Energie-Reporterin Sophie Lampert in Dänemark

Sophie Lampert

Energie-Reporterin

Sophie Lampert berichtet für uns aus Kopenhagen, Dänemark zu den Themen Recycling und Abfallmanagement, Mobilität und Wärmeversorgung.

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03. November 2020

Warum in Kopenhagen ein Müllberg so viele Fans hat

Beitrag vom 19. Oktober 2020

Der Copen Hill ist ein Müllberg der besonderen Art – und ein Blick auf die vielen positiven Google-Rezensionen zeigt: Es gibt eine Menge Fans. Was es damit auf sich hat berichtet Energie-Reporterin Sophie Lampert: Sie ist im Wintersemester 2020/21 unterwegs in Kopenhagen. Die vermutlich fahrradfreundlichste Stadt Europas hat neben unzähligen Kilometern an Fahrradwegen noch eine Menge mehr zu bieten – zum Beispiel in Sachen nachhaltige Wärmeversorgung in der Stadt.

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Von Müllschächten und schiefen Mülleimern – Recycling und Abfallmanagement in Kopenhagen

Geneigte Mülleimer für Fahrradfahrer, hauseigene Müllschächte, saugende Mülltransporter – während meiner ersten Wochen in Kopenhagen sind mir einige Besonderheiten, insbesondere im Bereich Mülltrennung und Recycling, in der Stadt aufgefallen. Auch wenn das Thema Müll in Kopenhagen anfangs recht komplex wirken mag, hat die Stadt sich auch hier Ziele gesetzt, den Abfall in der Region im Sinne der Klimaneutralitätspläne bis 2025 weitestmöglich zu reduzieren.

So widmet sich beispielsweise der kürzlich initiierte Abfallentsorgungsplan Circular Copenhagen 2019-2024 im Rahmen dreier Hauptziele der Reduktion stadteigenen Mülls von ca. 70 Prozent. Der Plan umschließt auch eine signifikante Verringerung von CO2-Emissionen durch die vermehrte Verwendung von Bioabfall in Biogasanlagen und eine Verdreifachung von Tausch- und Wiederverwendungsinitiativen, die ebenfalls der Abfallreduktion dienen sollen.

Mülltrennung in Kopenhagen

Das Konzept Mülltrennung ist in Kopenhagen generell noch weniger verankert als man es aus Deutschland gewohnt ist. Dennoch trennen die Kopenhagener ihren Müll mehr und mehr, was ihnen beispielsweise durch über die Stadt verteilte Recycling- und Sammelstationen erleichtert wird. Diese Stationen sind in der Regel bemannt und beinhalten auch Tauschstationen, wo man nicht mehr Benötigtes abgeben oder gegebenenfalls eintauschen kann. Wohnanlagen sind normalerweise mit den üblichen Vorrichtungen für die Trennung von Plastikabfall, Karton und Flaschen ausgestattet.

Auf Dosen und Flaschen gibt es auch in Dänemark größtenteils Pfand, allerdings variiert der Betrag gemäß des dänischen „ABC“-Systems je nach Art: so gibt es innerhalb der Kategorie A auf Glasflaschen und Aluminiumdosen unterhalb eines Liters eine dänische Krone (DKK), in der Kategorie B auf Plastikflaschen unter einem Liter 1,5 DKK und in der Kategorie C auf Flaschen und Dosen zwischen einem und zwanzig Litern Fassungsvolumen allgemein 3 DKK Pfand. Umgerechnet variiert der Pfandbetrag somit zwischen zwanzig und vierzig Cent.

Eine Besonderheit bei der häuslichen Mülltrennung ist ein hauseigener Müllschacht, mit dem viele Wohnhäuser in Kopenhagen ausgestattet sind. Durch einen mit einer kleinen Tür versehenen Kanal können Hausbewohner von jedem Stockwerk aus ihren Restmüll „entsorgen“, indem sie ihn in den entsprechenden Schacht werfen. Im untersten Stockwerk wird der Abfall dann gesammelt und wird von sogenannten „Sugebils“, Lastwägen, an denen ein Schlauch befestigt ist, regelmäßig aus dem Sammelbehälter aufgesaugt. Hierbei gelangt der gesammelte Restmüll mit einer Geschwindigkeit von bis zu 70 Stundenkilometern in weniger als zwei Minuten in den Lastwagen und kann abtransportiert werden, beispielsweise zum Copenhill.

