schritt weiter gehen und bis spätestens 2030 das Fernwärmenetz zu 100% aus regenerativer beziehungsweise zurückgewonnener Energie speisen. Da die Stadt jetzt schon zu 90% an das Fernwärmenetz angeschlossen ist, machen Fortschritte in diesem Sektor einen großen Unterschied in der gesamten Umweltbilanz. [1],[2]

Abbildung 1: Kraftwerk der Chalmers University in Göteborg, welches den Campus mit Energie und Fernwärme versorgt

Foto: David Mandel / Stiftung

Abbildung 2 Im Gegensatz zu Stuttgart wird in meinem Wohnheim hier in Göteborg der Müll sehr genau getrennt

Foto: David Mandel / Stiftung

Der größte Teil der Energiebereitstellung in Göteborg erfolgt durch die Abwärme der Müllverbrennung, 70% der Fernwärme werden so erzeugt. Weitere 19% kommen aus regenerativer Energie, die restlichen 11% aus fossiler Energie sollen also demnächst auch ersetzt werden. [3] Das klingt erst einmal nicht besonders ökologisch, allerdings wird nur nicht-recycelbarer Müll verwendet, welcher sonst unverbrannt auf einer Deponie landen würde. Hier kann das Regenwasser die Schadstoffe herauswaschen, welche so in das Grundwasser gelangen und sich weiter verteilen. Bei der Verbrennung hingegen wird ein Großteil der Schadstoffe aus der Abluft herausgefiltert und die Rückstände sind deutlich umweltverträglicher. Müllverbrennung ist somit die bessere Lösung, also kann die sowieso entstehende Abwärme durchaus als nachhaltig betrachtet werden.

Durch genaue Mülltrennung wird so viel recycelt wie möglich, außerdem landen weniger schlecht brennbare Materialien wie Biomüll oder Giftiges wie Altbatterien in der Müllverbrennung. Das steigert die Effizienz, schont Ressourcen und führt zu weniger Schadstoffen in der Abluft.

Eine bleibende Herausforderung bei der Versorgung Göteborgs mit nachhaltiger Fernwärme sind allerdings das nicht immer deckungsgleiche Angebot und die Nachfrage. Hierfür sollen spezielle Wärmespeicher entstehen, die bei einem Überangebot an Wärme aufgeheizt werden und bei Bedarf Wärme abgeben. [3] Dadurch sind weniger in Bereitschaft stehende Kraftwerke nötig ohne die Versorgungssicherheit zu beeinträchtigen.

Quellen

[1] https://www.tagesschau.de/ausland/eu-klima-greendeal-105~_kapitel-1.html

[2] https://www.iwr.de/news/marktpotenzial-fuer-siemens-goeteborg-stellt-fernwaerme-auf-erneuerbare-energien-um-news36462

[3] https://smartcitysweden.com/best-practice/309/gothenburg-smart-heating-and-cooling/

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