Umfrageergebnis: Digitalisierung der Energiewelt: Was ist der größte Vorteil?

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Redaktion

Stiftung Energie & Klimaschutz
29. März 2016
Digitalisierung der Energiewelt: Was ist der größte Vorteil?

Das wollten wir in unserer letzten Umfrage von Ihnen wissen. Dass sie künftig genau den gesuchten Strom bekommen, identifizierten elf Prozent als Gewinn. 23 Prozent sehen als größten Vorteil an, dass Energiesparen mit der Digitalisierung einfacher wird. Aber mehr als Zweidrittel der Teilnehmenden bewerten die bessere Passgenauigkeit von Angebot und Nachfrage als das entscheidende Plus bei der Digitalisierung der Energiewelt.

Verächtlich sprechen die wenigen verbliebenen Gegner der Energiewende immer noch von „Flatterstrom“, wenn sie über die Erneuerbaren sprechen. Und es ist ja nicht abzustreiten, dass Petrus sich den Teufel um die Energienachfrage schert und Sonnen- oder Windstrom selbst dann in großem Stil produziert, wenn die Nachfrage zum Beispiel wegen eines Feiertags äußerst gering ist. In der Vergangenheit hat das häufiger zu negativen Strompreis an der Börse geführt. Die Verbraucher von Strom kassierten mitunter bis zu 60 Euro/MWh. Ein solch drastisches Auseinanderklaffen von Angebot und Nachfrage setzt ökonomisch und ökologisch Fehlanreize, weil die Investoren bestraft und  Verbraucher belohnt werden.

Big DataSchon heute sind negative Preise die absolute Ausnahme. Es gilt sie auch bei einem weiteren Ausbau der Erneuerbaren dann zu vermeiden, wenn bei einer Vollversorgung mit Erneuerbaren allein die Kapazität des Solarstroms ausreichen wird, bei maximaler Erzeugung die Nachfrage mehr als zu 100% zu befriedigen. Unser heutiges Preissystem außerhalb der Börse beruht auf einem, vom Marktgeschehen völlig unabhängigem, undifferenziertem Gesamtpreis. An jedem Tag und zu jeder Stunde kostet eine Kilowattstunde den gleichen Betrag. Das ist weder sachgerecht noch schlau.
Smart wird ein künftiges Preissystem sein, dass nicht nur an der Börse, sondern auch für die 80 Millionen Endverbraucher Signale setzt, wann es sinnvoll ist, den Strombedarf im Haushalt zu befriedigen und wann man den Strombezug möglichst drosseln sollte, weil der Bezug teuer ist.

Für den Pkw gibt es schon eine App, die uns die Preise verrät und uns zu den günstigen Tankstelle lenkt. Beim Strom wird es noch ein paar Monate dauern, bis wir als Verbraucher auf einen ähnlichen Komfort zurückgreifen können. Aber es wird kommen, dass wir ähnlich einfach Informationen über den Strommarkt erhalten. Die Digitalisierung der Energiewelt schreitet unaufhaltsam voran, denn es entstehen immer neue Geschäftsideen, die die Entwicklung beflügeln. Und auf der Erzeugungsseite wollen die Investoren das Optimum aus ihren derzeit 1,4 Millionen Anlagen herausholen und die Energie zum besten Preis verkaufen. Bündelung und intelligente zentrale Steuerung der dezentralen Erzeugungseinheiten ist ein Mittel zu. Den besten Preis streben aber auch die  Verbraucher an. Und auf beiden Seiten führt der Weg zum Optimum über die Digitalisierung.

Heute ein Signal per Postkarte, morgen 35.000 Daten vom Smartmeter

Das Aufkommen an Daten wächst dabei exponentiell. Einmal pro Jahr bekommt derzeit unser Energieversorger per Postkarte ein „Signal“ von unserem Drehstromzähler im Keller, darauf ist die Info des Jahresverbrauchs. Ein smarter Zähler wird unserem EVUs 35.000 Informationen im Jahr schicken, die dort dann mit den Daten der Erzeugungsanlagen, den Daten aus den Messpunkten im Netz und den Prognosedaten dann irgendwie zusammen geführt und verarbeitet werden.

Die Digitalisierung der Energiewelt wird, wir stimmen mit der großen Mehrheit da überein, Angebot und Nachfrage besser zusammen führen. So ganz nebenbei wird die Digitalisierung die Energiewelt völlig umkrempeln.

Diskutieren Sie mit

  1. Thorsten Zoerner

    vor 3 Jahren

    Die APP für den Strompreis gibt es übrigens auch schon und feiert in diesen Tagen ihren 2. Geburtstag: Grünstromindex http://mix.stromhaltig.de/gsi/

  2. Melanie Peschel

    vor 3 Jahren

    Das ist eine beeindruckende Web-App. Als Smartphone-App wäre das super klasse in der täglichen Anwendung.

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