Umfrage: Soll die EU den Aufbau einer europäischen Akkuproduktion für Elektroautos fördern?

Gastautor Portrait

Redaktion

Stiftung Energie & Klimaschutz
16. Oktober 2017

Nicht nur die europäische Kfz-Industrie wird zunehmend nervös. Auch in Politik und Gewerkschaften wächst die Sorge, dass Europas Autohersteller bei dem zentralen Element der Mobilität der Zukunft den Anschluss verlieren könnte: Auf die Akkuproduktion fällt mehr als ein Drittel der Wertschöpfung eines E-Autos. Und die europäische Industrie spielt auf diesem Feld derzeit nicht mit. Die Zellen für die Batterien der E-Autos kommen aus Asien. LG Chem, Samsung und Panasonic heißen die großen Player. Chinesische Unternehmen wie BYD und CATL ziehen mit dem Aufbau großer moderner Produktionsanlagen nach. Kann die Politik in Europa dieser Entwicklung tatenlos zu sehen? Oder soll die EU den Aufbau einer europäischen Akkuproduktion für Elektroautos fördern?

Gesucht: Der europäische Airbus der Akkuproduktion

Vergangene Woche folgten 40 Firmenvertreter aus der Auto-, Chemie- und Technologiebranche einer Einladung der EU-Kommission nach Brüssel. Auf diesem „Batteriegipfel“ waren unter anderem Volkswagen, Daimler, Renault, Saft, BASF, Umicore und Siemens sowie der Staatssekretär aus dem Wirtschaftsministerium, Matthias Machnig, vertreten: Dem für Energie zuständigen EU-Kommissar Maros Sefcovic schwebt eine neue europäische Zusammenarbeit nach dem Vorbild der Luftfahrt vor. Gesucht wird der europäische Airbus der Akkuproduktion. Der Markt mit bis zu fünf Millionen Arbeitsplätzen und einem Umsatz von über 200 Milliarden Euro sei zu groß, um ihn der außereuropäischen Konkurrenz zu überlassen.

Neben dem drohenden Verlust an industrieller Wertschöpfung fürchten EU-Kommission und Wirtschaft vor allem die Abhängigkeit. Kann eine Industrie dauerhaft zum Kreis der globalen Champions gehören, wenn sie bei zentralen Komponenten auf das Wohlwollen ihrer Lieferanten aus anderen Kontinenten angewiesen ist?

Für die Kommission ist das Thema von so zentraler Bedeutung, dass sie sogar bereit ist, alle Möglichkeiten des Beihilferechts auszunutzen. Konkret: Den Mitgliedsstaaten wird es erlaubt werden, die Unternehmen beim Aufbau der Industrie zu subventionieren.

EU Kommissar Maros Sefcovic möchte eine Akkuproduktion in der EU aufbauen
EU-Kommissar Maros Sefcovic, hier bei seiner Rede auf der EVS30 in Stuttgart, will eine Akkuproduktion in der EU mit Hilfe von Subventionen aufbauen.

Das Versagen durch Subventionen honorieren?

Ist es gerechtfertigt, die Industrie mit Steuermitteln zu päppeln? Die Empfänger gehören nicht in die Reihe der Bedürftigen. Die deutsche Auto-Industrie z. B. hat im letzten Jahrzehnt überaus kräftig verdient. Und auch BASF und Siemens verfügen über hinreichend finanzielle Ressourcen, um den Aufbau des Industriezweiges mit eigenen Mitteln zu finanzieren. Die deutschen Autobauer haben beim Elektroantrieb lange geschlafen und die Konkurrenz nicht ernst genommen. Darf man dieses Versagen durch Subventionen honorieren? Zumal es ja schon Bestrebungen aus der Industrie gibt, in den Wettbewerb der Giga-Fabs ohne staatliches Zubrot einzusteigen.

