Urban Mobility Talks

#UMT2016

17. September 2016, Stuttgart

Urbane Mobilität von morgen: Was braucht‘s?

Am 17. September feierten die Urban Mobility Talks in Stuttgart ihre Premiere – und dies durchaus erfolgreich. Über 30 Personen diskutierten im Turmforum am Stuttgarter Hauptbahnhof mit Experten über die unterschiedlichen Aspekte der Mobilität der Zukunft. Eine Keynote und sechs Panels beleuchteten unter der Moderation von Hubertus Grass die Schwerpunkte Technik, Digitalisierung und gesellschaftliche Trends. Es galt eine Antwort auf die Frage: „Was braucht’s für die Mobilität der Zukunft?“ zu geben.

Diese Frage stellte sich bereits 1976. Bereits damals gab es erste Ansätze für elektrisches Fahren. Mit dieser Tatsache überraschte Dr. Oliver Greiner, Partner von Horváth und Partners und Herausgeber des Fakten-Check Mobilität 3.0, und stellte klar: Die Elektromobilität ist nicht mehr aufzuhalten, da der Marktdruck zu stark ist. Ein Datum wird aber niemand nennen können. Die Veränderung wird schlichtweg Zeit benötigen.

In den anschließenden Panels diskutierten die Teilnehmer intensiv mit den Experten zu den einzelnen Schwerpunkten.

Über Antriebstechniken der alternativen Fahrzeuge wurde mit Max. E. Nastold, Geschäftsführer der e-Motion-line GmbH diskutiert. Dabei wurde deutlich, dass an der Elektromobilität kein Weg vorbeiführen wird. Allerdings braucht es ein bedarfsorientiertes Produktangebot mit mehr Reichweite, Aufklärung zu Ladetechniken und Schnellladesäulen, sowie klare Regularien. Nötig sei auch, die mit der E-Mobilität verbundenen positiven Emotionen weiter zu verbreiten.

Kontrovers wurde im Panel um Adele Gutstein von Car2Go der Einfluss der Digitalisierung auf Geschäftsmodelle im Mobilitätsbereich diskutiert. Dabei war sich die Gruppe einig, dass gesetzliche Regularien den Weg zum autonomen Fahren und Carsharing  fördern müssen. Schlussendlich sollte es aber nur ein integriertes Angebot geben anstelle vieler unterschiedlicher Apps.

Einen Wertewandel erwartete die Runde um Michael Bucher vom Fraunhofer Institut beim Thema Sharing-Modelle für die städtische Mobilität. Denn augenscheinlich ist in Deutschland die Bereitschaft höher, das eigene Bett über Airbnb zu teilen als das eigene Auto. Abgesehen davon müssen ein einfacher Zugang,  eine einfache Nutzung sowie vereinheitlichte Abrechnungssysteme gegeben sein.

Die Elektromobilität aus Sicht einer Energieversorgers wurde mit Amadeus Regerbis von der EnBW AG diskutiert. Hier mit dem Fokus auf der Ladeinfrastruktur, zumal nicht jeder Nutzer die Möglichkeit hat in der Garage des Eigenheims zu laden. Klar war daher, dass ein „Kundenerlebnis“ für den Ladevorgang gegeben sein muss: einfach, überall, gut sichtbar, verfügbar und verknüpft mit Navigationsgeräten.

Im Panel zu den Beiträgen der Digitalisierung für die Mobilität von morgen mit Martin Randelhoff wurde eine Science Fiction-artige Situation debattiert. Die Teilnehmer stellten dabei die elektrische, individuelle Mobilität durch autonomes Fahren nicht mehr in Frage. Vielmehr wurde darüber diskutiert, was dann kommen wird. Wo arbeiten wir? Wo wohnen und schlafen wir? Sind wir alle ständig mobil, vollautomatisch und elektrisch? Wie wird sich die restliche Industrie entwickeln?

Ein ähnliches Szenario spielten die Teilnehmer mit Lena Christin Schwelling, Moderatorin des Verkehrsclub Deutschland durch bei der Frage „Was wird uns 2050 bewegen?“  Klare Antworten: Individuelle Elektromobilität und autonomes Fahren – wobei dann fraglich ist, welche Rolle dem ÖPNV noch zukommen wird.

