War watt? Grass stromert durchs Netz

Gastautor Portrait

Hubertus Grass

Kolumnist

Nach Studium, politischem Engagement und Berufseinstieg in Aachen zog es Hubertus Grass nach Sachsen. Beruflich war er tätig als Landesgeschäftsführer von Bündnis 90/Die Grünen, Prokurist der Unternehmensberatung Bridges und Leiter der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit beim Deutschen Evangelischen Kirchentag in Dresden. Seit 2011 ist er als Unternehmensberater freiberuflich tätig.

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06. Juni 2014

Das Strucksche Gesetz hält! Peter Struck, Motorradfahrer und SPD-Politiker, hatte einst festgestellt „Kein Gesetz kommt aus dem Parlament so heraus, wie es eingebracht worden ist“. Ausgerechnet sein Parteifreund Sigmar Gabriel schickte sich jetzt bei der EEG-Reform an, diese Norm zu brechen. Geräuschlos und schnell, so mutmaßte SPON wolle der Minister die Novelle durchziehen und nicht einem der zahlreichen Änderungswünsche nachgeben.
Spiegel Online hat sich verspekuliert und Peter Struck behält posthum recht, denn auf den letzten Metern der Beratung meldete Gabriel selbst Änderungsbedarf an. Die Stein- und Braunkohleförderung soll nun nicht mehr von der EEG-Umlage befreit und auch die Industrie stärker zur Kasse gebeten werden: Statt eines geplanten Satzes von 15% wird es wohl eine Umlage in Höhe von 50% für selbst erzeugten Strom geben. Das entspricht exakt der Höhe, mit der auch Handel und Gewerbe beim Eigenstromverbrauch belastet werden.
Beim ganzen Hick-Hack ums EGG, der zwischen Industrie, Verbänden, NGOs, Parteien und Ländern ablief, fiel eine Dame durch besondere Zurückhaltung auf: Bundesumweltministerin Barbara Hendricks überlies ihrem federführenden Kabinettskollegen Gabriel allein die große Bühne und hielt sich (scheinbar) raus. Abseits der Kameras und Mikrofone konnte sie offenbar dem Wirtschafts- und Energieminister erklären, dass das Klimaschutzziel der Bundesregierung, eine Reduktion der CO2-Emissionen von 40% bis 2020 gegenüber 1990, keinesfalls mehr zu erreichen ist, wenn der Kohlebergbau von der EEG-Umlage befreit wird.

Während der Bundestag sich über den rechtlichen Rahmen der Energie-Erzeugung im EnBW_Ladestation_car2goKleinForm von Anhörungen stritt, machte sich ein Bündnis aus Industrievereinigungen, Umwelt- und Sozialverbänden und Gewerkschaften für eine effiziente Energie-Verwendung stark und veröffentlichte dazu ein HintergrundpapierDie Organisatoren monierten bei der Bundesregierung, dass diese vor der am 5. Juni endenden Frist zur Umsetzung der EU-Energieeffizienz-Richtlinie nichts Bewegendes in Sachen Energieeinsparung auf den Weg gebracht hat – wohl klingende Ankündigungen wurden nicht mitgerechnet.
Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), die Deutsche Unternehmensinitiative Energieeffizienz (DENEFF), der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB), das Forum Ökologisch-Soziale Marktwirtschaft (FÖS), der Naturschutzbund Deutschland (NABU), der Paritätische Wohlfahrtsverband, der Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA), der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) und der WWF regten unter anderem an, Wirtschaft, öffentliche Hand und private Verbraucher mehr als bisher zu freiwilligen Energieeffizienzmaßnahmen zu motivieren.

An Energiespar- und Effizienzideen mangelt es nämlich nicht. Auf Initiative der Sparkassen läuft derzeit ein Wettbewerb, bei dem sich innovative und umsetzbare Ideen zur Energiewende präsentieren. Bis zum 30. Juni können Leserinnen und Leser für eine Energiesparidee voten. Die Bandbreite der Ideen reicht von technisch höchst anspruchsvollen Ratschlägen wie „Treppe statt Fahrstuhl“ oder „Muskelkraft spart elektrische Gartengeräte“ bis hin zur echten Herausforderung für den ambitionierten Heimwerker in Gestalt des Vorschlags „Bau eines solaren 12 Volt-Gleichstromhaus“.
Energieminister Gabriel nimmt leider nicht am Wettbewerb der Sparkassen teil; eine verkappte Drohung der Veranstalter hat ihn wohl abgehalten: Der Sieger wird das Anzeigen-Gesicht der Kampagne „Meine Energiewende“.

BeleuchtungKeine Woche vergeht, ohne dass bei der regenerativen Energieerzeugung innovative Neuerungen zu vermelden sind. Einen Durchbruch vermeldet die australische Commonwealth Scientific and Industrial Research Organisation (CSIRO). Durch Solarenergie konnte, wie die Sonnenseite berichteteerstmals sogenannter „superkritischer Wasserdampf“ produziert werden. Der erreichte Druck von 23,5 Megapascal und die Temperatur von 570 Grad Celsius bedeuten Weltrekord. Alex Wonhas, Energy Director der CSIRO,. „Es ist, als hätte man die Schallmauer durchbrochen. Wir können nun beweisen, dass Solarenergie das Potenzial hat, im Wettbewerb mit den Höchstleistungsmöglichkeiten von fossilen Brennstoffen zu bestehen.“

Wer noch Platz in seinem Garten oder auf dem Acker hat, Wert auf Design und technische Höchstleistung legt und auf Erneuerbare Energien setzt, sollte sich die Liam F1 anschauen. So heißt die effizienteste Kleinwindkraftanlage der Welt, die nach elf Entwicklungsjahren in Rotterdam das Licht der Welt erblickte.
De gustibus non est disputandum. Die Regel, dass über Geschmack nicht zu streiten ist, soll schon etwas älter sein als das Strucksche Gesetz. Mein Eindruck ist dennoch: Ästhetisch würde dieses iPhone unten den Klein-WKAs die Energiewende enorm nach vorne bringen.

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