Immer mehr Stromspeicher, immer mehr Optionen

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Redaktion

Stiftung Energie & Klimaschutz
14. September 2022

Wahlweise wurden sie zur Achillesferse oder zum „Missing Link“ der Energiewende stilisiert. Die Debatte um angeblich fehlende Stromspeicher begleitet die Energiewende von Anfang an. Meist tritt es gemeinsam auf mit dem von Laien propagierten Szenario eines kurz bevorstehenden Blackouts. Stromspeicher gehören zur Energiewende. Schauen wir einmal an, welche Optionen diese Beziehung eröffnet.

Stromspeicher aller Größenordnungen sind gefragter denn je

Pumpspeicherwerke (PSW) waren das Speichermedium des alten Energiemarktes. Sie nahmen den fast kostenlosen Nachtstrom auf und gaben ihn ab, wenn der Preis für die kWh gegen Mittag wieder nach oben kletterte. Die zum Teil sehr alten Anlagen leisten auch heute noch gute Dienste, auch wenn der Markt von heute sich nicht mehr so klassisch gliedert wie einst. Als Grund-, Mittel- und Spitzenlast immer im gleichen Rhythmus auftraten, warfen PSW zuverlässige Renditen ab.

Auf dem Speichermarkt lassen sich elektrochemische, elektrische und mechanische Speicher sowie Hochtemperatur-Wärmespeicher für die Stromspeicherung unterscheiden. Von Bedeutung sind derzeit vor allem elektrochemische Speicher und von dieser Sorte solche auf Lithium-Ionen-Basis. Blei-Säure-, Hochtemperatur- und Redox-Flow-Batterien spielen bei den heutigen Installationen keine Rolle mehr.

Batteriespeicher werden als Heim- (bis 30 Kilowattstunden), Gewerbe- (30 bis 1.000 kWh) und Großspeicher (ab 1.000 kWH) klassifiziert. „Ihre Vielseitigkeit macht sie zu essenziellen Bausteinen eines Energiesystems, das auf Strom aus erneuerbaren Energiequellen setzt“.

Bald wird das 500.000 Gerät installiert werden. Speicher kamen in diesen Markt, weil man mit ihnen Geld verdienen kann. Das war bei Strompreisen von 30 Cent pro kWh nicht einfach. Denn schließlich konnte die große, mehrere tausend Euro teure Kiste mit einer Kapazität von 10kWh nur Strom im Wert von drei Euro aufnehmen. Der Wunsch nach größerer Unabhängigkeit vom Netz war ein starkes Argument für eine Anschaffung, von der nicht ganz klar war, ob sie sich im privaten Bereich rechnet. Geholfen, immer größere Stückzahlen in den Markt zu bringen, hat der kontinuierliche Preisrückgang. Jetzt, parallel zum Anstieg der Strompreise, erhöht sich die Amortisationsgeschwindigkeit der Anlagen. Bei derzeit eher steigenden Preisen sind Stromspeicher gefragter denn je.

Speicher können immer mehr

Strom aufzunehmen und mit möglichst geringen Verlusten zu einem späteren Zeitpunkt wieder abzugeben, ist die Kernkompetenz von Stromspeichern. Schon damit lässt sich Geld verdienen. Speicher helfen, den Anteil des Eigenverbrauchs beim selbst erzeugten Strom zu erhöhen. Statt der wenigen Cent, die der Eigentümer für die Einspeicherung einer kWh ins Netz bekommt, lässt sich beim Eigenverbrauch der volle Bezugspreis von deutlich über 30 Cent/kWh sparen.

Bei größeren Anlagen, die in Gewerbebetrieben und der Industrie laufen, kommen weitere Optionen ins Spiel. Mittels Speicher lassen sich teure Lastspitzen vermeiden. Eine andere Möglichkeit des Sparens besteht, die Nachfrage zeitlich ein wenig zu strecken, um in ein preisgünstigeres Bezugsfenster zu kommen.

