Pia Heinen und Joscha Lauer in Finnland

Pia Heinen und Joscha Lauer

Energie-Reporter

Pia Heinen und Joscha Lauer berichten für uns über Energie in Finnland.

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31. August 2017

Energiereporter Rückblick

Beitrag vom 31.08.2017 

Ökobilanzierung von Abfallmanagement

Beitrag vom 31.08.2017

An der Uni in Finnland belegten wir einen Kurs in Life Cycle Assessment (LCA): Ökobilanzierung. Es geht darum, die Umwelteinwirkungen eines Produktes, Prozesses oder auch einer Dienstleistung über den gesamten Lebenszyklus hinweg zu bestimmen und zu bewerten. Auf Basis dieser Ökobilanz können Entscheidungen zwischen vergleichbaren Produkten getroffen, sowie deren Lebensweg nachhaltiger gestaltet werden.

Unsere Aufgabe betraf das Abfallmanagement einer mehrere Städte übergreifenden Region. In der Ausgangssituation wird Papier- und Restmüll auf Mülldeponien gebracht, sowie Biomüll in eine Kompostieranlage. Durch den Kompost kann ein Anteil Düngemittel ersetzt werden, das sonst aus Torf und chemischen Düngern hergestellt wird.

Werden biologisch abbaubare Abfälle auf Deponien gelagert entstehen Gase, unter anderem Methan. Damit diese Gase nicht einfach in die Atmosphäre gelangen, werden sie vorbehandelt. Aus Methan kann zum Beispiel vor Ort Energie gewonnen werden. Jedoch bleibt trotzdem ein Anteil klimarelevanter Gase, die freigesetzt werden. Ziel der EU ist es, mit abfallwirtschaftlichen Maßnahmen den Anteil der biologisch abbaubaren Abfälle auf Deponien bis 2020 signifikant zu reduzieren.

Alternativen zu Mülldeponien waren in unserem Beispiel ein Heizkraftwerk in unmittelbarer Umgebung der Städte, sowie ein Müllverbrennungskraftwerk in weiterer Entfernung. Das lokale Heizkraftwerk wird mit Torf betrieben, ein in Finnland typischer fossiler Brennstoff und versorgt das Nahwärmenetz der Städte. Das Müllverbrennungskraftwerk funktioniert nach dem Kraft-Wärme-Kopplungs-Prinzip, liefert also Strom und Wärme gleichzeitig. Somit kann aus dem Brennstoff mehr Energie bereitgestellt werden als im Heizkraftwerk, jedoch müssen ca. 500 km Transportweg (hin und zurück) berücksichtigt werden.

Mit Hilfe eines Simulationsprogrammes haben wir die verschiedenen Optionen untersucht und ausgewertet. Einen Einblick in unsere Arbeit mit dem Programm zeigen die Bilder. Wir fanden heraus, dass sich die niedrigsten Emissionen erreichen lassen, wenn aller Müll im nahegelegen Heizkraftwerk verbrannt wird. Das liegt vor allem daran, dass durch die Müllverbrennung ein Teil des ursprünglichen Brennstoffs Torf ersetzt werden kann. Da Torf zu den fossilen Brennstoffen zählt, wird bei der Verbrennung viel CO2 freigesetzt, das ansonsten in der Erde gebunden bleiben würde. Weiterhin entfallen die Emissionen auf den Mülldeponien. Papier- und Pappe werden bei der Verbrennung als klimaneutral betrachtet. Das bedeutet, dass die entstehenden CO2 -Emissionen vernachlässigt werden können. Die Pflanzen, aus denen Papier und Pappe hergestellt werden, nehmen beim Wachsen bereits CO2 aus der Atmosphäre auf und es bildet sich ein geschlossener Kreislauf. Dies gilt allerdings nur, wenn dafür gesorgt ist, dass ausreichend Bäume nachwachsen, was in Finnland der Fall ist.

Es ergab sich auch, dass die Verbrennung des Biomülls in unserem Fall umweltfreundlicher ist, als eine Kompostierung. Ein Grund hierfür ist, dass bei der Verbrennung hauptsächlich CO2 entsteht und bei der Kompostierung auch noch Methan und Stickstoff freigesetzt werden. Weiterhin spielt auch die verringerte Torfnutzung eine große Rolle.

Zusammenfassend ist das Ergebnis, dass die höchste Umweltbelastung durch die Nutzung fossiler Brennstoffe entsteht und diese unbedingt ersetzt werden müssen. Sei es der Torf in unserem Beispiel oder Braunkohle in Deutschland. Dies kann unter anderem durch Müllverbrennung geleistet werden.