Die Antwort auf die Frage „Was braucht’s für die urbane Mobilität von morgen?“ ist jedenfalls komplexer als zunächst gedacht. Die Teilnehmer waren sich einig, dass bei der aktuellen Diskussion um Produktangebot, Reichweiten und Ladeinfrastruktur die Emotionalität zu kurz kommt. Daneben muss eine bessere Vernetzung erfolgen, so dass jeder Einzelne praktisch und effizient mobil sein kann. Daraus wird sich langsam ein Wertewandel vollziehen, so dass es bald selbstverständlich ist, nicht nur die Wohnung zu teilen. Als Quintessenz des Nachmittags bleibt: Auch wenn der Wandel Zeit benötigt – die urbane Mobilität von morgen ist elektrisch.

Keynote der Veranstaltung

Dr. Oliver Greiner

Partner bei der Managementberatung Horváth & Partners

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Dr. Oliver Greiner ist Partner bei der Managementberatung Horváth & Partners und leitet das Competence Center Strategy, Innovation & Sales. Einen Namen im Bereich der Mobilität von morgen hat er sich insbesondere durch seine zahlreichen Analysen zur Entwicklung in den Bereichen Elektromobilität und neue Mobilität gemacht.

Der promovierte Betriebswirt leitet u.a. den „Fakten-Check Mobilität“ der Stuttgarter Managementberatung. Diese Studie untersucht seit 2010 die Entwicklung wesentlicher Treibergrößen der Mobilität in Deutschland. Der Tesla-Fahrer lebt auch persönlich die Mobilität von morgen.

Panel-Leiter der Veranstaltung

Nach der Keynote wurde in verschiedenen Panels diskutiert.

Antriebstechniken der alternativen Fahrzeuge

Max E. Nastold

Geschäftsführer und Co-Gründer der e-Motion Line GmbH

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Max E. Nastold ist Geschäftsführer und Co-Gründer der e-Motion Line GmbH. Das Karlsruher Unternehmen hat sich auf die Einführung und den Betrieb von batterieelektrischen Fahrzeugen im gewerblichen und kommunalen Umfeld spezialisiert. Als Full Electric Mobility Operator wird das Unternehmen bis Ende des Jahres über 500 E-Fahrzeuge in Deutschland eingeführt haben.
Max Nastold hat am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) Wirtschafts-ingenieurwesen studiert und als Wissenschaftlicher Mitarbeiter am KIT die Begleitforschung des Schaufensterprojekts RheinMobil bearbeitet. Weitere Stationen waren Tätigkeiten in der Automotivbranche und bei mittelständischen Unternehmen des Maschinen- und Anlagebaus im In- und Ausland. Aktuell engagiert sich Nastold u.a. in Forschungsprojekten und Initiativen des Bundes und des Landes Baden-Württemberg im Bereich der Elektromobilität, wie der „Initiative E-BW – Elektrische Flottenfahrzeuge in Baden-Württemberg.“

Die neue Mobilität aus dem Blickwinkel eines Energieversorgers

Amadeus Regerbis

EnBW Energie Baden-Württemberg AG

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Amadeus Regerbis ist bei der EnBW AG für den Bereich DC-Ladeinfrastruktur tätig. Die EnBW gehört seit Jahren zu den Pionieren, die Elektromobilität auf Deutschlands Straßen bringen und betreut viele Forschungsprojekte rund um Elektromobiltät um  damit die E-Mobilität attraktiv zu machen. Amadeus Regerbis hat in den vergangenen dreieinhalb Jahren als Senior Consultant der P3 Group Ladeinfrastrukturprojekte für die deutschen Automobilhersteller durchgeführt und dabei unter anderem die Forschungsprojekte des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie „SLAM – Schnellladenetz für Achsen und Metropolen“ sowie „STILLE – Standardisierung Induktiver Ladesysteme über Leistungsklassen“ maßgeblich gestaltet. Zusätzlich hat er bereits seit 2009 diverse Mobilitätsprojekte für Städte und Gemeinden durchgeführt. Als Absolvent der Zeppelin Universität in Friedrichshafen verfügt er durch seine abwechslungsreiche Berufserfahrung über ein umfassendes Know-how im vielschichtigen Spektrum der Mobilität unter dem Blickwinkel eines Energieversorgers – vom Fahrzeug über Ladetechnik bis zur Ladeinfrastruktur. Er ist ein Pionier im Bereich Elektromobilität – was nicht nur seine diesjährige Teilnahme an der i-Mobility-Rallye in Stuttgart belegt.

