War watt? EWorld 2015, die Messe der Energiewende

Gastautor Portrait

Hubertus Grass

Kolumnist

Nach Studium, politischem Engagement und Berufseinstieg in Aachen zog es Hubertus Grass nach Sachsen. Beruflich war er tätig als Landesgeschäftsführer von Bündnis 90/Die Grünen, Prokurist der Unternehmensberatung Bridges und Leiter der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit beim Deutschen Evangelischen Kirchentag in Dresden. Seit 2011 ist er als Unternehmensberater freiberuflich tätig.

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12. Februar 2015
Energiewende aktuell

Sie ist weiter gewachsen. 640 Aussteller präsentieren sich auf der EWorld 2015 in Essen. Hier findet die Messe der Energiewende statt. Visuell herrscht noch die alte Schlachtordnung, Riesenmessestände der Essener Platzhirsche Eon und RWE, auch Gazprom, Suez und andere setzen sich kräftig und bunt in Szene, selbst kleinere Regionalversorger lassen sich bei Größe und Fläche nicht lumpen, Verbände wie der VKU sowieso nicht. Krise in Branche? In den Gesprächen und Foren geht um andere Themen. Auf der EWorld 2015 fehlen Windkraft- und Solaranlagenhersteller. Sie setzen in Abwesenheit die Impulse.

Noch vor zwei Jahren wurde darüber orakelt, dass eine Zunahme der fluktuierenden Energiewende aktuell, EWorld, MesseEinspeisung aus Wind- und Solarstrom die Netzstabilität gefährde. Sehr, sehr lange würde es dauern, bis es für diese Herausforderung zufriedenstellende und bezahlbare Antworten gebe. Die Antworten sind jetzt da. Sie kommen zum Beispiel von vielen kleinen Unternehmen, die sich zum Teil zum ersten Mal auf der EWorld vorstellen.
Jener Teil der Messe, auf denen sich die kleinen Stände befinden, könnte auch auf CeBIT, der Fachmesse der Informationstechnologie, stehen. In diesem Bereich der Messe ist alles smart und als Partner im Forum fungiert der IT-Branchenverband BITKOM. Der Rollout der Smart-Meter läuft an. Über das, was man mit den dann anfallenden Daten macht, wird noch Energiewende, Messe, Eworlddiskutiert. Der BDEW spricht zwar schon von einer „Datenflut“, die auf die Energiebranche zuströmt. (Hoffentlich ersäuft sie nicht!) Ändern wird sich aber vorerst nichts.
Wer die Prozesse verstehen will, vor denen die Energiebranche steht, möge sich bitte mal seine Telefonrechnung nebst Verbindungsnachweis zur Hand nehmen. Seit ca. 15 Jahren ist es eine Selbstverständlichkeit, dass wir erfahren, wann wir mit wem wie lange telefoniert haben. Bei den Tarifen haben wir die Auswahl zwischen verschiedenen Flatrates, wir können abseits der Dörfer DSL-Leitungen beliebiger Bandbreiten bestellen und bekommen auf den KB genau belegt, wie viele Daten wir aus dem Netz gezogen haben.
Energiewende, Messe, Eworld, SmarthomeDie Entsprechung der modernen Datenverarbeitung in der Energiewelt heißen Standardlastprofil und Postkarte, die wir einmal im Jahr im Keller vor dem Stromzähler ausfüllen und an unseren Versorger zurück senden. Mit dem Smartmeter beginnt die Energiewende auf der Kundenseite in die Zwischenwelt einzutreten, die zwischen der Zählerablesung und Big Data liegt. Technisch ist es kein Problem, statt einmal pro Jahr den Verbrauch zu erfassen, dies künftig alle 30 Sekunden zu tun – das ware eine Zunahme der Häufigkeit um den Faktor 1.000.000.
Werden die Daten aus der Energierechnung künftig ähnlich aussagekräftig wie die aus der Kommunikation? Beschlossen ist nichts. Die Daten fallen an. Ob sie ihr Besitzer, der Kunde, zu sehen bekommt, steht aber ebenso noch in den Sternen wie das, was die, die auf die Daten zugreifen könne, mit ihnen machen werden. Wer wird Googles Pendant im Energiesektor? Oder ist Google der Igel, der schon da ist, wenn die Energiebranche startet?
Igel sind auf der Messe der Energiewende nicht zu sehen. Das dominierende Tier der EWorld ist die Schlange. Vor der Anmeldung, vor der Garderobe, vor dem Getränkestand und erstmalig auch auf der Herrentoilette wurden die Kriechtiere gesichtet. Smart Metering hatte ich mir anders vorgestellt.

Ein erster, fragenreicher Eindruck von der Eworld 2015. Weitere werden folgen.

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  1. Anya Schneider

    vor 9 Monaten

    Geehrter Herr Grass,

    ich kann Ihre Bedenken zum Smart Meter Rollout gut nachvollziehen. Kritisch hinterfragt werden diese auch im folgenden Artikel: https://selectra.at/energie/service/stromzaehler/smart-meter

    Und Informationen zum in Insolvenz gegangenen Unternehmen Flexstrom gibt es hier: https://stromliste.at/versorger/flexstrom

    Ich hoffe das hilft Ihnen und den Lesern weiter!
    Beste Grüße

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