Auswirkungen des Klimawandels in Lappland

Beitrag vom 15.08.2017

Während unseres Auslandsstudiums in Finnland hatten wir zweimal die Möglichkeit nach Lappland zu reisen, Finnlands nördlichste Region. Sowohl im Winter, bei meterhohem Schnee als auch im Juni zur Zeit der Mitternachtssonne. In Lappland leben nur 3,4 % der finnischen Bevölkerung. Ein Teil dieser Menschen sind Sami, das indigene Volk, das in den arktischen Regionen Norwegens, Schwedens, Finnlands und Russlands beheimatet ist. Vor allem für sie sind die Auswirkungen des Klimawandels deutlich spürbar. Das Wetter verändert sich und es wird schwieriger, lebenswichtige Vorhersagen und Entscheidungen zu treffen. Viele Sami leben von der Rentierzucht. Das merken wir sofort bei überqueren des Polarkreises, denn die Rentiere ziehen frei umher und spazieren auch gerne auf die Straßen. Die Klimaveränderungen erschweren die Nahrungssuche der Rentiere. In den vergangenen Jahren mussten überdurchschnittliche viele Tiere verhungern. Durch wärmere Winter und häufiges antauen und wieder frieren des Schnees bilden sich Eisschichten, unter denen die Nahrungspflanzen für die Rentiere unerreichbar werden oder sogar verschimmeln.

Forstwirtschaft, Bergbau und auch der schnelle Ausbau erneuerbarer Energien, vor allem Wasserkraft, verschärfen diese Problematik. Die Wege der Rentiere zu den Weidegebieten werden abgeschnitten. Durch unsichere Schneeverhältnisse ist auch die Mobilität in Lappland betroffen. Sowohl mit den Schneemobilen als auch mit traditionellen Hundeschlitten ist das Fahren auf weichem Schnee und dünnem Eis gefährlich. Eine sichere Schneedecke gibt es zunehmend später im Jahr und für eine immer kürzere Zeit. Dies hat weitreichende Folgen für die Menschen, ihre Rentierzucht und ihr soziales und kulturelles Leben. Die weiten Landschaften, die den Sami und ihren Rentieren als Lebensraum dienen, werden oft fälschlicherweise als „leerer Raum“ wahrgenommen, welcher anderweitiger Nutzung zugeführt werden kann. Ob durch Teststrecken für Autos oder zur Nutzung der örtlichen Rohstoffe. Somit wird kontinuierlich in das natürliche Umfeld der Sami eingegriffen und die beschriebenen Effekte verstärkt.

Es kann angenommen werden, dass in arktischen Regionen die Temperaturen doppelt so schnell steigen als im globalen Mittel. Im finnischen Lappland gibt es Regionen mit Permafrost, also Boden, der das ganze Jahr über gefroren bleibt. Zum Teil ist der Permafrost unterhalb von Mooren zu finden aber auch oberhalb der Baumgrenze in den Fjäll-Regionen. Durch das wärmer werdende Klima taut das Eis. Ein Rückgang der südlichen Grenze des Permafrostbodens um mehrere hundert Kilometer wird für dieses Jahrhundert erwartet. Das Auftauen des Bodens hat zum Beispiel zur Folge, dass große Mengen zuvor in der Erde gebundene Treibhausgase wie Kohlenstoffdioxid oder Methan freigesetzt werden. Neben dieser globalen Folge wird auch das lokale Ökosystem beeinträchtigt. Aufgrund des Volumenverlustes beim Schmelzen des Eises sinkt und verwirft sich die Erde, es kommt zu Erdrutschen und einer Zerstörung des Waldes.

Durch die Erwärmung ist auch die Biodiversität im finnischen Lappland in Gefahr. Der Lebensraum Fjäll und nördliche Tundra ist sehr klein. Eine Verschiebung der Vegetation in nördlichere Gebiete ist kaum möglich, da der arktische Ozean dort beginnt. Wird die Temperaturtoleranz der Pflanzen und Tiere überschritten, haben sie keinen Rückzugsort.

Selbst in unserer Stadt Lappeenranta, im Osten Finnlands, klagen die Menschen über das wechselhafte Wetter, das Regen (statt Schnee) im Februar und umgekehrt Schnee im Juni beschert. Auch hier ist der Klimawandel bereits spürbar.

Pia Heinen & Joscha Lauer

Quellen

eigene Recherche vor Ort, 350.org, deutschlandfunkkultur.de, amap.no, geologinenseura.fi

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