Noch mehr Geld kann verdienen, wer mit Hilfe seiner Speicher Systemdienstleistungen erbringen kann. Über die Seite https://www.regelleistung.net/ werden die verschiedenen Leistungen –Primärregelreserve, „Sofort abschaltbare Lasten“ oder Minutenreserve – ausgeschrieben.

Am Markt für Systemdienstleistungen können auch mittlere, private Stromspeicher teilnehmen. Voraussetzung ist, dass sie über die erforderlichen Eigenschaften sowie Zertifikate verfügen und smart sind. Das bedeutet: Für den Einsatz als Systemdienstleister muss sich der Speicher mit anderen Geräten aus der Cloud zu einer operations- und steuerungsfähigen Einheit zusammen schließen lassen.

Stromspeicher in der Energiekrise

Mit dem 24. Februar ist auch die Stromwelt eine andere geworden. Der Markt für Energie funktioniert. Er bildet die Unsicherheit über den Fortgang des Krieges ebenso mit steigenden Preisen ab wie den Mangel an alternativen Lieferquellen für russisches Erdgas. Die Stunde der Erneuerbaren, die aus Klimaschutzgründen schon lange vor Jahren hätte heftig schlagen sollen, wird jetzt ruckartig eingeläutet. Wie kann unter diesen Bedingungen die Netzstabilität erhalten werden? Das ist unter anderem Thema einer Förderrichtlinie des BMWK, bei der es um die Integration von Speichern ins Netz geht.

Eine (von zahlreichen) Antworten der Bundesregierung auf die Krisen ist das sog. „Osterpaket“, das das neue Ausbauziel auf 80% Erneuerbare bis 2030 festlegt (s. Grafik). Im Jahr 2030 sollen die Erneuerbaren 600 Terawattstunden Strom erzeugen. Alexander Krautz vom Energie-Unternehmen Nextkraft weist im Interview darauf hin. „Der wachsende Anteil fluktuierender Erzeuger im Strommix wird zu immer stärkeren Schwankungen bei den Strombörsenpreisen führen. Diese Preisdifferenzen setzen zum einen den Anreiz mehr für Flexibilität. Denn für flexible Produzenten und Verbraucher wird es dann immer attraktiver, Erzeugung oder Verbrauch in vorteilhafte Zeitfenster zu verschieben. Gleichzeitig führen die zusätzlichen Mengen aber auch zu weiteren Herausforderungen im Energiehandel.“

Das Potential von Biogasanlagen

Wenn der Strommarkt durch die volatilen Erzeuger beherrscht wird, steigt der Preis für jenen Strom, der zur festgelegten Stunde in zugesagter Menge verfügbar ist

Anders ausgedrückt: Wenn der Strommarkt durch die volatilen Erzeuger beherrscht wird, steigt der Preis für jenen Strom, der zur festgelegten Stunde in zugesagter Menge verfügbar ist. Das werden Biogaskraftwerke sein, die ihre Erlöse in der Dunkelflaute und in Zeiten mit mangelndem Angebot ebenso erhöhen können wie jene Speicher, die in der Lage sind – vielleicht sogar aus der Cloud heraus – Regelenergie zu liefern oder im Konzert als virtuelles Kraftwerk mitzuspielen.

Elektrochemische wie auch Pump- und Schwungmasse-Speicher können das Stromnetz stabilisieren und Systemdienstleistungen erbringen. An einigen Stellen können sie so einen kostspieligen Netzausbau ersetzen und die Abregelung von Windrädern oder Photovoltaik-Anlagen verhindern.

Was Speicher nicht können, ist die Versorgung in Zeiten von Dunkelflauten für Stunden oder Tage zu übernehmen. Dafür reichen ihre Kapazitäten nicht aus. Mit steigendem Anteil der Erneuerbaren wird diese Aufgabe dem grünen Wasserstoff zuteil, der in Phasen des Stromüberschusses gewonnen wird.

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Debatten-Abend:

Speicher – von Potential zu realem Beitrag

Dieser Beitrag führt ein in unseren neuen Schwerpunkt zum Thema Speicher. Am 29. September wird es dazu wieder einen  Debattenabend geben. Mehr Informationen zu dieser Veranstaltungen finden Sie unter diesem Link.

 

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