Saubere Energie für Europa

Gastautor Portrait

Prof. Dr. Klaus-Dieter Borchardt

Generaldirektion Energie der Europäischen Kommission

Prof. Dr. Klaus-Dieter Borchardt ist seit 1987 in ganz unterschiedlichen Funktionen bei der Europäischen Kommission in Brüssel tätig. Seit April 2013 ist er Direktor des Direktorats „Energiebinnenmarkt“ bei der Generaldirektion für Energie der Europäischen Kommission. Der promovierte Jurist studierte von 1974 bis 1979 Rechtswissenschaften an der Universität Hamburg und der Freien Universität Berlin. Außerdem ist er als Honorarprofessor an der Bayerischen Julius-Maximilians-Universität Würzburg für Europäisches Gemeinschaftsrecht tätig.

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23. Mai 2017
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Im Dezember 2015 einigte sich die internationale Staatengemeinschaft auf dem Weltklimagipfel in Paris auf eine Begrenzung der globalen Klimaerwärmung um maximal 2 Grad Celsius. Bereits im Vorfeld des Gipfels hatten die EU Staats- und Regierungschefs anspruchsvolle Ziele für 2030 beschlossen: 40% weniger Treibhausgas-Emissionen im Vergleich zu 1990, 27% Anteil erneuerbarer Energiequellen und 27% Einsparungen durch Effizienzmaßnahmen.
Am 30.11.2016 hat die Europäische Kommission Gesetzesvorschläge vorgelegt, um diese Ziele umzusetzen bei gleichzeitiger Stärkung der Versorgungssicherheit und der Wettbewerbsfähigkeit. Diese Vorschläge gründen auf einem europäischen Strombinnenmarkt als Garant für Kosteneffizienz und ergänzen Kommissionsvorschläge zur Reform des Emissionshandels.

Energieeffizienz – vermiedene Energie ist besonders günstig

Die Europäische Kommission schlägt vor, die Energieeffizienz bis 2030 auf 30% zum Vergleichsszenario zu erhöhen statt 27% wie von den Staats- und Regierungschefs gefordert. Bei Umsetzung der Vorschläge ist von zusätzlich 400.000 neuen Arbeitsplätzen und Ersparnis durch weniger Luftverschmutzung in Höhe von € 4.5 bis 8.3 Milliarden auszugehen. Auch der Wert von Importen fossiler Brennstoffe würde bis 2030 um zusätzlich 12% zurückgehen (etwa € 70 Milliarden).

Um die Ziele der Energieeffizienz zu erreichen, schlägt die Kommission insbesondere die verstärkte Renovierung bestehender Gebäude vor und zielt damit immerhin auf 40% des europäischen Energieverbrauchs.

Die vorgeschlagenen Maßnahmen umfassen, neben der Weiterführung von Einspar-Verpflichtungen für Energieversorger, Umbaumaßnahmen, damit Gebäude automatisch ihren Energiekonsum anpassen können. Schließlich wird auch zu einer stärkeren Verwendung erneuerbarer Energieträger beim Heizen und Kühlen von Gebäuden motiviert.

Diese Neuerungen lenken Investitionen in die Gebäuderenovierung und schaffen allein in diesem Bereich bis 2030 einen Markt von € 80 bis 120 Milliarden. Insgesamt wird dies nicht nur Kostenersparnisse für den europäischen Konsumenten zur Folge haben, sondern auch 3.2 Millionen Haushalte aus der Energiearmut heben.

Die Kommission schlägt auch vor, das Programm zur Stärkung der Energieeffizienz elektronischer Produkte fortzuführen. Einzelne Maßnahmen, wie das Verbot alter Glühbirnen, wurden oft kritisiert, übersehen wird bei dabei aber das enorme Sparpotential: Eine Durchschnittsfamilie spart bis zu € 465 pro Jahr durch effiziente Geräte, allein die 2015 eingeführten Maßnahmen ersparen europaweit etwa den Verbrauch von elf Millionen Haushalten.

Erneuerbare Energien – Europa auf dem Weg zur globalen Nummer 1

Europa soll zur Weltspitze in Sachen erneuerbare Energie werden und deren Nutzung in Gebäuden, Verkehr und Industrie voran bringen. Die neuen Regelungen zielen bis 2030 auf die Erreichung eines 27% Anteils Erneuerbarer Energien am Energiemix ab. Das Ziel gilt für Europa. Die Mitgliedstaaten haben dazu anteilig beizutragen, ohne jedoch auf national verbindliche Quoten verpflichtet zu sein.

Dazu sind stabile Investitionsbedingungen ebenso wie die grenzüberschreitende Unterstützung erneuerbarer Energieträger entscheidend. Auch Bürokratie bei der Genehmigung neuer Anlagen muss den Vorschlägen zufolge abgebaut werden.

Im Verkehrsbereich sollen fortschrittliche Biokraftstoffe, Strom und erneuerbare Kraftstoffe gefördert werden, die eine Reduktion im Treibhausgas-Ausstoß von wenigstens 70% ermöglichen. Für Biokraftstoffe werden Nachhaltigkeitsregeln eingeführt, die die Rolle von Biokraftstoffen aus Nahrungsmitteln reduzieren. Es werden auch Anreize für Mitgliedstaaten gesetzt, den Anteil an Erneuerbaren beim Heizen um jährlich 1% zu erhöhen.

Zielerreichung durch den Markt – der Konsument im Fokus

Erneuerbare Energien sollen in Europa zukünftig primär durch den Markt statt durch kostspielige Fördersysteme finanziert werden. Das erfordert eine Anpassung von Marktstrukturen, wie zum Beispiel kürzere Handelszeiten als heute, denn Sonne und Wind sind nicht lang im Vorhinein planbar. Erzeuger erneuerbarer Energien sollen darüber hinaus in Zukunft nicht nur am klassischen Stromhandel sondern auch in Regelenergiemärkten und durch Systemdienstleistungen Geld verdienen können.

