War watt? Nachlese E-world2015: Die große Transformation des Energiemarktes

Gastautor Portrait

Hubertus Grass

Kolumnist

Nach Studium, politischem Engagement und Berufseinstieg in Aachen zog es Hubertus Grass nach Sachsen. Beruflich war er tätig als Landesgeschäftsführer von Bündnis 90/Die Grünen, Prokurist der Unternehmensberatung Bridges und Leiter der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit beim Deutschen Evangelischen Kirchentag in Dresden. Seit 2011 ist er als Unternehmensberater freiberuflich tätig.

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19. Februar 2015

Die Bundesregierung arbeitet in diesem Jahr an ihrem Gesellenstück: Per Gesetz die Voraussetzung für die Integration von 30 bis 50 Prozent Erneuerbarer Energie in das Stromnetz zu schaffen; in diesem Jahr wird sie dazu ein Weißbuch veröffentlichen. An den Ständen der Energiemesse E-world 2015 war das künftige Strommarktdesign bestenfalls noch ein Thema am Rande. Der Blick geht weiter voraus. Wer wollte konnte sich bereits über das Meisterstück informieren, das noch weit vor uns liegt: Das Zusammenwachsen der Segmente Strom, Wärme und Mobilität – die Transformation des Energiemarktes.

In Halle 7 am Stand der Fuel Cell Energy Solutions war auf der E-world 2015 ein (wahrscheinliches) Element der großen Transformation des Energiemarktes schon zu besichtigen. Der ausgestellte Brennstoffzellen-Stack des Dresdner Unternehmens ist mit einer Brennstoffzellenstack, Energiewende, FHöhe von 4,50 m der derzeit längste auf der Welt. Mit einer Nennleistung von 400 kW kann er ganze Dörfer oder Wohngebiete versorgen. Bennstoffzellenkraftwerke können Strom und Wärme gleichzeitig erzeugen, sie sind grundlastfähig, arbeiten leise, fast emissionsfrei und sind daher bestens geeignet, die Energiewende mitten in die Stadt zu holen. Als Antriebsstoff ist derzeit Erdgas noch konkurrenzlos günstig, sie arbeiten aber auch mit erneuerbarem Biogas – Gas aus der Abwasseraufbereitung, der Lebensmittelherstellung oder Deponiegasen.
Bevor die beste aller Lösungen – die Versorgung aller Märkte mit 100% Erneuerbarer Energie – gefunden und realisiert wird, braucht es den evolutionären Fortschritt. Elektroautos, die allein mit Strom angetrieben werden, führen auf dem Markt immer noch ein Nischendasein. Den 12.156 in Deutschland zugelassenen Elektro-Pkws standen 85.575 Hybrid-Pkws in 2014 gegenüber. Weltweit ist die Tendenz eine ähnliche. Und auch im Januar dieses Jahres blieb die Neuzulassung der Elektroautos mit 659 Stück hinter der der Hybridautos zurück.
Hybride Antriebe sind eine Zwischenlösung, die auch bei der Transformation des Energiemarktes eine wichtige Rolle spielen wird. Bei der thermosolaren Heizungsunterstützung sind hybride Systeme bereits millionenfach im Einsatz. Nun kommt die nächste Welle, die Erzeuger wie Mikro-Blockheizkraftwerke, Fotovoltaik und Solarthermie mit Wärmepumpen und Verbraucher (Lüftung, Licht und Elektrogeräten) zu einem System verbinden wird, das sich je nach Angebot aus fossilen Energieträgern oder den Erneuerbaren speist.

Solche dezentralen, meist noch hybriden Sub-Systeme können Wohnungen, Häuser und ganze Fabriken versorgen und werden per Multi Utility Controler gemanagt. Per Smart Grid miteinander verbunden und vernetzt gehören sie dann zukünftig als ein dezentraler und intelligenter Baustein zur Tesla, Energiewende, E-MobilityTransformation des Energiemarktes. Am Ende sollen sichere, massengeschäftstaugliche Verfahren, Konzepte für das Gesamtsystem sowie Marktmechanismen entstehen, die die innovativen Technologien mit dem Erzeugungs- und Lastmanagement möglichst kostengünstig miteinander verbinden. Auf der E-world 2015 stellte Alexander Folz aus dem Bundeswirtschafts- und Energieministerium im Schaufenster „Intelligente Energie“ schon einmal beispielhaft vor, wie das Energiesystem der Zukunft aussehen könnte.

Smart Grids, Smart Home, Smart Meter – die E-World 2015 strotzte vor Intelligenz (vor allem im Marketing). Technisch sind die weiteren Schritte der Integration der Erneuerbaren in den Strommarkt kein Problem mehr; auch an Vermarktungsplattformen für Strom, virtuellen Kraftwerke oder den Markt steuernden Preissignalen und Möglichkeiten für den Verbraucher, auf diese Signale zu reagieren, wird es nicht fehlen. Alles ist da, und Wettbewerb gibt es sowohl bei Beratung, Hardware und Software.

Ein Strommarkt, dessen Nachfrage zu 100 Prozent durch Erneuerbare Energien gedeckt wird, galt in der klassischen Energiewirtschaft vor einer Dekade noch als Illusion, der ein paar ökologisch überdrehte Spinner huldigten. Heute spricht auf der E-world als Messe der Energiewende niemand mehr über diese Herausforderung von einst. Technisch sind die Aujfgaben gelöst. Man redet nicht mehr darüber, was alle wissen: Es wird funktionieren. Während die Politik noch an den Gesetzen, Verordnungen und sonstigen Regularien bastelt, wandern die Gedanken und Ideen der innovativen Köpfe schon ein paar Schritte weite Richtung Zukunft.

Trotz aller smarten Geräte und Köpfe auf der E-world 2015 konnten auf der Messe nicht alle Fragen des neugierigen Besuchers beantwortet werden:

  • Wie teuer wird das gesamte smarte Gesamtkunstwerk eines einheitlichen Energiemarktes?
  • Welchen Teil vom Preis werden die Systemkosten beanspruchen, die angefangen vom intelligenten Zähler im Keller, über die Steuerung des Smart Home, die Vernetzung auf Verbraucher- und Erzeugerseite und die Infrastruktur viele, viele Milliarden verschlingen wird?
  • Wird sich die Brennstoffzelle im Haus oder im Gewerbe als Multitalent in der Erzeugung von Strom und Wärme durchsetzen?
  • Kann die Brennstoffzelle die Vorherrschaft der elektrochemischen Speicher noch brechen? Oder müssen wir uns von den schönen Aussichten der Wasserstoffwelt aus Kosten- und Effizienzgründen verabschieden?

Nach der Messe ist vor der Messe. Vom 9. bis 11. März findet in Düsseldorf eine spezielle Messe und Konferenz zu Energiespeichern, die „Energy Storage Europe“, statt. Von dort reist der Energiebegeisterte gleich weiter nach Hannover, wo auf der CeBIT 2015 einmal mehr bewiesen werden wird, dass ohne moderne IT in der Energiewelt nichts mehr läuft.

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