Die Lage ist ernst. Und jede Statistik mit den aktuellen Zulassungsdaten zeigt: Die Bedrohung für die alte Technik nimmt zu. Zuvorderst betrifft es den Diesel. Der Marktanteil der Plug-in-Hybride (+119,6 % im September) und Elektrofahrzeuge (+36,9%) wächst rasant. Verlierer ist der Diesel mit einem Rückgang von 21,3 Prozent: Der Rückgang beim Verkauf lässt sich erklären. Die potenziellen Käufer befürchten, keinen vernünftigen Wiederverkaufspreis mehr zu erzielen. Die Diskussion um Fahrverbote, den Ausstoß von Stickoxiden und Feinstaub schwächt die Marktstellung des Diesels.

Aber die großen Bedrohungen für alle Verbrenner kommen aus dem Ausland. Nachdem mehrere europäische Länder das langfristige Aus für die Zulassung von Verbrennungsmotoren bekannt gegeben haben, hat China jetzt eine Produktionsquote für Elektroautos festgelegt. Ab 2019 ist jeder Autobauer verpflichtet, dass zehn Prozent seiner Produktion über einen elektrischen Antrieb verfügen. Ab 2020 müssen es dann 12 Prozent sein. Ob die EU oder Deutschland eine Quote einführen, wird auf den globalen Markt kaum Einfluss haben.

Die Produktion von Verbrennungsmotoren wird 2026 eingestellt

Aufgrund der seit 2011 verfügbaren Zulassungszahlen lässt sich berechnen, wohin die Reise geht. Der endgültige Durchbruch der Elektroautos kommt 2022. Und in 2026 wird die Produktion von Autos mit Verbrennungsmotoren eingestellt. Heraus bekommen hat das ein Doktorand der Physik im Rahmen seiner Tätigkeit bei der Daimler AG. Der Massenmarkt für E-Autos kommt. Und in Europa gibt es keine Akkuproduktion. Die EU-Kommission hat allen Grund, sich zu sorgen. Soll sie jetzt den Aufbau einer europäischen Akkuproduktion für Elektroautos fördern? Beteiligen Sie sich an unserer Umfrage und nutzen Sie bitte auch die Kommentarfunktion, um uns Ihre Meinung mitzuteilen.

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  1. Udo Frohnapfel

    vor 9 Monaten

    In der Industrie ist genug Geld vorhanden für den technischen Wandel. Dass jedes Land nicht seinen eeigenen Stecker entwickelt und gemeinsame Standards festgelegt werden, dafür ist die EU zuständig. Elektroautos sind in der Herstellung günstiger als Benziner und werden uns bestimmt teurer verkauft.

  2. Windmüller

    vor 9 Monaten

    Der Artikel beschreibt ein ganz wichtiges Problem. Die Deutschen verschlafen die Entwicklung. LG aus Korea baut in Tschechien eine Batteriefabrik. In Schweden baut ABB für 4 Mrd € eine Batteriefabrik. Sie soll von der Kapazität ein Drittel kleiner sein, als die giga factory von Tesla.Und E Mobilität kommt. Meine Frau fährt einen Zoe, und wenn man einmal E gefahren ist, dann kommt einem ein Knatterauto mit Auspuff unter dem Auto irgendwie Retro vor

  3. Joachim Falken

    vor 8 Monaten

    Zu so einem Batterie-Gipfel müssten Firmen geladen werden, die sich Batterieproduktion auskennen, wie z.B. das schwäbische Unternehmen Manz AG, die komplette Batteriefabriken bauen kann.
    Stattdessen sind die Schnarchtüten von Volkswagen mit ihren Lobbyisten vertreten, deren Interesse vermutlich darin besteht, möglichst zu verhindern, dass jemand anderes auch nur ein paar Mio. abbekommt.

    Mit solchen Subventionsankündigungen sinkt natürlich sofort die Bereitschaft und die Möglichkeit, ohne Subventionen gegen die staatlich stattlich aufgepäppelte Konkurrenz anzutreten.

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