Des Weiteren muss die Marktflexibilität gestärkt werden. Es gibt Zeiten, zu denen, abhängig von Wetterbedingungen, sehr viel Strom in das Netz eingespeist wird und Zeiten, auf die das nicht zutrifft. Die Strompreise müssen den Überschuss oder auch die Knappheit des Stroms reflektieren können. Investitionsentscheidungen, gerade in flexible Produktionsanlagen, hängen davon ab, ob Strompreise gelegentlich auch hoch sein können. Energienetze sind auf europäischer Ebene und darüber hinaus weiter zu verbinden, um Schwankungen in der Stromproduktion und -nachfrage besser auszugleichen. Auch die Stromspeicherung wird in diesem Zusammenhang Bedeutung gewinnen.

Größere Flexibilität im Strommarkt bedingt auch ein besseres Nachfragemanagement. Die Einführung von intelligenten Zählern und dynamischen Strompreisen wird die Stromkunden in die Lage versetzen, ihre Flexibilität, oft gebündelt durch sogenannte Aggregatoren, im Markt anzubieten. Die neuen Regelungen erlauben es den Kunden, ihre eigene Energie zu produzieren und konsumieren und gleichzeitig für die Energie bezahlt zu werden, die sie in das Netz einspeisen.

Schließlich erhält auch die Versorgungssicherheit eine Europäische Dimension, mit gemeinsamen Regeln zur Krisenvorsorge und Gefahrenabwehr sowie einem gemeinsamen europäischen Rahmen für Kapazitätsmechanismen, also Regelungssysteme, die nicht nur die Stromproduktion selbst sondern bereits die Bereitschaft zur Stromproduktion honorieren. Derartige Mechanismen wären jedoch nur dann genehmigungsfähig, wenn der Markt erwiesenermaßen die erforderliche Versorgung mit Strom nicht gewährleistet. Im Übrigen sind Kapazitätsmechanismen, soweit überhaupt notwendig, mit Erzeugungskapazitäten in Nachbarstaaten zu verknüpfen. Dies reduziert Kosten für Verbraucher. Ein Limit von maximal 550g CO2 -Ausstoß pro kWh sorgt dafür, dass Kapazitätsmechanismen keine Hintertür für die Förderung stark verschmutzender fossiler Brennstoffe öffnen.

Die neuen Gesetzesvorschläge der Europäische Kommission sehen auch eine stärkere Kooperation zwischen Fernleitungsnetzbetreibern im Rahmen sogenannter „Regional Operational Centres“ vor. Eine allein auf nationale Interessen ausgerichtete Steuerung von Fernleitungssystemen passt nicht zu einem Europäischen Strommarkt.

All diese Neuerungen dienen der Dekarbonisierung des Energiesystems, der Versorgungssicherheit und der Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Wirtschaft beziehungsweise der Leitbarkeit von Strom. Bis 2030 würden bei Umsetzung der Kommissionsvorschläge, allein im Bereich des Strommarktes, zumindest € 9,4 Milliarden jährlich eingespart. Wie hoch der Nutzen eines neuen Strommarktdesigns und auch der Vorschläge zu Energieeffizienz und Erneuerbaren Energien aber letztendlich ist, hängt von der nun anstehenden Verhandlung der Kommissionsvorschläge durch das Europäische Parlament und die EU Mitgliedstaaten ab. Mit einem Ende dieser Verhandlungen ist bis 2019 zu rechnen.

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  1. Jürgen Portius

    vor 11 Monaten

    leider reichen die Maßnahmen nicht aus um ein Anstieg der durchschnittlichen Temperatur um 2,5 ° C zuverhindern. Die Marktwirtschaft hat nur ein Ziel, Gewinne zu maximieren und das widerspricht der minimierung des CO2 -Ausstoßes. Es ist bewiesen das durch die Erhöhung der durchschnittlichen Temperatur um mehr als 2,5 °C, weltweite Kathastrophen ausgelöst werden, die mehrere Billionen Euro Schäden verursachen! Wie kann man tun: Aufforstung der weltweiten Wälder, Verbot der brandrodungen mit drastigen wirtschaftlichen Strafen für die Länder, die biosphäre der Weltmeere, als größter Co2-Speicher, schützen z.B. die Überfischung verhindern, den Verkehr regulieren, z.B. Geschwindigkeitsbegrenzungen in Städte auf 30 km/h Autobahnen auf 80 km/h, u.s.w.. natürchlich werden alle Politiker das lässt sich nicht von heute auf morgen umsetzen, auch diese Argument wurde vor mehr als 30 Jahren gesagt. Warum, weil das gegen die Interessen des Kapitals ist. Es werden weiterhin durch die versäumnisse der Entscheider, Milliarden Menschen durch Klima+ Umwelt-Katastrophen sterben, aber das kann man tolerieren solange geld verdient wird! Ich kann mich da an ein Zitat erinnern: "Erst wenn der letzte Baum gefällt ist und die letzte Biene gestorben, wird der Mensch feststellen das man Geld nicht essen kann!" leider weiß ich nicht wer dieses gesagt hat. Ich bin der Meihnung wenn alle Weltregierungen einmalig ihren jährlichen Militärhaushalt in Klima-und Umweltschutz-Technologien investieren und einsetzen, sowie eine weltweite intensive Schulung+ Aufklärung über die Biosphären unserer Welt und deren Verletzlichkeit durchführen, gibts eventuell noch eine Rettung für diese Menschheit (unserer Kinder), aber es müsste sofort geschehen.

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