Der Einfluss von Digitalisierung auf Geschäftsmodelle im Mobilitätsbereich am Beispiel von car2go

Adele Gutstein

Projektleiterin Produktmanagement, car2go

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Adele Gutstein, geboren und aufgewachsen in Potsdam, absolvierte nach dem Masterstudium in Management das Traineeprogramm der Daimler AG/car2goGmbH und fand so den optimalen Einstieg in den dynamischen Mobilitätsmarkt. Sie ist selbst begeisterte car2go Nutzerin und fasziniert von der Schnelligkeit und Innovationskraft in diesem Bereich.

Im Produktmanagement von car2go verantwortete sie als Projektleiterin die weltweite Einführung des Smartphone-basierten Mietprozesses, das End-to-End-Testing für den Launch von car2go in China und die Integration von Mercedes-Benz-Fahrzeugen in Berlin. Heute ist sie für die Umsetzung der Unternehmensstrategie zuständig und gestaltet dadurch die Zukunft der Mobilität mit.

Beiträge der Digitalisierung bei Strategien für die Mobilität von morgen

Martin Randelhoff

Herausgeber und Gründer von Zukunft Mobilität

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Martin Randelhoff ist Herausgeber und Gründer von Zukunft Mobilität und bloggt neben seinem Studium der Verkehrswirtschaft an der TU Dresden, um den Menschen Möglichkeiten und Chancen einer nachhaltigen und effizienten Mobilität aufzuzeigen. Er ist bereits seit 2001 (ja, mit 12 – 13 Jahren) im Internet unterwegs und hat schon mit 15 erste Webprojekte gestaltet und pünktlich zu seinem 18. Geburtstag sein erstes Unternehmen gegründet. Sein Interesse liegt neben neuen Mobilitätskonzepten für die Welt von morgen insbesondere in der Verkehrs- und Infrastrukturplanung, dem Betrieb von Eisenbahn- und ÖPNV-Unternehmen und im kombinierten Verkehr.

Seine Vision: Ein leistungsfähiges Konzept zu erarbeiten, um LKW-Verkehr möglichst effizient von der Straße auf die Schiene verlagern zu können.

Nutzen statt besitzen – Sharing-Modelle für die städtische Mobilität von morgen

Michael Bucher

Fraunhofer IAO

Michael Bucher

Michael Bucher ist Leiter des Competence Team „Shared Systems‘ Design“ am Fraunhofer Institut IAO in Stuttgart. Das Team Shared Systems‘ Design konzipiert und entwickelt Lösungen für die Sharing Economy. Dies umfasst sowohl Sharing-Konzepte für den Endkunden wie Carsharing als auch den Bereich Business-to-Business, wie die gemeinsame Nutzung von Anlagen.

Der Diplom-Ingenieur forschte nach dem Maschinenbaustudium an der Universität Stuttgart zunächst am Institut Arbeitswissenschaft und Technologiemanagement im Bereich Wissensmanagement. Daneben arbeitete er als Dozent an der Munich Business School. Seit 2005 ist er darüber hinaus als Case Coordinator am Steinbeis Institute of Managment and Technology tätig.

Mobilität von Morgen – Was wird uns 2050 bewegen?

Lena Christin Schwelling

Moderatorin des Verkehrsclub Deutschland (VCD)-Projekts „Mobilität 2050

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Lena Christin Schwelling bringt mit der Aktion Mobilität2050 Themen zum Stadtverkehr heute, morgen und 2050 auf die Agenda und lädt die interessierte Community zur Diskussion ein. Ob es vollautomatische Turbo-Airkbikes sind, günstige Segelflieger, öffentliche Schienencabs oder aerodynamische Spaceboards: In die Zukunft schauen kann keiner – aber die Zukunft mitgestalten sehr wohl im Sinne einer klimaverträglichen und nachhaltigen Entwicklung der urbanen Mobilität.

Videos der Veranstaltung