Maria Blarr in Costa Rica

Maria Blarr

Energie-Reporterin

Maria Blarr berichtet für uns aus Costa Rica zum dortigen Energiemarkt und über klimafreundlichen Kaffee.

weiterlesen
27. September 2017

Energie-Reporterin Maria Blarr sagt "Adíos"

Beitrag vom 27. September 2017

Costa Ricas Nationalparks

Beitrag vom 5. September 2017

Interessante Einsichten zum Energiemarkt in Zentralamerika - Besuch des Wasserkraftwerks Río Macho

Beitrag vom 5. September 2017

Da ich kein Foto- oder Videomaterial aus dem spannenden Inneren des Wasserkraftwerks veröffentlichen darf, möchte ich im Rahmen dieses Textes verschiedene Themen ansprechen, die mit dem Besuch in Verbindung stehen. Alle Zitate sind nicht wörtlich, sondern sinngemäß.

ICE als Monopolist

Das Wasserkraftwerk Río Macho wird vom Instituto Costarricense de Electricidad (ICE) betrieben, genau wie der Großteil der Kraftwerke in Costa Rica. Das ICE hat ein Monopol für die Erzeugung und den Verkauf von Energie, aktuell hat es 26% der Erzeugung für private Erzeuger freigegeben. Das führt zum Beispiel dazu, dass 81 private Projekte mit einer potentiellen Leistung von 1.207 MW in der Warteschlange für neue Lizenzen stehen. All diese Projekte könnten neue Arbeitsplätze und weitere erneuerbare Energiequellen schaffen.

Was der Leiter des Wasserkraftwerks dazu sagt:

Der privat generierte Strom wird ja trotzdem weiterhin über das ICE verkauft, und wir bieten den Unternehmen die Garantie für eine stabile Stromerzeugung. Das Problem mit „Ticos“ (= Costa-Ricaner) als private Erzeuger: Die verkaufen auch, was sie gar nicht haben.

Dieses Phänomen kann man hier alltäglich auf der Straße beobachten: „Parkwächter“, die Geld von am Straßenrand parkenden Autofahrern einkassieren und wenige Minuten später verschwinden.

Eine andere Perspektive dazu von C.-Bernhardt Johst von der Industriehandelskammer Costa Rica (CICR):

Ja, die Stromversorgung wird gewährleistet – aber zu welchem Preis? Das ICE erhöht ständig den Strompreis, das schwächt Costa Ricas Wettbewerbsfähigkeit. Wir als Industriekammer versuchen, das einzuschränken. Ein interessantes Beispiel: Die Kosten für Administration (Nachtwächter) sind exorbitant gestiegen. Ein normales Gehalt wäre um die 1.200$. Mit Schulungen, Nachtzuschlag und anderen Späßen sind die Nachtwächter teilweise auf 5.000 – 6.000$ im Monat gekommen, was dann auf die Strompreise umgelegt wurde. Dabei finden sich dann auch häufig die gleichen Nachnamen auf den Gehaltslisten. Ein Dokument mit Gehaltslisten ist zufällig in einer Email an uns gesendet worden, und wir haben die Informationen auf Kongressen veröffentlicht.

Auch umliegende Länder sind nicht begeistert, dass das ICE als Monopolist in Costa Rica „regiert“. Es gibt keine Zwischenhändler oder Börse, das ICE verhandelt mit den anderen Ländern in Zentralamerika.

Stromausfall

Samstag, 1. Juli: Wir quälen uns gerade den Vulkan Cerro Chato hinauf, nur unsere Wandergruppe, kein Internet- oder Telefonnetz. Gegen 13 Uhr sagt unser Führer: Übrigens, ganz Costa Rica hat gerade keinen Strom. Eine halbe Stunde später: Oh wartet, ganz Zentralamerika hat keinen Strom.

Ich weiß bis heute nicht, mit welchen magischen Fähigkeiten er die Informationen erhalten hat, aber in dem Moment dachte ich nur: Ganz Zentralamerika? Das kann doch nicht sein. Glücklicherweise war das Stromnetz wieder stabil als wir abends in die Stadt zurückgekehrt sind, aber der Vorfall hatte mein Interesse geweckt.

Bei dem Besuch des Wasserkraftwerks hat der Leiter (möchte anonym bleiben) mir den Vorfall erklärt: Von Panama führen zwei wichtige Stromtrassen nach CR, eine davon war gerade in Wartungsarbeiten. Dementsprechend war die komplette Ladung auf der anderen Trasse, die unter viel Druck stand und wegen Überspannung ist vom Süden Mexikos bis Panama ist sozusagen „die Sicherung rausgeflogen“.

Wie sieht der Energiemarkt in Costa Rica in Zukunft aus?

Meinung des Leiters des Wasserkraftwerks: Im Idealfall bleibt alles so wie es ist. Ich habe aber Sorge, dass die nächste Regierung das Monopol auflöst. Die Politiker haben persönliche Interessen und wollen den Privatunternehmen gefallen.

In seinen Worten hörte ich das Vertrauen in den Status Quo und auch die Angst vor Veränderung. Seine Sorge würde ich Lobbying nennen. C.-Bernhardt Johst sagt dazu:

Eine Auflösung des ICE ist völlig unrealistisch. Das MINAE (=Umwelt- und Energieministerium) und die Politik sind viel zu schwach, um das ICE zu zerschlagen. Das würde zu landesweiten Streiks führen. Erst einmal müsste man wie in Deutschland ein Unbundling einführen und die Energiethemen vom Umweltministerium trennen. Zurzeit wird nämlich das MINAE zum Großteil vom ICE finanziert. Eine Privatisierung könnte auch zu unfairen Preisen führen: Starker Wettbewerb in der Hauptstadt und horrende Preise auf dem Land. Das völlige Chaos.

„Fun“ Fact

Irgendwann während einer Recherche habe ich nach den verschiedenen Sektoren gesucht, die in Costa Rica für den Primärenergieverbrauch verantwortlich sind. Dann ist mir aufgefallen: Hey, es gibt hier ja überhaupt keine Heizung! Wow, dann sparen sie ja hierbei voll viel.

Das stimmt so leider nicht, denn das Gegenstück zu unserer Heizung sind hier die Klimaanlagen – die dabei auch noch Stoffe absondern, die die Ozonschicht gefährden. In einigen Szenarien übersteigt der Verbrauch der Klimaanlagen sogar den des Transportsektors!

Verkehrsprobleme in Costa Rica

Beitrag vom 31. August 2017

Costa Rica und die Hauptstadt San Jose

Beitrag vom 10. August 2017

Costa Ricas klimafreundlicher Kaffee

Beitrag vom 8. August 2017

"Quasi 100% Erneuerbare Energien in Costa Rica"- Stimmt das?

Beitrag vom 8. August 2017

Diskutieren Sie mit

Ich akzeptiere die Kommentarrichtlinien sowie die Datenschutzbestimmungen* *Pflichtfelder

Artikel bewerten und teilen

Maria Blarr in Costa Rica
0
0