Infografik Emissionsrechtehandel

Gastautor Portrait

Christiane Schatzmann

EnBW Energie Baden-Württemberg AG
27. Februar 2015

Derzeit wird auf EU-Ebene die Reform des Emissionsrechtehandels diskutiert. Die neueste Infografik im Energiewende-Blog erklärt daher, was unter dem Handel mit Rechten zum Ausstoß von Treibhausgasen zu verstehen ist, wie er funktioniert und wie er entstanden ist.

Infografik EmissionsrechtehandelEine Reform des Emissionsrechtehandels ist dringend notwendig geworden, da der Markt seit Jahren unter einem großen Zertifikateüberschuss leidet. Die Höhe dieses Überschusses beträgt derzeit gut zwei Milliarden Zertifikate, was etwa der jährlich ausgegebenen Gesamtmenge entspricht. Wesentliche Ursachen des Überangebots sind vor allem der starke und sich nur sehr langsam erholende Einbruch der Wirtschaft im Zuge der Finanz- und Wirtschaftskrise sowie die starke Nutzung von Zertifikaten aus internationalen Projektgutschriften zu Beginn der 3. Handelsperiode. Der Zertifikate-Überschuss hat in den letzten Jahren zu einem erheblichen Preisverfall am Zertifikatemarkt geführt.

Die Folge davon ist, dass die Lenkungswirkung des Emissionsrechtshandels für Investitionen in klimafreundliche Technologien auf Grund der Niedrigpreise ausgefallen ist. In Deutschland sind die geringen Kosten der Emissionszertifikate ein Grund dafür, dass z.B. Gaskraftwerke derzeit nicht wettbewerbsfähig sind. Dadurch wird CO2-arme Erzeugung aus dem Strommarkt gedrängt.

Die EU-Staaten und auch die deutsche Bundesregierung sehen somit die Anreizwirkung des Emissionsrechtehandels für Investitionen in klimafreundliche Technologien beeinträchtigt. Die Energiewende sowie die Erreichung der nationalen und mittel- bis langfristigen europäischen Klimaschutzziele sind gefährdet.

Lösungsvorschlag:

Auf europäischer Ebene wurde daher zunächst die temporäre Herausnahme von 900 Mio. Zertifikaten zur Stützung des Emissionsrechtehandels während der 3. Handelsperiode (2013 – 2020) beschlossen (sog. Backloading). Dies reicht aber angesichts des Überschusses nicht aus. Daher soll nun eine Marktstabilitätsreserve (MSR) mit einer festen Ober- und Untergrenze eingeführt werden, die regelbasiert das jährliche Auktionsbudget im Emissionshandel steuert: Überschreitet die Anzahl der im Markt befindlichen Zertifikate die Obergrenze (833 Mio.), werden 12 % des Überschusses in die Reserve überführt. Unterschreitet die Menge an Zertifikaten die Untergrenze (400 Mio.) werden schrittweise jeweils 100 Mio. Zertifikate in den Markt zurückgeführt. Hierdurch sollen übermäßige Schwankungen zwischen Angebot und Nachfrage abgemildert werden.

Startdatum für die Einführung der Marktstabilitätsreserve sollte nach Vorstellung der EU-Kommission das Jahr 2021 sein. Einige EU-Staaten, unter ihnen die Bundesrepublik, sprachen sich hingegen für einen früheren Beginn im Jahr 2017 aus, wobei aufgrund einer blockierenden Minderheit ablehnender Staaten noch keine abschließende Position der Mitgliedstaaten besteht. Der federführende Umweltausschuss des EU-Parlaments hat nun den Kompromissvorschlag „Start am 31.12.2018“ unterbreitet. Weiterhin möchte der Umweltausschuss, dass die im Rahmen des „Backloading“ zurückgehaltenen Versteigerungsmengen direkt und vollständig in die Reserve überführt – also dem Markt entzogen werden sollen. Ebenfalls sollen die Zertifikatemengen, die am Ende der Handelsperiode nicht zugeteilt wurden (z.B. ungenutzte Mengen aus der Neuanlagenreserve), unmittelbar in die Reserve überführt werden (inklusive der Nutzung von 300 Mio. Zertifikaten – gestreckt bis 2025 – zur Finanzierung von Innovationsprojekten der Industrie).

Zeitplan:

Beobachter gehen von einer Entscheidung innerhalb der Kompromissverhandlungen von EU-Rat, EU-Kommission und EU-Parlament (Trilog) Ende März aus. Ein Abschluss des Verfahrens wird somit noch im ersten Halbjahr 2015 angestrebt.

Selbstverständlich können Sie auch die Infografik zum Emissionsrechtehandel bei uns in der Energie-Bibliothek herunterladen.

infografik_emissionshandel_20150225

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