Kreative Wege gegen Abfall in Kopenhagen

Kreative Ansätze im Kampf gegen Abfallentstehung und -verbreitung bieten in Kopenhagen auch verschiedenartige Freizeitaktivitäten. Diese können durch ihr Konzept natürlich lediglich einen kleinen Beitrag leisten, schaffen aber durch ihre Präsenz im Stadtbild ein zunehmendes Bewusstsein für das Thema. Ein Beispiel hierfür bietet GreenKayak, eine Initiative, die der Verschmutzung von Gewässern entgegenwirkt und 2017 auf den Kanälen von Kopenhagen entstanden ist. Interessierte können sich online ein Kayak reservieren und mit diesem kostenlos zwei Stunden durch die Kanäle paddeln – einzige Voraussetzung ist das Aufsammeln von Müll vom Wasser aus in dieser Zeit. Ausbeute wird am Ende gewogen und notiert, wodurch insgesamt schon über 42 Tonnen Meeresabfall gesammelt werden konnten (Standorte in Dänemark, Deutschland, Schweden, Norwegen und Irland zusammengefasst).

Wer der Lebensmittelverschwendung entgegenwirken möchte, hat durch die dänische Too Good to Go-App auch in Kopenhagen zahlreiche Möglichkeiten, aktiv zu werden. Eine Vielzahl an Kopenhagener Supermärkte, Cafés und Restaurants bietet im Rahmen der Initiative an, übriggebliebenes Essen zu einem geringen Preis zu erstehen. Seit der Einführung der App in Dänemark in 2016 konnten somit bereits über 15 600 Tonnen CO2, welche mit Lebensmittelverschwendung in Bezug gesetzt werden können, eingespart werden.

Aus Müll wird Energie

Da sich die Entstehung von Abfall trotz allem nicht vollständig vermeiden lässt, widmet sich die Stadt Kopenhagen vermehrt Projekten im Abfallmanagement, wie beispielsweise durch den eingangs erwähnten Abfallentsorgungsplan oder strengere Gesetzgebungen. Seit 1988 konnte die Menge des Abfalls, der in Mülldeponien gelandet ist, somit um fast 40% verringert werden. Auch Recycling und die Vermeidung von innerstädtischer Müllverbrennung, die gefährliche Luftverschmutzungen verursacht, haben großen Stellenwert gewonnen.

Diese Entwicklung kann besonders durch den Copenhill unterstrichen werden. Die in Kopenhagen gelegene, angeblich sauberste Müllverbrennungsanlage der Welt wird mit täglich bis zu 350 Lastwagenladungen Restmüll aus Kopenhagen und umliegenden Kommunen versorgt. Dieser wird innerhalb des Gebäudes verbrannt und in Energie und Fernwärme umgewandelt, welche anschließend an die Haushalte zurückgehen. Die Besonderheit des Copenhill ist, dass durch spezielle Filtrationstechnologien lediglich Wasserdampf und keine umweltschädlichen Stoffe, die normalerweise durch Müllverbrennung entstehen, in die Umwelt freigegeben werden. Hierauf gehe ich in meinem ersten Energie-Report genauer ein.

Auf der einen Seite wirkt der Kontrast zwischen individuellen Beiträgen zur Abfallvermeidung, wie beispielsweise die einfache Mülltrennung, und offiziellen Initiativen in diese Richtung auf mich in Kopenhagen noch relativ stark. Trotzdem denke ich, dass die Stadt insgesamt auf einem guten Weg ist, um Abfall und dessen negative Auswirkungen bestmöglich zu verringern, wie nicht zuletzt die verschiedenartigen Initiativen vor Ort zeigen.

Nicht im Text genannte Quellen:

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