Interoperabilität der Ladeinfrastruktur für Elektrofahrzeuge

Gastautor Portrait

Steffen Bilger

Bundestagsabgeordneter CDU

Steffen Bilger gehört seit 2009 dem Deutschen Bundestag an und arbeitet seither im Verkehrsausschuss mit. Der Jurist ist u.a. Vorsitzender des Verkehrsforums der Mittelstands- und Wirtschaftsvereinigung der CDU/CSU. Er engagiert sich auch als Mitglied im Parlamentarischen Beirat für nachhaltige Entwicklung sowie im Eisenbahninfrastrukturbeirat.

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24. Juli 2014

Der flotte Spruch „Wer offen für alles ist, kann nicht ganz dicht sein“ stimmt bei der Ladeinfrastruktur für Elektrofahrzeuge nicht ganz. „Viel hilft viel“ trifft es da schon eher. Für den Erfolg der Elektromobilität an der Ladesäule ist eben wichtig, dass jeder Fahrer an jeder „Zapfsäule“ tanken kann. Was sind dabei die Herausforderungen für Industrie und Politik?

Grundsätzlich lässt sich erst einmal festhalten: Elektromobilität hat einen großen Vorteil gegenüber anderen Alternativen Antrieben wie Auto-/Erdgas oder Wasserstoff – die benötigte Energieform Strom ist an unendlich vielen Stellen verfügbar. Die Nationale Plattform Elektromobilität hat in ihrem letzten Bericht zwischen drei verschiedenen Lademöglichkeiten unterschieden: Normalladen im privaten sowie im öffentlichen Raum und Schnellladen. Dabei ist unter Experten unbestritten, dass etwa neun von zehn E-Autos im privaten Bereich betankt werden. Privat meint dabei auch die Betankungen der Firmen-Flotten von der Deutschen Post AG und anderen. Die so genannten Laternenparker ohne eigene Lademöglichkeit stellen zwar eine Herausforderung darf, sind aber bei weitem kein Massenphänomen.

Für diese etwa zehn Prozent der Elektrowagen müssen für die Interoperabilität zwei Voraussetzungen vorhanden sein: Bezahlung und Betankung. Die EnBW_Ladestation_car2goKleinKommunikationsfähigkeit zwischen Auto und Tankstelle muss eben auf jeder Ebene gegeben sein. Derzeit ist das Tanken für Elektromobilitäts-Nutzer teilweise noch etwas kompliziert. Industrie und Politik arbeiten daran, dass in Zukunft jeder die Ladesäulen nutzen kann. Dies ist nicht so einfach, wie es auf den ersten Blick klingt. Die bereits bestehenden Systeme müssen dafür umgerüstet werden, man muss sich auf ein System einigen und so weiter. Klar ist aber, Innovationen – wie die Elektromobilität – setzen sich vor allem auch dann schnell durch, wenn sie einfach zu bedienen sind. Dazu gehört eben auch ein einheitliches oder zumindest einfach zu bedienendes Abrechnungssystem. Hier ist noch ein Weg zu gehen, die Richtung stimmt dabei schon einmal.

Bei der Betankung selbst gibt es zumindest immerhin nur wenige Systeme. Seit Januar 2013 hat sich die EU-Kommission auf den so genannten Typ 2-Stecker der deutschen Firma Mennekes als Standard festgelegt. Damit einher geht das Mastklein„Combined Charging System (CCS)“ für Schnellladen, auf das sich Deutschland festgelegt hat. Daneben gibt es noch ein paar wenige andere Systeme. In Europa werden sich unsere Systeme durchsetzen. Trotzdem sollten auch die bereits auf dem Markt befindlichen Autos weiterhin von der Ladeinfrastruktur im öffentlichen Raum profitieren dürfen. (Leider ist es nicht mit einem Adapter getan, die Technik im Auto ist zu unterschiedlich.) Als CDU/CSU sind wir für Technikneutralität. Standardisierung und Normierung sind wichtig, aber andere Systeme sollten nicht diskriminiert werden. Deshalb begleiten wir als Bundespolitik die Industrie bei ihrem Prozess hin zur Interoperabilität der Ladeinfrastruktur für Elektrofahrzeuge. In der vom Bund mitfinanzierten Modellregionen und Schaufenstern wird an Lösungen gearbeitet.

Um das bekannte Henne-Ei-Problem zu umgehen, bauen wir parallel zum Markthochlauf bei den Elektrofahrzeugen die Ladeinfrastruktur auf. Um die Reichweite der E-Fahrzeuge zu erhöhen gibt es das neue Programm der Bundesregierung „SLAM – Schnellladenetz für Achsen und Metropolen“. Auch hier steht die Interoperabilität mit im Vordergrund. Die Bundesregierung fördert diskriminierungsfreie Zugänge zur Lademöglichkeit.

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Redaktioneller Hinweis:
Elektromobilitäts-Infografik

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  1. Erich Görgens

    vor 4 Jahren

    Hallo Herr Bilger,
    E-Mobilität und Stromtrassen sind schon lange thematische AUSLAUFMODELLE. Das wurde nur noch nicht weiter (gelassen), gegeben. Zu oberflächlich...? Nein, im Gegenteil. Lassen Sie sich auf der Seite von Herr Grass unter https://www.dialog-energie-zukunft.de/umfrage-herausforderungen-energiewende/#comment-2193 näher informieren. Ich freue mich auf Ihr Feedback!

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